Mittwoch-genervt

In dem Maße in dem Saša Stanišić  auf Twitter herumwütet, in dem Maße beginne ich mich zu fragen, ob ich sein nächstes Buch, noch mit derselben Begeisterung lesen werde wie zum Beispiel „Herkunft“.

Die Betroffenheit ist nur zu verständlich, aber dieses: Handke sei ein kitschiger Ästhetizismus Autor, das nervt. Die ganze Debatte, Handke ein Faschist und so weiter und so fort, lassen mich jede Differenzierung vermissen.

Jedenfalls lese ich jetzt Handke und Thomas Mann der schreibt:

„Glücklicher, angemessener wollen jene mir scheinen, in denen das Bedürfnis nach Freiheit, nach ungebundener Anschauung, mit einem Wort nach Ironie, die ich seit so langem schon als das Heimat-Element aller geistigen Kunst und Produktivität zu verstehen gelernt habe, über den Haß den Sieg davon trägt.Liebe und Haß sind große Affekte, aber eben als Affekt unterschätzt gewöhnlich jenes Verhalten, in dem beide sich aufs eigentümlichste vereinen, nämlich das Interesse. Man unterschätzt damit zugleich seine Moralität. Es ist mit dem Interesse ein selbstdisziplinierter Trieb, es sind humoristisch-asketische Ansätze zum Wiedererkennen, zur Identifikation, zum Solidaritätsbekenntnis verbunden, die ich dem Haß als moralisch überlegen empfinde.“ Thomas Mann „Bruder Hitler“