Dieser Sommer wird für mich den Geruch von Hundsrosen und Meerwasser tragen. Es wird der Sommer sein in dem ich mit dem blaubereiften Leihrad stundenlang am Wasser entlangfuhr. „Das blaubereifte Fahrrad war der größte Glücksfall seit langem. Dank dieses Rades war die Fahrt eine winzige Auszeit von der Melancholie der letzten drei Wochen. Eine Kollision hatte stattgefunden. „(frei nach Deborah Levy). Es wird der Sommer gewesen sein in dem ich Deborah Levy las. Es wird der Sommer gewesen sein, in dem ich vermutlich eine falsche Entscheidung getroffen hatte.

Was macht man mit falschen Entscheidungen?

Es tut mir leid, den Text wieder nachträglich verändert zu haben.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass man nicht ohne Erlaubnis des Autors etwas veröffentlichen darf.

Ich habe fast den ganzen Tag damit verbracht, den Blog von Readonmydear zu lesen, vom ersten bis zum letzten Beitrag. Und da fiel mir dieser Blogbeitrag von 2016 in die Hände, in dem sie beschreibt wie am Ende der Hoffnung alles schwindet. Den habe ich hier reingesetzt und nun wieder herausgenommen.

Es war einer meiner Lieblingsblogs, weil sie auf ihre melancholische Art des Schreibens dem Leben eine sehr eigenwillige Tönung gab. Es las sich heute sehr anders, mit all dem Wissen und doch, trotz dieser Lebenslüge die moralisch sicher äußerst schwierig ist, interessiert mich der Mensch dahinter. Wer war sie wirklich? Wie lebte sie? Was führte zu dieser ganzen verrückten Geschichte. Und sie macht mich betroffen und traurig.

Habe hier in Reginasgedankenwelten noch einen Blogbeitrag gefunden auf den ich gern hinweisen möchte.

Marie Sophie Hingst ist tot und das trifft mich sehr.

Es ist ungefähr 4 Jahre her, als dieser Gravatar von readon unter einer Buchrezension auftauchte, die ich über ein Buch von Sarah Kirsch geschrieben hatte.

(Sarah Kirsch geborene Ingrid Hella Irmelinde Bernstein  hatte sich aus Sympathie zum Judentum in Sarah unbenannt.)

Ich las gern bei read on. Ich mochte ihren Schreibstil sehr und tauchte gern ein in dieses fremde Leben zwischen ländlichen Irland und turbulenten Indien. Anfangs kommentierten wir noch eine Weile hin und her. Ich habe mich nie gefragt, ob etwas daran nicht stimmen würde. Später las ich seltener, die Beiträge ähnelten sich. Das hätte ich in Buchform gut lesen können.

Dann kam das Aufploppen in der timeline: Betrug. Ein erfundenes Leben mit einer jüdischen Idendität.

Trotz der äusserst schwierigen Geschichte, stand ich dem Spiegelartikel skeptisch gegenüber. Da wurde Read on öffentlich demontiert.

Ich habe noch ein wenig im Netz gesucht und bin auf diesen tweet von Anna Dobler gestossen:

plädiere ich aus der journalistischen Praxis dafür, dass der Name nicht voll ausgeschrieben wird oder der Artikel nur temporär im Netz bleibt, um der Person die Chance auf Rehabilitation zu ermöglichen. Auch würde ich, wo es geht, die Kommentarfunktion einschränken. Ich weiß nicht, ob das im speziellen Fall etwas geholfen hätte, aber der digitale Mob kann sehr gnadenlos sein und das ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wie sich das für die Betroffenen in dem Moment anfühlt.

Ich hätte Marie Sophie Hingst so gewünscht, dass es weitergeht irgendwie.

Der Beitrag von evenyleve zu Marie Sophie Hingst fand ich berührend.

and drink Martini dry

„Ich würde das nicht ohne Martini lesen“, sage ich zum Gatten.

„Was?“

„Maeve Brennan“

Der Gatte erzählt etwas von „war in in den Zwanzigern“ und sucht nach Martini.

Ich hab das mal im Palast der Republik getrunken. Es war göttlich.

Das Zeug hier, dieser komische Kräuterwein, schmeckt nicht entfernt nach dem.

Wir versuchen es ein zweites Mal. Der Gatte hat Geburtstag. Wir wollen gediegen feiern und mischen Gin mit Vermouth und siehe….

Es erweckt Erinnerungen an Erichs Lampenladen. Und an die Zeit, als ich alle Brücken abbrach.

Maeve Brennan ist eine einfühlsame Stadtschreiberin. Mit ihr wandle ich durch New York, Martini trinkend.

„Komm aufs Dach“, sagt der Gatte. „Von dort sieht die Welt anders aus.“

Möwen kreisen tief, Ameisen fliegen hoch. Der Brautflug endet jäh im spöttischen Gelächter der Möwen. Was für ein Festmahl.

Die Natur reguliert sich selbst. Die Entengrütze im Teich ist weg, die Rädertierchen auch.

Die ins Alter gekommenen Schönheitsköniginnen beginnen auf ihre alten Tage noch mit der Jagd. Erfolgreich.

Der Vorort belebt sich wieder, die ersten Urlaubsreisenden kehren zurück.

Mein Urlaub beginnt. Ich will Stille.

Ich glaube daran, dass der Weg in einem selbst liegt und nur in einem selbst.

Sehe: „The school of rock“. Ein ganz und gar großartiger Film.

Was ich sah-Kiel an einem Sonntag in den Sommerferien

Ich sah menschenleere Straßen und kreischende Möwen.

Ich sah einen sehr runden Mann durch die Fensterscheibe bei einem Schnellrestaurant. Er starrte auf sein leeres Tablett. Erst später stellte sich heraus, dass er sein Handy am Rand des Tabletts positioniert hatte.

Ich sah einen jungen Obdachlosen der auf einen Alten einredete, weißbärtig und ebenfalls unbehaust. Sie saßen überdacht und der Weißbärtige rauchte, drehte den Kopf weg und schwieg. Der Junge sprach russisch, schnell und energiegeladen. Er trug sein Haar halblang. Ich sah einen Familienvater, ein Hüne, der am kleinen Kiel mit einer ebenfalls hünenhaften Möwe diskutierte. Es ging um Müll.

Ich sah einen netten Kartenverkäufer im Kino, der mich das Tickett umtauschen ließ, okals ich mich doch ür den Binoche Film entschied.