Marie Sophie Hingst ist tot und das trifft mich sehr.

Es ist ungefähr 4 Jahre her, als dieser Gravatar von readon unter einer Buchrezension auftauchte, die ich über ein Buch von Sarah Kirsch geschrieben hatte.

(Sarah Kirsch geborene Ingrid Hella Irmelinde Bernstein  hatte sich aus Sympathie zum Judentum in Sarah unbenannt.)

Ich las gern bei read on. Ich mochte ihren Schreibstil sehr und tauchte gern ein in dieses fremde Leben zwischen ländlichen Irland und turbulenten Indien. Anfangs kommentierten wir noch eine Weile hin und her. Ich habe mich nie gefragt, ob etwas daran nicht stimmen würde. Später las ich seltener, die Beiträge ähnelten sich. Das hätte ich in Buchform gut lesen können.

Dann kam das Aufploppen in der timeline: Betrug. Ein erfundenes Leben mit einer jüdischen Idendität.

Trotz der äusserst schwierigen Geschichte, stand ich dem Spiegelartikel skeptisch gegenüber. Da wurde Read on öffentlich demontiert.

Ich habe noch ein wenig im Netz gesucht und bin auf diesen tweet von Anna Dobler gestossen:

plädiere ich aus der journalistischen Praxis dafür, dass der Name nicht voll ausgeschrieben wird oder der Artikel nur temporär im Netz bleibt, um der Person die Chance auf Rehabilitation zu ermöglichen. Auch würde ich, wo es geht, die Kommentarfunktion einschränken. Ich weiß nicht, ob das im speziellen Fall etwas geholfen hätte, aber der digitale Mob kann sehr gnadenlos sein und das ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wie sich das für die Betroffenen in dem Moment anfühlt.

Ich hätte Marie Sophie Hingst so gewünscht, dass es weitergeht irgendwie.

Der Beitrag von evenyleve zu Marie Sophie Hingst fand ich berührend.