Proust lesen- Die Gefangene-wir leben nur mit dem was wir nicht lieben

Nieselregen, Nebelschwaden, Lieblingswetter. Jetzt kehrt Stille ein im Haus. Ich kehre zu Albertine zurück und bleibe gleich beim ersten Satz hängen.

„Wir leben nur mit dem, was wir nicht lieben, was wir einzig in unsere Nähe gezogen haben, um die unerträgliche Liebe zu töten, ob es sich nun um eine Frau, ein Land oder auch um eine Frau handelt, die ein Land miteinschließt. Wir hätten sogar große Angst, die Liebe könne noch einmal beginnen, wenn es von neuem zu einer Abwesenheit käme.“

Ich stimme nicht überein. Das Verliebtsein hört auf, das Fahrwasser der Liebe ist ruhiger. Zum Glück, wer will schon ständig dieses sich verlieren, das Auf und Ab.

Nein ich stimme nicht überein.

 

Proust lesen Tag 129-Sodom und Gomorrha _Ankunft in La Raspeliere

Proust: Madame Verdurin erhält Nachricht darüber, dass ihr Pianist Dechambre, der die Mittwochabende seit 25 Jahren begleitet hat, gestorben ist. Für Madame Verdurin zählen nur die Lebenden und so entschuldigt ihr Gatte diese Fühllosigkeit mit übergroßer Trauer.

Der kleine Clan wird von Kutschen am Bahnhof abgeholt.  „Begrünte Hügelkuppen senkten sich hinab bis ans Meer, in breiten Weidegründen, denen die Sättigung durch Feuchtigkeit und Salz eine samtige Dichte und lebhaft kontrastierende Töne verlieh. „“Inselchen“ und zerrissene buchten, Sommerhäuser die fast fast alle von Malern gemietet waren, frei umherlaufende Kühe-Idylle pur.

In Raspeliere stehen Verdurins im Smoking zum Empfang bereit, nur Marcel trägt ein Jackett, es ist ihm unangenehm,

Eine weitere Nachricht erreicht die Verdurins: Morel wird kommen, „muss „aber seinen alten Onkel Charlus mitbringen, was zu allerhand Irritation führt. Man scheint Charlus hier wenig zu schätzen. 

Kiel: Laue Oktoberluft, eher ein Rest von Altweibersommer. Der Himmel brennt morgens und abends in  Hellblau und Pink.

Proust lesen Tag 128-Sodom und Gomorrha-auf dem Weg zu den Verdurins

Proust: Wie lange braucht die Fahrt von Balbec nach La Raspeliere? Wo übernachtet man? Weder bekommt man eine Beschreibung der Inneneinrichtuung des Zuges, selten werden andere Fahrgäste (die nicht dem kleinen Clan angehören) beschrieben, abgesehen von der jungen, rauchenden Dame, von der Marcel so fasziniert war.

Er fürchtet diese nie wieder zu sehen. Albertine versucht ihn zu beruhigen, man träfe sich immer zwei Mal im Leben.  „In diesem besonderen Falle täuschte sie sich; ich habe das schöne junge Mädchen mit der Zigarette niemals wieder getroffen oder erfahren, wer sie eigentlich war.“

„Oft noch, wenn ich an sie denke, fühle ich mich von irrem Verlangen erfaßt. Aber die Wiederkehr solcher Wünsche legt freilich die Überlegung nahe, daß man, um solche Mädchen mit dem gleichen Vergnügen wiederzusehen, auch zu dem Jahr zurückkehren müßte, auf das seither zehn andere gefolgt sind, und daß während dieser Zeit das junge Mädchen seine Frische sicherlich eingebüßt hat. Man kann zuweilen ein Wesen wiederfinden, doch nicht die Zeit auslöschen.“

„Doch man spürt, daß das Unterfangen zu groß ist für die geringen Kräfte, die man noch besitzt. Die ewige Ruhe hat schon Intervalle eingelegt, in denen man weder auszugehen noch zu sprechen vermag.“

Was noch geschah: Cottard erzählt, dass Madame Verdurin eine Nachricht erhielt. Ihr Lieblingsgeiger (Morel) hatte sie versetzt.  Sie vermutet, er habe den Zug verpasst. Wir wissen warum.

Cambremers tauchen als zu erwartende Gäste auf, Fürstin Scherbatow wird im Zug gesucht und gefunden und ist nicht die Puffmutter, für die man sie hielt.

Kiel: 5.00 Uhr aufgestanden und Proust gelesen. Als ich später die Tageszeitung aus dem Briefkasten holte, es war noch dunkel, traute sich die Katze erstmals ins Freie. Recht selbstbewusst und so gar nicht vorsichtig.

Wetter: Ein fulminanter rosa, hellblauer Morgenhimmel, der trotzdem etwas geradezu merkwürdiges hatte. Krähen als schwarze krächzende Lichtpunkte. Sonniger, kühler Tag.

 

 

Proust lesen Tag 123-Sodom und Gomorrha-Albertine

Den Hokkaido zerteile ich, füge Anis, Kurkuma, Lorbeer hinzu, später noch Honig und Apfel, währen die Kartoffeln bei 100 Grad im Ofen garen, nebenbei höre ich

Proust. Ich mag die Stimme Albertines nicht. Sie ist mir zu unterwürfig. Irgendwo habe ich gelesen, dass man Proust nicht psychologisieren sollte. Ich kann gar nicht anders, als es psychologisch zu betrachten, weil die Liebesbeziehungen und Verehrungen immer ins wahnhafte abgleiten. Immer ist da die Suche nach Symbiose, jedenfalls verstehe ich es so. Marcel hält Albertine hin, sagt ihr er sei in Andree ihre Freundin verliebt und ja fast hätte er auch mal sie geliebt-Albertine, aber nun nicht mehr. Er genießt darauf hin, dass er nun wesentlich unbefangener mit Albertine umgehen kann, deren Verwandlung vom wilden Kätzchen zur gefügigen jungen Dame vollzogen ist. Es sind diese Stellen, die ich nicht verstehe. so wie er sich hier über Albertine äußert, so äußert er sich über Charlus oder Bloch-abfällig. (satirisch, ironisch, überspitzt.)

Langer Spaziergang am Fluss entlang, Sonne, Wind, Regen und Regenbogen, die Libellen fliegen noch immer.

Wieder zurück zu Hause, bollert der Ofen, es riecht nach Lavendel und Thymian. Anna hat Klösse selbst gemacht. Ich weiß jetzt wer das Weihnachtsessen kochen wird. Julius schleppt Körbe voller Holz herbei.

Der Hund sieht die Klöße auf dem Tisch, sieht mich versunken in Proust, springt mit den Vorderpfoten auf den Tisch, holt sich den Kloß.

 

Proust lesen Tag 116-Sodom und Gomorra- Albertine

Kiel:

Ich beobachtete einen Ohrenkneifer, der eine Ameise unter die Fuge der Holztreppe schleppte.

Ein warmer Tag, spätsommerlich.

Proust: Marcel und Albertine verstricken sich in Nähe und Distanzkämpfe.

Proust lesen Tag 115-Sodom und Gomorra

Mit einem Klacken fallen, die Eicheln vom Baum, eher springen sie. Junge Eichhörnchen  springen hinterher.  Es ist bereits recht warm als ich zur Arbeit gehe, später als sonst.

Libellen fliegen zusammen mit Wespen immer dicht über den Sand, als würden sie die Ritterburg observieren, die später ein paar Füßen zum Opfer fällt.

Die Erkältung hat auf mich übergegriffen, das Aspirin überdeckt die Halsschmerzen, aber nicht den Schnupfen.

Der Tag hat zu wenig Stunden.

Proust: Endlich hat Marcel die Soiree verlassen. Bei Francoise, die eilig die Schüsseln wegräumt (sie hatte nur ein paar Happen gegessen), fühle ich mich wohler.

Marcel erwartet Besuch, Albertine hat sich angekündigt.

Proust lesen Tag 114-Sodom und Gomorra

Kiel:

Es wird wieder warm und die spät ausgesäte Wildblumenmischung steht in voller Blüte.

Der Sommer gibt nicht auf

Schwebwespen sind unterwegs, überall blüht der Hornsauerklee.

Proust: Bei der Soiree wird Swann gemieden, weil er für Dreyfus ist, Saint Loup schwärmt von Bordellen. Die Welten Guermantes, Sodom und Juden sind übereinandergelegt. (Nachgelesen)

Proust lesen Tag 113-Sodom und Gomorra

Abends auf der NordArt gewesen.

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Proust: Auf der Soiree von Madame Guermantes. Man findet sich in den Lastern, zum Beispiel diesem: des stundenlangen Monologisierens. Proust nimmt hier Mechanismen aufs Korn, die man auch heutzutage vorfindet, nur das das alles natürlich in kleineren Rähmchen abläuft.

„Eine Dame der Gesellschaft aber hat nichts zu tun, und wenn sie im Figaro liest: „gestern haben der Fürst und die Fürstin von Guermantes eine große Soiree gegeben und so weiter“, ruft sie bestürzt: Wie! Vor drei Tagen erst habe ich eine Stunde mit Marie-Gilbert gesprochen, und sie hat mir nichts davon gesagt!“ Dann zerbricht sie sich den Kopf , um herauszubekommen, was sie den Guermantes wohl angetan haben könnte.

Charlus beobachtet ungeniert junge Männer, es wird über Dreyfus diskutiert

Proust lesen Tag 112-Sodom und Gomorra (Tag1)-Charlus

Proust: Ich bin beim nächsten Band angelangt. 

Charlus Balzac Leser, der Welt von Sodom zugehörig und der Welt der Guermantes, welches ihn mit Standesdünkel erfüllt. 

Kiel:

Kühler sonniger Tag mit klarer Luft. Endlich den Sauerteigansatz angesetzt.

Kurze Proustpause-Tagebuchbloggen

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen und ich bin mit dabei.

8.00 Uhr auf dem Parkplatz gestanden und nach Jemanden Ausschau gehalten der mir beim Tragen der Apfelkisten helfen könnte. Irgendwann kam C. und half tragen.

Apfelsaftpresse im Garten aufgebaut, Waschanlage, Tische mit Brettern und Messern.

In der noch kühlen morgendlichen Herbstluft prasselte ein Feuer und erzeugte diesen typischen würzigen Herbstduft mit Spuren von Äpfeln und Holzfeuer. Die Bosköppe waren ergiebig. Die Kinder zerkleinerten mit Feuereifer Äpfel, schredderten, kurbelten und jubilierten als der goldgelbe Saft in den Topf floss.

Zum Mittag gab es Safranreis mit Hackfleisch, später Blaubeerpudding. Gegen 17.00 verließ ich die Kita, telefonierte, Whats appte, hing Wäsche auf.

Ich genieße den früheren  Einbruch der Dunkelheit, der einem das schlechte Gewissen nimmt. Nur noch schnell den Kuchen aus dem Ofen nehmen, den Geburtstagstisch decken  und dann schlafen, ich bin so müde.

Mit Proust geht es spätestens Samstag weiter.