„Unter Wölfen“ von Alex Beer

Um es vorweg zu nehmen: Ich hab das Buch irgendwo aufgeschlagen, testgelesen und bemerkt, dass es mit mir und dem Buch schwierig werden wird.

Allein schon der Schreibstil machte mir Mühe.

Der Kriminalroman spielt in Nürnberg 1942. Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein erkennt die Gefahr in der seine Familie und er leben. Er ersucht seine ehemalige Geliebte Clara um Hilfe. Clara arbeitet für den Widerstand und bietet Hilfe an, bittet aber ihrerseits darum, dass Isaak sich als Maulwurf bei der Gestapo betätigt.

Wäre es ein Jugendroman, wäre ich mit dem Buch einverstanden, denn es bietet Hintergrundwissen über diese furchtbare Zeit.

Das alles bleibt aber sehr auf der Oberfläche, die Plots sind nicht stimmig, Spannung ist auch irgendwie fehl am Platz.

Nein, ich kann dieses Buch nicht empfehlen. Es verarbeitete das schlimmste Kapitel Deutschlands zu seicht und trashig.

Ich danke dem randomhouseverlag für das Rezensionsexemplar.

Lernen in Zeiten von Corona

Wir haben hier ein viertes Kind aufgenommen. Im Haus leben somit vier Teenager zwischen 14 und 17 Jahren. Was mir Sorge bereitet:

Ich glaube nicht, dass sie die Notwendigkeit in Eigenregie zu lernen, ernsthaft in Erwägung ziehen. Stattdessen steigt der Medienkonsum exorbitant. Vorgeschlagene Apps oder andere Medien werden bisher nicht angenommen.

„Gute Zeiten für Gamer“, sagte Julius gestern. Super….Die Kinder der Nachbarin sitzen bereits am Tisch und lösen Aufgaben, während sie die Klassenarbeiten der Oberstufe korrigiert. Freiwillig, also die Kinder.

Gebetsmühlenartig habe ich gesagt, dass es in diesen Tagen darauf ankommt sich einen eigenen Rhythmus aufzubauen. Ja ist erst der erste Tag, aber ich befürchte das könnte so bleiben. Wie macht ihr das mit dem Selbstlernen?

Ich habe jetzt doch zu Aspirin gegriffen und mich aus dem Bett gequält. Seit Tagen quält mich eine horrende Abgeschlagenheit und fiese Halsschmerzen.

Und sonst?

Streiten der Gatte und ich darüber, warum die Gospelkirche Kiel nicht online geht. Ich finde das ist das was jetzt gebraucht wird. In Italien kann man jetzt Galerien online besuchen, Konzerte auch.

Mal sehen ob unsere Ehe diese Zeit übersteht. Wir sehen uns eigentlich sonst nie:))))

Leider sind wir seit heute im Urlaubsmodus. Das heißt , ein Teil der die Freiberuflichkeit ausmacht wird wegfallen, es bleibt aber bisher genug Festanstellung bestehen. Es gab schon einige Hilfsangebote die mich wirklich gerührt haben und die Solidarität ist groß. Dafür ein großes Danke. Es ist nun die Aufgabe das anzupacken was bisher liegen blieb. Büro aufräumen, Berichte schreiben etc.

Meisen an den Meisenknödeln, ein Gimpel in der Tanne. Es ist nicht ruhiger als sonst, gestern war Totenstille..

M. kommt aus Helgoland nicht mehr heraus, ihre Mutter und Schwester nicht mehr hinein. Ich frage mich wie der Laden ohne Touristen überleben wird.

Insgesamt finde ich die Massnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung der Pandemie absolut notwendig. Die Politiker in SH zeigen Besonnenheit und Rückgrat und auch die Kieler Nachrichten berichten unaufgeregt und umfassend.

Dritter Sonntag im März mit mutmaßlichen Kettenbrief

Kaethemargarete war diejenige, die nach Wirbelwind darauf aufmerksam gemacht hatte, diese Nachricht aus Italien -gestern verbloggt, auch bekommen zu haben.

Danke an euch Beide.

Ich hatte die Nachricht Eine Nachricht aus Italien“als Sprachnachricht erhalten und mühsam verschriftlicht, noch nachgefragt ob ich das verbloggen dürfe, dürfe ich. Es war N. Stimme, ich hatte ihre Statusbilder gesehen, Urlaub in den Bergen und so. Sie schrieb sie seien nach ihrem Urlaub positiv getestet worden. Ich bin also davon ausgegangen, dass die Nachricht gesichert ist.

Es zeigt einmal mehr wie sehr man aufpassen muss. Auch wenn die geschilderten Umstände aus Italien wohl den Umständen entsprechen, ist so ein Kettenbrief trotzdem eine schwierige Sache, weil er Öl ins Feuer derer gießt, die relativieren. Ich kann die positive Motivation sehen, ärgerlich ist es trotzdem, zudem die Verfasser bzw. Verschicker teilweise vom Fach sind.

Mir tut es leid, ich werde in Zukunft versuchen dieses zu vermeiden. (man mag sich den Mea Culpa Spaziergang vorstellen, den ich noch viral noch zu gehen habe. Ich habe es ohne Nachzudenken alle geschickt. Meine Kinder waren so schlau es nicht zu teilen.

Sonst ist alles wie bisher auch an einem Wochenende. Seit gestern habe ich Halsschmerzen und Schnupfen, aber kein Fieber und da ich jeden Tag bis zu zwei Stunden draußen arbeite, halte ich das für normal.

Lange Spaziergänge mit Ubu und Keks. Der Wald ist um 10.30 Uhr so belebt wie selten.Überall Jogger, Gassigeher, Walker.

Die Nachhilfelehrerin von Julius war im Urlaub in Norwegen, hatte von der Coronakrise kaum etwas mitbekommen, und als dann doch, brach sie Hals über Kopf auf und passierte um 11.20 die Grenze Dänemark /Deutschland.

B. ist in Spanien im Urlaub und dort in ihrer Bewegung eingeschränkt.

Die Musikschulen sind nun auch geschlossen. Anna fragt sich ob sie den Führerschein weitermachen kann und ob sie nun gefirmt werden oder nicht.

Österreich ruft den Notstand aus. Spanien den Alarmzustand.

Ich lese gerade „Unter Wölfen“ ein Rezensionsexemplar von Randomhouse. Ein Mann jüdischer Herkunft wird vom Widerstand in die Höhle des Löwen geschleust. Es beginnt mich in seinen Bann zu ziehen.

Dann liegen hier noch: The Streeet“ von Ann Petry

„Muldental“ von Daniela krien

Hawaii vonCihan Acar

„Die rechtschaffenen Mörder“ von Ingo Schulze

und

„Der Freund“ von Sigrid Nunez

Habt einen schönen Sonntag Trotz Alledem

Ich überlege das Proustprojekt wieder aufzunehmen.

Eine Nachricht aus Italien via Whats App

Diese Nachricht bekam ich heute von einer Bekannten auf Whats App. Sie bat mich und alle anderen Empfänger diese Nachricht zu teilen.

„Weil ich jetzt vermehrt angesprochen werde aus Deutschland und gefragt werde wie die Situation in Italien ist, nehme ich jetzt mal für alle eine Sprachnachricht auf.

Am 21. Februar gab es hier in der Nähe von Mailand den ersten Choronanachweis. Die Zone wurde sofort zur roten Zone erklärt und komplett abgesperrt. Mittlerweile sind wir bei 10 000 Fällen. Man kann sich selbst ausrechnen wie schnell die Verbreitung ging, bzw vorher schon im Gange war. Hier wurde nun von offizieller Seite gesagt: „Bleibt Zuhause, arbeitet von zu Hause“, natürlich wurden die Schulen geschlossen, alle Events wurden gekanzelt, alle Messen gestrichen, alle Veranstaltungen bei denen eben viele Menschen zusammen kommen. Die Leute sind aber weiterhin munter abends ausgegangen, übers Wochenende verreist oder gar die ganze Woche. Es war Karneval, das hat dann natürlich dazu geführt, dass es immer weiter ging. Die Situation in den Krankenhäusern ist verheerend. Es wird nichts anderes mehr als Corona gemacht.

Ich weiß von Freunden die hier Spielgruppen gegründet haben, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. da kamen dann 6-8 Nannys mit öffentlichen Verkehrsmitteln….“Es ist ja nur eine Grippe. Alles nur Panikmache..“

Es ist nicht nur eine Grippe.

Das alles hat zu der Situation geführt die wir jetzt hier haben. Es wird entschieden wer gerettet wird.

Passt auf euch auf! Bleibt zu Hause wenn ihr könnt! Lernt von Italien. Ihr könnt den Kreislauf noch unterbrechen!“

Zweiter Samstag im März

„Der ABK arbeitet weiter“, ich solle mir keine Sorgen machen, sagt S. und der muss es wissen. Er bezieht sich auf die Abfalltonnen. Der Gatte hat schnell noch den Bulli vollgeladen, er will sanieren.

Anna will sich auf den letzten Drücker noch mit Bastelutensilien eindecken, sie erwartet dass auch bald die Geschäfte geschlossen werden. Ihr Trainingsplan steht bereits, das Fitnessstudio hat dankenswerter Weise geschlossen.

Ich hab mich mit Büchern eingedeckt, werde aber auch arbeiten- Büro, Putzen, Aufräumen, dass was eben ansteht wenn keine Kinder da sind.

Ich whats appe viel mit Hamburg. Harry Potter ist nun bis Ende September in den Ruhezustand versetzt. Man mag sich gar nicht ausmalen wie sich das für alle dort anfühlen mag. Und auch hier ist zu erleben wie hart es ist, wenn Stücke , Konzerte, Workshops auf die man so lange hingearbeitet und hingefiebert hat plötzlich nicht stattfinden können. Wenn Harry Potter im Oktober wieder aufmacht, sind wahrscheinlich die ersten Kinderdarsteller zu groß geworden.

Karla ist immer noch sehr traurig weil das Leben in den Akademien am Theater pausiert. Ich hatte manchmal, wenn ich sie abholte den Gesang gehört und mich wirklich auf dieses Musical gefreut. Es klang so peppig und perfekt.

Bisher sind wir familiär noch nicht von finanziellen Einbußen betroffen, aber ich bin mir sicher dass das folgen wird. Es trifft uns lange nicht so hat wie Andere.

Nicht destso trotz, die Maßnahmen sind notwendig. Mit Ubu und Keks habe ich eine Runde durch den Wald gedreht. Die Natur zeigt sich unbeeindruckt. Die Sonne scheint, der Kleiber lärmt und der Specht baut sich eine neue Behausung.

SH schließt alle Kitas und Schulen, Theater und Oper sind zu, Gottesdienste in der katholischen Kirche fallen an diesem Wochenende aus,-Coronavirus Kiel

Der Gatte und ich werden uns nun ungewöhnlich oft über den Weg laufen. Die Kinder sind ab jetzt alle zu Hause. Die Hunde können sich freuen.

Taufen finden statt, allerdings nur im engsten Kreis.

Übersetzter Text zur Lage in Italien gefunden bei Pflegephilosophie

Dieser Text ist weder von mir gefunden, noch übersetzt. Gefunden und übersetzt hat ihn Pflegephilosophie

Das ist ein übersetzter Post von Dr. Daniele Macchini aus Bergamo, der dort auf einer Intensivstation arbeitet. Unten verlinke ich die Seite, die ihn in der italienischen Presse bereits aufgegriffen hat. Notfalls könnt Ihr da die Übersetzung prüfen, wenn Ihr möchtet.

„Nachdem ich viel darüber nachgedacht hatte, ob und was ich über das, was mit uns geschieht, schreiben sollte, hatte ich das Gefühl, dass das Schweigen nicht zu verantworten war. Ich werde daher versuchen, den Menschen fernab unserer Realität zu vermitteln, was wir in Bergamo in diesen Tagen der Covid-19-Pandemie erleben. Ich verstehe die Notwendigkeit, keine Panik zu erzeugen, aber wenn die Botschaft von der Gefährlichkeit dessen, was geschieht, die Menschen nicht erreicht, erschaudert es mich. Ich selbst beobachtete mit einiger Verwunderung die Reorganisation des gesamten Krankenhauses in der vergangenen Woche, als unser gegenwärtiger Feind noch im Schatten stand: Die Stationen wurden langsam „geleert“, Elektiveingriffe wurden unterbrochen, die Intensivstation wurde freigegeben, um so viele Betten wie möglich zu schaffen.

All diese raschen Veränderungen brachten eine Atmosphäre der Stille und surrealen Leere in die Korridore des Krankenhauses, die wir noch nicht verstanden und die auf einen Krieg wartete, der noch beginnen sollte und von dem viele (einschließlich mir) nicht so sicher waren, dass er jemals mit einer solchen Grausamkeit kommen würde. Ich erinnere mich noch an meinen nächtlichen Anruf vor einer Woche, als ich auf die Ergebnisse eines Abstrichs wartete. Wenn ich darüber nachdenke, erscheint mir meine Angst vor einem möglichen Fall fast lächerlich und ungerechtfertigt, jetzt, da ich gesehen habe, was passiert. Nun, die Situation ist jetzt, gelinde gesagt, dramatisch.

Der Krieg ist buchstäblich explodiert, und die Kämpfe sind Tag und Nacht ununterbrochen. Aber jetzt ist das Bedürfnis nach Betten in seiner ganzen Dramatik angekommen. Nach und nach füllen sich die leeren Abteilungen in einem beeindruckenden Tempo. Die Tafeln mit den Namen der Patienten, die nach Triage unterschiedlich gefärbt sind, sind jetzt alle rot und statt der Operation sieht man die Diagnose, die immer die gleiche ist: beidseitige interstitielle Pneumonie.

Erklären Sie mir jetzt, welches Grippevirus ein so rasantes Drama verursacht. [Beitrag vergleicht weiterhin covid19 mit Grippe, Link unten]. Und während es immer noch Menschen gibt, die sich rühmen, keine Angst zu haben, indem sie Anweisungen ignorieren und protestieren, weil ihre normale Routine „vorübergehend“ in eine Krise geraten ist, findet die epidemiologische Katastrophe statt. Und es gibt keine Chirurgen, Urologen und Orthopäden mehr, wir sind nur noch Ärzte, die plötzlich Teil eines einzigen Teams werden, um diesem Tsunami, der uns überwältigt hat, zu begegnen.

Die Fälle multiplizieren sich, wir kommen auf eine Rate von 15-20 Aufnahmen pro Tag, alles aus demselben Grund. Die Ergebnisse der Abstriche kommen nun nacheinander: positiv, positiv, positiv. Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen. Die Gründe für den Zugang sind immer die gleichen: Fieber und Atembeschwerden, Fieber und Husten, Atemversagen. Die Radiologie berichtet immer dasselbe: bilaterale interstitielle Lungenentzündung, bilaterale interstitielle Lungenentzündung, bilaterale interstitielle Lungenentzündung. Alle müssen aufgenommen werden. Jemand, der bereits intubiert ist und auf die Intensivstation gehen muss. Für andere ist es zu spät… Jedes Beatmungsgerät wird wie Gold: Diejenigen in den Operationssälen, die ihre nicht dringende Tätigkeit nun eingestellt haben, werden zu Intensivpflegeplätzen, die es vorher nicht gab.

Wenn das öffentliche Leben ….Corona….Kiel

Es ist nicht so, dass wir nicht damit gerechnet hatten. „Zum Glück findet das Probenwochenende noch statt, Karla“, freu dich über das was du hast.“

Morgens war sie noch bei der Kostümanprobe gewesen. Hatte vor Vorfreude in atemberaubender Schnelligkeit erzählt. Dann die Nachricht : Abgesagt, zumindest das Probenwochenende. Die Aufführung wird verschoben. Karla fuhr zum Pferd. Im Sturm.

„Wie macht ihr das eigentlich bei Harry Potter?“, fragte ich X.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens treffen uns doch erheblich, die Trauer ist da. Das es notwendig ist ist keine Frage.

Anna fährt trotzdem noch ins Fitnessstudio, schwer zu vermitteln warum man das jetzt besser lassen sollte. Besser wäre die Studios würden schließen.

„Labyrinth“ von Burhan Sönmez

Im Krankenhaus war er aufgewacht, irritiert von der Umgebung und irritiert von sich selbst. Wo war er? Warum war er hier? Wer war er?

Der Rippenbruch ist geheilt. Der Bruch in seiner Erinnerung bleibt. bestehen. Man hat ihm seinen Ausweis gezeigt. „Der bist du! Du bist Boratin und ohne Erinnerung seit du von der Bosporusbrücke gesprungen bist.“ Warum er sich umbringen wollte wusste er nicht.

Sein bester Freund, jedenfalls behauptet er das zu sein, sagt er sei Musiker. Bluessänger, habe Gitarre gespielt, Konzerte mit der Band gegeben.

Nun ist er zu Hause. Warum hatte er sich mit diesen Möbeln eingerichtet? Was sollte die Statue von Maria und Jesus dort? Die waren schon tot, das wusste er, nur nicht seit wann sie es waren. Irgendwann fällt ihm die Decke auf den Kopf.

Er streift durch Istanbul wie im Nebel. Er geht in Bars. Die Frau die ihn ansieht, kennt sie ihn ? Wer ist er? Der Nebel lichtet sich nicht, die Puzzlestücke finden nicht zueinander. Der Leser begleitet Boratin auf seinen Wegen durch das Labyrinth seiner verloren gegangenen Vergangenheit.

Eine Suche nach Erinnerungsstücken, Was bleibt von einem Leben, wenn das Bewusstsein an das Vergangene gelöscht ist?

Wird man das alte Leben irgendwie weiterführen, den Faden an irgendeiner Stelle neu aufgreifen oder würde man eine völlig andere Version seiner selbst leben?

Ein melancholisch, wehmütiges Buch über das Leben und das was es im Kern ausmacht. Sehr lesenswert.

Zum Autor: Burhan Sönmez geb.1965 in Zentralanatolien ist ein kurdisch-türkischer Schriftsteller. Er studierte zunächst Jura. Sönmez unterrichtete zudem Literatur und Kreatives Schreiben. Er schreibt für verschiedene Medien und schrieb mehrere Romane.

Die deutsche Erstausgabe seines Romans „Labyrinth“ erschien am 02.03.2020 im btb Verlag, übersetzt aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Ich danke der Randomhouseverlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.