„Komm aufs Dach“, sagt der Gatte. „Von dort sieht die Welt anders aus.“

Möwen kreisen tief, Ameisen fliegen hoch. Der Brautflug endet jäh im spöttischen Gelächter der Möwen. Was für ein Festmahl.

Die Natur reguliert sich selbst. Die Entengrütze im Teich ist weg, die Rädertierchen auch.

Die ins Alter gekommenen Schönheitsköniginnen beginnen auf ihre alten Tage noch mit der Jagd. Erfolgreich.

Der Vorort belebt sich wieder, die ersten Urlaubsreisenden kehren zurück.

Mein Urlaub beginnt. Ich will Stille.

Ich glaube daran, dass der Weg in einem selbst liegt und nur in einem selbst.

Sehe: „The school of rock“. Ein ganz und gar großartiger Film.

Samstag-Was ich sah

Kriegsschiffe in grau auf hellgrauen Wasser. Ein junger Man mit flachsblonden Haar, der ein Mädchen an der Hand hielt. Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, mit dem Gehen auch, sie war höchsten neun oder zehn. Er stützte sie.

Eine junge Frau , dass braune lange Haar hochgesteckt, ließ ihre nackten Füße Richtung Wasser baumeln. Die lederfarbenen, geflochtenen Flip Flops neben ihr und im Ohr ein weißer Knopf. Welche Musik hörte sie?

Ich ging die Treppen hinauf um zum Villenviertel zu gelangen. Von hier oben hat man einen guten Blick. Die Hunde hechelten, die Luft trotz fast kühler Temperatur war schwül, überall blühen Stockrosen und Rosen schlingen sich um gebogene Torbögen..

Nach dem verregneten Vormittag, zeigte sich nun die Sonne. Schien auf gediegene Villen und Gärten.

Die Stadt lag still, aus der Ferne hörte man einen Lautsprecher. Ich hielt es für eine Polizeiansage, es war aber der CSD. So erfuhr ich es am Abend aus der timeline.

Auch im Forstbaumschulenpark war niemand. Ich lief über regennasses Gras. Die Hunde auch.

Ich sah eine Frau mit strähnigen grauem Haar, die verstohlen eine Tasche auf ihrem Gepäckträger öffnete. Ein um das andere Mal holte sie sich eine Kirsche heraus und steckte sie in ihren Mund, ich sah nicht wo sie die Kerne ließ. Ihr Fahrrad war nicht mehr das neueste. Es schien schon viele Touren hinter sich gebracht zu haben. Auf der anderen Straßenseite stieg ein Mann mit ebenfalls grauem Haar aus einem Wohnmobil.

Die dritte Woche im Juni mit der Kieler Woche

Der Himmel verdunkelte sich, die Wolken quollen auf und fielen wieder in sich zusammen. Anna war im Wald und versetzte die ganze Familie in Angst und Schrecken. „Du musst ihr entgegen fahren“, sagte Julius.

„Komm aus dem Wald raus verdammt!“, schrieb ich Anna, die 5 Minuten später in Weltuntergangsstimmung in der Tür stand.

Freitag hatte Julius sein Cellovorspiel zwischen Klatschmohn und Rosen. Das war idyllisch und die Musik tat ihr Übriges.

Am Samstag durfte Karla auf dem Klavier präsentieren, was sie in den vergangenen drei Monaten gelernt hatte, flitzte dann zum Pferd und kurz darauf zur Generalprobe.

Heute durften wir das Konzert des Kinder und Jugendchores der Oper Kiel auf der Kieler Woche genießen. Klasse wie immer und so voller Schwung und souveränen Können. Eine Woche voller Musik und Sommer .

Und falls ihr ein musikalisch interessiertes Kind habt: Schickt es in die Akademien am Theater.

dav

Die erste Woche im Juni

gesehen im Rahmen von:

: Iota.KI.

vom Theater Bremen und dem Künstlerkollektiv Sputnic

(das Stück hat mich umgehauen)

Mongos“ vom Theater Osnabrück, intensiv gespielt

„Als wir träumten“ vom Theater Braunschweig

Preisverleihung durch die Kinder und Jugendjury, ich hab da zu viele Fragen um etwas darüber schreiben zu können.

gesehen und gehört: Musikalisches Quizratespiel mit scheidenden und werdenden GMD und der Orchesterakademie

Ach das war einfach wunderbar gespielt und humorvoll verpackt.

Die Förderung der Kinder und Jugendlichen in den Akademien an der Oper Kiel ist wirklich hervorragende Förderung . Wenn ihr ein musisch interessiertes Kind habt, dann ist das ein Ort. Es gibt den Kinder-und Jugendchor, die Ballettakademie und die Orchesterakademie und wer das Theater spielen liebt ist im Jugendclub des Schauspielhauses bestens aufgehoben.

I

gewesen: In Hamburg:

Zwei Tage am Meer.

Es fuhren so viele Kriegsschiffe Richtung Kiel, dass wir die Stadt bei unserer Wiederkehr belagert wähnten. Baltops2019

Gelesen: „Als wir träumten“ von Clemens Meyer

Toni Morrison: Jazz

Sonntag mit Erinnerungen und „Als wir träumten“

„Können wir in „Als wir träumten“ gehen? (Das Junge Staatstheater Braunschweig spielt jenes Stück heute im Schauspielhaus. )

Karla fragt mich das und es wundert mich nur so lange bis ich lese worum es geht. Ein paar Schlagworte nehme ich wahr wie : Pioniere, Wendezeit, Clique, Hoffnungen, Verlorenheit. Ich erzähle nicht oft, zu weit weg ist das Thema für unsere Kinder.

Ich hab irgendwann aufgehört Bücher über die Wendezeit zu lesen, es war mir meist zu viel Klischee, aber vielleicht sage ich das auch nur, weil ich 89 schon weg war und mir Heidelberg mit seinem Postkartenidyll merkwürdig irreal zu Füßen lag.

Ich bin im Plattenbau aufgewachsen, in einer Plattenbaustadt, im Block 635/2.

Es lebte sich gut, so lange lange man mit dem Strom schwamm und ich schwamm gern mit dem Strom. Patriotisch für den Frieden das Halstuch tragend. Berufswunsch: Partisan.

„Lies!“, hatte mein Vater mir immer wieder gesagt, „lies Feuchtwanger und Anna Seghers“, meine Mutter packte Scholochow und Aitmatow dazu. Ich las alles über Thälmann, Lenin, Rosa Luxemberg. Ich las Timur und sein Trupp, sie nannten sie Katja, Gesine und „Der Weg zum Smolny.“ Wir waren die Guten.

Irgendwann kam die Pubertät, das Aufbegehren, Nachfragen, die Leere. Desillusion. Das war definitiv kein Bullerbü , viele Szenen die im Roman beschrieben sind, kenne ich-siehe anklopfende Glatzen bei einer Party. Der Ton von Meyer ist unverblümt und treffsicher ( Ich habe das Buch gestern noch schnell begonnen zu lesen). Das mag ich sehr .

Einreißende Kulissen, fallende Werte, fallendes Systems.

„Von der Sowjtunion lernen heißt siegen lernen, ein Pionier liebt seine Eltern und hält seinen Körper sauber und gesund“ -die Erziehung zum neuen Menschen.

Die Leere, die Abgeklärtheit derer die hinter die Kulissen geschaut hatten, die auch schon vor der Wendezeit ohne Hoffnung waren, weil es für sie keine Chancen mehr gab: verkacken konnte man schnell, die die Doppelbödigkeit durchschauten oder einfach von vornherein null Chancen hatten, die gab es auch schon vor der Wende.

Brachen sich Bahn in zerstörten Spielplätzen, Outlaw dasein, geschnüffelten Klebstoff und Goldbrand.

Wenn ich an die die DDR denke, denke ich an abwesende Eltern die rund um die Uhr arbeiteten und am Abend in Parteilehrjahren ihre politische Gesinnung festigten . Sie ergriffen ihre Chance, auch die der Gleichberechtigung. Wenn ich an die DDR denke denke ich Ganztagesbetreung und Wochenheime,denke ich an Gleichschaltung, und Verlogenheit, an Staatssicherheit und Denunzianten, an Pionierlieder in Dur, an Fahnenapelle, an die Sehnsucht meines Vaters nach Mandelbäumen und dem Pfälzer Wald, an die pfälzisch sprechende und Kette rauchende Großmutter.

Manchmal werde ich sauer, dann wenn Anna gelangweilt „Das Leben der Anderen “ sieht, weil es Hausaufgabe ist und sagt, so sei es gar nicht gewesen sage ihr Wipolehrer. „Doch“, sage ich dann, „genauso war es, Anna, genau so.“

Wo hatte ich angefangen : Ach ja beim Theaterstück „Als wir träumten.“ Ich gehe da heute mit Karla hin.

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Die letzte Maiwoche mit Fallhöhen

Marie Sophie Hingst beschäftigt mich noch immer, auch weil die Dimension des Betruges für mich immer klarer wird.

Sie gießt Wasser auf die Mühlen der Holocaustleugner und sie hat verdammt noch mal nicht das Recht solche Erinnerungen zu schaffen.

Wer mehr wissen will , sollte hier lesen: Anke Gröner (auf den Beitrag aufmerksam geworden durch:

Regungen (diesen Blog kannte ich noch nicht)

Den Link zu Regungen fand ich bei Vorspeisenplatte

Meinem belustigten Erstaunen am Abend nach dem Eidinger Film und dem Aufploppen des Betruges in der timeline, ist einem nachdenklichen Denkprozess gewichen.

Auch sonst bot die Woche Fallhöhen, die man so nicht erfahren möchte.

Heute morgens sitzt Anna mit Kopfhhörern und Handy am Frühstückstisch und isst pappiges Toastbrot. „Was siehst du?“, frage ich mehrmals bevor sie mich hört. „How to sell drugs online“, murmelt sie. Ich weiß nicht über was ich mich zuerst echauffieren soll, Medienberieselung, Drogen oder Fehlernährung. Es macht mir Sorgen, ich mache mir oft Sorgen, wünsche mich manchmal zurück in die Zeit in der ich noch bestimmen konnte. „Um was gehts denn da?“, frage ich . „Um das Verkaufen von Drogen online“, erwidert Anna genervt.

Ich hatte Urlaub in dieser letzten Maiwoche, las Isaac Bashevis Singer, Toni Morrison und Fatma Aydemir.

Die Woche zerfloss unter meinen Händen, der Gatte strich das Gartenhaus griechisch blau.

Ich las einen Artikel in der Zeit über Erich Staake. Die Zeit habe ich mir als Pflichtprogramm auferlegt. Anfangs war der Wirtschaftsteil für mich eine leidige Angelegenheit, mittlerweile finde ich gerade diesen Part spannend. Erich Staake jedenfalls hat Duisburg aus der wirtschaftlichen Krise geholt.

Ein Mensch reicht

Was greift, wenn das Leben vermeintlich schon in festen Bahnen steckt bevor es überhaupt begonnen hat? Gedanken zu „Ellbogen“ von Fatma Aydemir. In Hazals Fall ist der vorgezeichnete Weg: Verheiratung, Kinder, Haushalt. Dazu kommt ein tiefes Gefühl des nirgendwo hingehörens und Leere.

Die sensible Phase der Adoleszenz versinkt in Langeweile, Ziellosigkeit, Haschisch, Hoffnungslosigkeit und ersten krummen Dingern, bevor es zum finalen erschreckenden Ereignis kommt. Ich hätte mir gewünscht, dass Tante Semra, die als einzige in der Familie bisher ihren eigenen Weg geht, studiert hat, das Abgleiten Hazals eher wahrgenommen hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass Hazal eine/n engagierten Lehrerin gehabt hätte, der/die aufgezeigt hätte welche Möglichkeiten das Leben bereit hält und welche Schritte es erfordert. Eine Person, die Begeisterung für Sport und /oder Theater, Tanz, Politik weckt, die zeigt das das Leben sich gestalten lässt. Eine Person die mit Interesse und Herzblut bei der Sache ist.

Für Hazal kommt Tante Semra zu spät und das Buch lässt offen ob Hazal den Weg des kleinen, bettelnden, Klebstoff schnüffelnden Jungen geht, den sie in Istanbul saht oder ob sie es schafft ihren Kopf aus aus der Schlinge zu ziehen, aufzustehen, Verantwortung zu übernehmen.

Stattet die Schulen besser aus, will man am Ende sagen. Sorgt dafür, dass der Stundenausfallstopp nicht nur auf das Gymnasium begrenzt bleibt. Stellt echte Chancengleichheit her, wirkt der Ghettoisierung entgegen. Man weiß nicht, ob das in Hazals Fall dann auch geholfen hätte. Da ist das Fundament, gelegt von liebloser, zuweilen gewalttätiger uninteressierter Erziehung, instabil. Die Eltern sind selbst Entwurzelte. „Ein Mensch reicht“, hatte damals mein Dozent verlauten lassen. Und er meinte damit, dass eine Pädagogik die Interesse mit Tatkraft verbindet Menschenleben retten kann.

Es braucht Pädagogen mit Herzblut. Man kann es an der Schule unserer Teenies sehen, welche Leistung da von einzelnen Lehrern erbracht wird. Die verdienen ein doppeltes Gehalt.

Etwas polemisch dieser ganze Beitrag, es ist schwieriger die richtigen Worte zu finden, für ein Thema das mich emotional sehr umtreibt. Und er streift nicht, das Problematiken wie schwierige Sinnsuche, verbunden mit Platzhaltern, Brüchen nicht auch in anderen Milieus zu finden sind.

Dienstag mit „Ellbogen“ von Fatma Aydemir

Resturlaub, in vier Wochen werde ich meine Arbeitsstelle gewechselt haben. Zehn gute Jahre liegen hinter mir.

Ich lese „Ellbogen“ von Fatma Aydemir. Es wird bei dem Theaterfestival „Hart am Wind“ in Kiel gespielt werden und irgendwie war es mir vorher als Rezension über den Weg gelaufen.

„Die Zeit“ findet die Komposition des Romans nicht gelungen, die Handlung überzogen. Mich hat die Geschichte dieses Mädchens Hazal, dass von Beginn an kaum eine Chance hat, gefesselt.

Julius spielt Cello. Ich fände es schön , wenn er über kurz oder lang zur Orchesterakademie am Opernhaus finden würde.

Hazal wächst auf in einer traditionellen türkischen Familie in Berlin Wedding. Sie ist so hoffnungslos, dass sie bereits mit Vierzehn drei Selbstmordversuche unternimmt und nun mit siebzehn Jahren in der Bäckerei des Onkels arbeitet. Über fünfzig Bewerbungen für Jobs die sie gar nicht haben wollte und in denen sie nicht gewollt wurde.

An ihrem achtzehnten Geburtstag bricht sich sich die Wut, der Zorn, die tiefe Verzweiflung , der Hass Bahn. Ein junger Student stirbt, Hazal flieht nach Istanbul.

Ich halte die Milieustudio nicht für überzogen. Verzweiflung, Leere , Hoffnungslosigkeit sind fühlbar. Sicher, vieles bleibt angerissen, aber ich fand nicht dass das dem Roman schadete. Am Ende bleibt die Frage, was Hazal gebraucht hätte um ihr Leben zu gestalten statt es irgendwie zu überleben.

Am Nachmittag ein Spaziergang mit Hund, entlang an Getreidefeldern und Kuckucksrufen.

Karla spielt auf dem Klavier ein Stück aus „Amelie, der Hund will ein Toast klauen. Später fertigt Karla eine neue Sandwichkreation und sing dabei etwas von Piaf.