Wie unsere Familie auszog, um Turandot im Public Viewing zu hören und zu sehen, Premiere von Turandot in Kiel-Oper im öffentlichen Raum

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„Großartig!“, schrieb die Freundin, die die diesjährige Sommeroper „Turandot“ in einer Liveübertragung in  Preetz gesehen hatte.

Eine andere: Irre toll!

Der Gatte, ich und die Kinder, mit Fingerfood und einer Decke bewaffnet, bemerkten schon beim Ankommen, dass wir zu spät waren. Noch eine Stunde bis zum Beginn. Alt und Jung (etwa 1500 ) hatten sich bereits versammelt und genossen den regenfreien Sommerabend bei Rotwein und Kaffee. Eine erwartungsvolle Stimmung in der Luft. Uns blieb nur noch ein Platz am Rand.  Auf der großen Leinwand erschien der Oberbürgermeister. Noch zehn Minuten bis zum Beginn.

(Ich hatte von Puccini noch keine Oper gehört, überhaupt beginne ich die Welt der Oper erst kennenzulernen. Ich bin als Kind einer ostdeutschen Arbeiterfamilie eher mit dem Oktoberclub und Pete Seeger aufgewachsen. Mein Vater liebte Jazz, meine Mutter auch Beethoven, in die Oper oder ins Theater gingen wir nie.)

Ich vermute, ich kann über Knausgard besser schreiben, als über Turandot. Gelesen habe ich schon immer. Trotzdem will ich versuchen meinen Eindruck von dieser Inszenierung von Daniel Karasek, in Worte zu fassen:

Mich faszinierte die Klarheit des eisigen Bühnenbildes, das Weiß des Tempels, der eisblaue Boden im Einklang mit den aufwendig gestalteten Kostümen, einfach schön. Nichts Verschnörkeltes, nichts Überladenes, nichts Kitschiges. Klare eindrucksvolle Linien und Farben.

Ähnlich erging es mir mit den Stimmen, klar, kühl, trotzdem emotional und brillant- Turandot. Liu-sehr berührend,  Calaf-einfach herrlich, Stimmen die mich in ihren Bann zogen. Ping, Pang und Pong sangen nicht nur Klasse, sondern waren auch noch urkomisch. Die klangprächtigen Chöre unterstrichen dieses Klare und Monumentale mit einem präzisen und wunderschönen Klang. Ästhetik pur.

Auch die Kinder waren beeindruckt.

Karla: Die beiden Balletttänzer, wie Klasse tanzen die denn? Die können so viel ausdrücken mit ihrem Tanz. Ach ich finde einfach alles toll. Turandot und Ping, Pang, Pong.

Anna: Die Sklavin fand ich auch super.

Julius: Krasse Geschichte, aber irgendwie total cool. Aber wer will schon jemanden heiraten, bei dem man Gefahr läuft, umgebracht zu werden? Muss zugeben Opern sind nicht so, wie ich dachte dass sie es sind.

Am Ende wird alles gut. Die Premiere von Turandot wird frenetisch bejubelt.  Sehr verdient.

Das Public Viewing bietet eine schöne Atmosphäre, trotzdem würde ich mir die Oper gern noch mal real anschauen wollen.

„Großartig. Da schließe ich mich der Freundin an.