Ein letzter Besuch in den Bücherhallen/Hamburg-Ein Araber fährt

Schweren Herzens Beckett über Proust den Bücherhallen zurückgegeben.

Als Wiedergutmachung schenkte ich mir ein Buch, über Theater spielen im Sonderschulbereich.

Im feuchtkalten Wetter bin ich zum letzten Mal in diesem Jahr, über den Hamburger Weihnachtsmarkt geschlendert. Das Treffen im Cafe mit Yulia und Sina, besinnlich und lustig, auch das könnte das letzte Mal gewesen sein.  Eine Hamburg Episode endet.

Ich wollte für dieses Jahr noch den Weihnachtsbrief schreiben, aber wie gestaltet man den Rückblick auf dieses schillernde, bunte, kreative, musikalische, künstlerische Jahr mit Up und Downs. Ein wildes Jahr, ein besonderes Jahr, ein Jahr wie ein Araberpferd.

„Ein Jahr wie ein Araberpferd“, sage ich zum Gatten. Karla ruft dazwischen: „Du bist voll rassistisch!“

Was ist denn an einem Araberpferd rassistisch?

Naja, wenn du sagst: ein Jahr wie ein Araber fährt, dann sagst du doch das Araber voll schnell fahren…“

 

 

Proust lesen-Die Gefangene-Albertine-Erlösungssehnsucht

Gestern mir das Buch “ Die Sünde der Frau“ von Connie Palmen geholt.

Die Biografien von Marilyn Monroe, Patricia Highsmith, Marguerite Duras im Schatten der abweisenden, psychisch kranken Mutter. Das Drama des abgeschobenen , nicht gewollten Kindes, das sich in einer neuen Rolle selbst erschafft, die Narbe der Kindheit ist Stärke in Form von Kreativität, eines unter die Oberfläche Dringens und Fluch zugleich. Der Fluch der nicht gefühlten Existenzberechtigung und der daraus folgenden medikamentösen Betäubung durch Alkohol. Allen gemeinsam ist die Erlösungssehnsucht, die Suche nach Symbiose mit gleichzeitiger Vermeidung von Nähe. Ein grandioses Buch.

Proust: Immer wieder ist es die Narbe die aufbricht, der nicht gegebene gute Nacht Kuss der Mutter, der Herausfall aus der Symbiose, durch sich selbst nicht lebensfähig sein. Albertine die eigentlich Frauen liebt, sich aber in diese vereinnahmende Beziehung begeben hat, lebt das Drama des abgeschobenen und unzureichend geliebten Kindes auf ihre Weise.

Proust lesen- Die Gefangene-wir leben nur mit dem was wir nicht lieben

Nieselregen, Nebelschwaden, Lieblingswetter. Jetzt kehrt Stille ein im Haus. Ich kehre zu Albertine zurück und bleibe gleich beim ersten Satz hängen.

„Wir leben nur mit dem, was wir nicht lieben, was wir einzig in unsere Nähe gezogen haben, um die unerträgliche Liebe zu töten, ob es sich nun um eine Frau, ein Land oder auch um eine Frau handelt, die ein Land miteinschließt. Wir hätten sogar große Angst, die Liebe könne noch einmal beginnen, wenn es von neuem zu einer Abwesenheit käme.“

Ich stimme nicht überein. Das Verliebtsein hört auf, das Fahrwasser der Liebe ist ruhiger. Zum Glück, wer will schon ständig dieses sich verlieren, das Auf und Ab.

Nein ich stimme nicht überein.

 

Beckett über Albertine

„Ich wußte, daß ich diese junge Radfahrerin nicht besitzen würde, wenn ich nicht das besäße, was in ihren Augen lag. „Proust

„Sein Leben mit Albertine, das nicht einen einzigen positiven Vorteil enthält, ist nichts weiter als eine Beschwichtigung, das Zeichen eines Monopols. Und nicht immer eine Beruhigung, denn das Geheimnis Albertines besteht weiter, das Geheimnis, das er in ihren Augen gespürt hatte, als sie sich zum ersten Mal am Meer in Balbec begegnet waren, das Geheimnis, das ihn damals bezaubert hatte und das auszulöschen er sich jetzt sehnt, da es die Brüchigkeit seiner Herrschaft über sie bedeutet.“ Beckett

Über das Lesen-Albertines Geheimnis

„Mist“, sagt Anna, als wir aus dem Kino ins Freie treten. Eigentlich müsste man die Harry Potter Bücher , mit dem Wissen von dem  was man jetzt hat, noch einmal lesen.“ Wir haben „Grindelwalds Verbrechen“ gesehen.

Im Moment lese ich Beckett . Das Geheimnis welches Marcel damals am Strand von Balbec im Anlitz Albertines anzog, will er jetzt auslöschen. Eifersucht, Überwachung, Misstrauen, Zweifel. Irgendwie ist beim Lesen klar, dass Albertine das nicht überleben wird. Dann lese ich von Tansania und Hetzjagden auf Homosexuelle.

Marcel ist Gefangener seiner selbst

Proust lesen Tag 139-Sodom und Gomorrha/Die Gefangene-Albertine und ihre Freundinnen

Kiel: Unterdessen ist Herbst geworden. Man kleidet sich in Übergangs oder Winterjacken, kratzt morgens das Eis vom Auto und zündet Kerzen an.

Es ist alles wie immer, die Eichelhäher krächzen, die Eichhörnchen sammeln, die Blätter trudeln langsam herunter.

Terezia Mora hat den Büchner Preis bekommen und sagt der Fisch stinke vom Kopf her. Ich wüsste gern etwas detaillierter worauf sie hinaus will. Sie ist eine meiner Lieblingschriftstellerinnen. Da sie auch Esterhazy erwähnt, lese ich in sein Bauchspeicheldrüsenbuch rein und google mir auf google street view die dazugehörigen Straßen. Esterhazy stehe im Verdacht linksliberal zu sein, schreibt sie und das es in Ungarn eine Tendenz gäbe, alles Intellektuelle verdächtig zu finden.

In Argentinien zur Zeit der Militärherrschaft, reichten Brille und Buch um zu verschwinden.

Proust: Abreise aus Balbec. Marcel der sich eben noch von Albertine trennen wollte, ist zutiefst besorgt als er hört, dass sie mit der Vinteuil Tochter zu tun hat. Der Verdacht, dass Albertine lesbische Beziehungen unterhält, verhärtet sich. Dieses führt nicht dazu, dass Marcel sich trennt. Er verfällt in das Gegenteil. Albertine wird in Paris zunehmend überwacht. Marcels Misstrauen bringt das Feuer nicht zum Erlöschen sondern entzündet es.

Beide spielen ein Spiel mit doppelten Boden. Marcel gibt vor in eine andere Frau verliebt zu sein, Albertine schweigt über ihre Freundinnen. Seltsame Liebe

Politik: Angela Merkel tritt vom Parteivorsitz zurück.

In Brasilien wurde Bolsonaro zum Präsidenten gewählt.

Proustlesen Tag 138-Sodom und Gomorrha-Cambremer gegen Verdurin-ein Verdacht fällt auf Albertine

 

Proust: Die Cambremers zerstreiten sich mit den Verdurins, weil Morel eine Einladung bei den Cambremers ablehnt. Madame Verdurin spinnt wieder Intrigen und hält Brichot mit Lügen ab: es würde bei Cambremers über ihn gespottet werden, dort hinzugehen.

Ein erster Verdacht fällt auf Albertine. Marcel wird zugetragen sie hätte merkwürdige Manieren, es ist vermutlich die Überleitung in den fünften Band. Und wieder Etymologien…..