„Die Notaufnahmeschwester“ von Ingeborg Wollschläger

Ab und zu hatte ich auf ihren Blog „notaufnahmeschwester“ hineingeschaut. Die skurrilen Geschichten waren es, die mich Interesse an dem Buch anmelden ließen.

Eigentlich müsste man mit dem Ende beginnen. Der Moment in dem die Notaufnahmeschwester (Ingeborg Wollschläger) nach dreißig Dienstjahren ihren Koffer packt.

„Ich kündigte. Es fiel mir nicht leicht. „

„Vielleicht muss der Pflegekarren mal so richtig an die Wand gefahren gefahren werden, bevor sich was tut in Sachen Überlastung und Unterbesetzung.“

„Ich wollte nicht mehr in -halten sie sich fest- 34 verschiedenen Schichten arbeiten.“

Ich möchte hier nicht weiter zitieren, all die Gründe benennen, man liest im Moment täglich darüber. Das Buch findet nach einem Feuerwerk urkomischer Geschichten ein müdes und desillusioniertes Ende. Dreißig Jahre voller Großschadensereignisse und Bagatellbeschwerden, vom alkoholisierten Draufgänger mit 400 Euro in der Socke bis zum Schlaganfall. Doch nicht nur die Patientenvielfalt macht es spannend. Spannend sind auch die Kollegen, die Praktikanten, die „Reinigungsperlen“, der Alltag.

Und es gibt einige traurige Geschichten, dort wo man die Grenze zwischen Leben und Tod betritt, wo nicht mehr zu helfen ist.

Ein lockerer Ton zu ernsten Themen mitten im Wahnsinn Klinikalltag bzw.Notaufnahmealltag. Man zieht unwillkürlich seinen Hut. Ein Buch was sich in der momentanen Situation noch einmal anders liest.

Es hat mich zum schmunzeln gebracht, aber vielmehr noch besorgt hinterlassen. Denn man sieht jetzt wie fatal es ist, wenn dort gespart wird wo nicht gespart werden darf, wenn Gesundheitssystem und Wirtschaft eine unheilvolle Allianz eingehen.

In Zeiten wie diesen, bedeutet der Wahnsinn für das Pflegepersonal auch mit Covid 19 Infektion arbeiten zu müssen und Mindeststandards würden aufgehoben, so las ich.

Zurück zum Buch:

Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus.

Ich danke dem Randomhouseverlag für das Rezensionsexemplar.

Vierter Donnerstag im Monat-die Idylle ist vorbei

Wenn am Morgen schon der Cappucino aufgebracht ist, nachdem ich in der Nacht von fürchterlichen Träumen geplagt wurde. Kann nicht gut werden, so ein Tag. Liegt vielleicht daran, dass ich Daniela Krien vorm einschlafen gelesen habe: Muldental. Gutes Buch, aber so hoffnungslos verloren, lähmend, da kann noch nicht mal Faserland mithalten. Und Faserland war schon so depressiv, dass ich kurz davor war, die Schule zu bitten, dass Buch umständehalber aus dem Programm zu nehmen. Was man in diesen Zeiten braucht ist doch Ermutigungsliteratur! Ermutigungsliteratur, ich hab früher immer so Sachen gelesen, wie „Timur und sein Trupp“, „Wie der Stahl gehärtet wurde“ und „Verflucht und geliebt“. Allesamt Geschichten die sich um Heldenpersönlichkeiten rankten.Da hat man gar keine Wahl mehr, als selbst der Krise oder den widrigen Umständen die Stirn zu bieten.

Sie wollen nicht wissen was ich gelesen habe? Sie wollen wissen warum die Idylle vorbei ist? Ich erzähle es nicht, nur so viel: der Streit war beträchtlich. Das ist so wie mit Weihnachten, man kann sich da immer fragen ob der Ausnahmezustand sowieso schon vorhandene Sollbruchstellen zum Vorschein bringt oder ob er neue schafft. In der nächsten Woche bin ich nicht mehr im Homeoffice und wissen sie was: Ich bin froh drum. Ich hätte gern einen Ermutigungsbeitrag geschrieben, aber man soll ja bei der Wahrheit bleiben. Und an einem Morgen, nach von Alpträumen schwerer Nacht, ohne Cappucino zu starten, zu wissen, dass der Störfall von gestern keinesfalls behoben ist, vergessen sie es. Wird nichts mit Ermutigungsbeitrag.

Aber die gute Nachricht: Die Kirschbäume blühen, die Meisen haben ihre Meisenknödel, die Sonne scheint. Alles wird gut.

Vierter Sonntag im März mit Dachbodenfund 42 mal Bach

Keine Ahnung warum der Gatte die besonderen Dinge immer besonders gut versteckt. Ich beobachtete gerade die Vögel am Vogelhaus und las Maja Lunde, da stellte er mir diesen Karton hin. „Schau mal was ich gefunden habe. „

Zweiundvierzig CD`s von Bach. Eine ähnliche Dimension, wie damals der Kellerfund mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Proust und „Buddenbrooks “ von Thomas Mann.

Vielleicht würde aus diesem Tag doch noch etwas werden. Die Vögel hatten das neue futter nicht angenommen, ich würde Kokosfett zufügen müssen. Und überhaupt. Die Nacht hatte ich schlaflos verbracht. Warum auch immer.Angst war es nicht. Die fehlt mir im Moment gänzlich. Warum auch immer.

Ich geh trotzdem nicht feiern, aber raus in die Natur an unbelebte Plätze gehe ich schon. Der Wald hier ist nicht unbelebt. Heerscharen von Familien frequentieren ihn. Ruhe findet man in der Stadt.

Der dritte Donnerstag im März mit Posten und Löschen und natürlich mit Covid

Ihr seht es am Posten und Löschen, die schwierige Situation des Umgangs mit dem Covid 19 geht auch an uns nicht vorbei.

Ich kann aber eine schöne Nachricht vermelden. Nach einem langen Gespräch mit Anna und auch allen anderen Familienmitgliedern hat hier der Prozess der Annahme eingesetzt. Anna wird den Job nicht annehmen.

Die Wochen des social distancing werden kein Spaziergang, das ist allen klar.

Dritter Mittwoch im März mit brütenden Graureihern und Einengung der Grenzen

Update: Ab morgen haben wir noch striktere Regeln. Kein Besuch, auch nicht zum Joggen.

Der Tag ist wie vernebelt. Beständiger Sprühregen, diesiges Einheitsgrau, kühl.

Büroarbeit.

Später lese ich“Faserland“. Uff. Da sehnt sich einer aus seiner übersättigten Welt in Quarantäne bzw. Isolation. Also Ausgangssperre durch Wetter auf einer nordischen Insel. Mit Isabella Rosselini und Kindern.

Der Wunsch nach Isolation. Beschämt gestehe ich mir den Wunsch ein, dass ein machtvolles Wort von Ganz Oben die Dinge richten würde. Diskutieren sie mal mit Teenagern über Besuch, Joggen gehen etc.. Und Unsere geben sich echt Mühe. Aber natürlich fragen sie sich auch wozu sie drin bleiben sollen, wenn Opa es bewusst nicht tut. Hier im Vorort erscheint es sehr diszipliniert zuzugehen. Aber der Opa eben, also unser Opa, der stellt sich stur.

Andererseits gibt es Familien mit erheblichen Herausforderungen. Für diese wäre eine Ausgangssperre heftig. Wir werden nicht drum herum kommen den Freiraum noch drastischer einzuschränken.

Die Teenies joggen, spielen Klavier, hängen ab. Alle sind den Umständen entsprechend gut gelaunt. Die Klassenfahrt ist noch am Beginn. Ein Telekommitarbeiter verlegt Kabelanschluss, versiert, ruhig, umsichtig.

Dem Gatten die Reiherinsel gezeigt. Sie brüten sagt er, und jetzt wo er das sagt, sehe ich die Horste auch.

Ein wenig Haushalt, ein wenig Faserland. Der kleine T. hat eine Lungenentzündung. Getestet wurde er nicht. Die Eltern sind zu recht besorgt.

Plagen-Camus-und nein-ich glaube nicht an Verschwörungstheorien

„Plagen sind ja etwas Häufiges, aber es ist schwer, an Plagen zu glauben, wenn sie über einen hereinbrechen. Es hat auf der Welt genauso viele Pestepidemien gegeben wie Kriege. Und doch treffen Pest und und Krieg die Menschen immer unvorbereitet wie unsere Mitbürger.“

„Von daher muss man auch verstehen, dass er zwischen Beunruhigung und Vertrauen hin und her gerissen war. Wenn ein Krieg ausbricht, sagen die Leute: „Das wird nicht lange dauern, das ist doch zu dumm.“

„…anders gesagt sie waren Humanisten: Sie glauben nicht an die Plagen. Eine Plage ist nicht auf den Menschen zugeschnitten, daher sagt man sich, dass sie unwirklich ist, ein böser Traum, der vorübergehen wird.“

Aus „Die Pest “ von Albert Camus

Anmerkungen: Langes Telefonat mit einem älteren Herren, der den ganzen Spuk für Panikmache hält, trotzdem Kaffee trinken geht und sich dann beschwert , dass mit trockenem Besen gekehrt wird.

Unverständnis über geschlossene Tafeln, Kinder in ungünstigen Verhältnissen die ihren Eltern jetzt ausgeliefert sind…

Tenor: es gibt keine Plagen, Die Pharmaindustrie ist der Gewinner.

Mein Fazit sieht anders aus: Ich glaube weder daran, dass Coronaviren aus dem Labor kommen, noch glaube ich Wodarg, noch hänge ich einer Weltverschwörungstheorie an. Ich halte das ganze nicht für Panikmache, glaube nicht, dass es von anderen Themen ablenken soll. In diesem Sinne.

SH schließt alle Kitas und Schulen, Theater und Oper sind zu, Gottesdienste in der katholischen Kirche fallen an diesem Wochenende aus,-Coronavirus Kiel

Der Gatte und ich werden uns nun ungewöhnlich oft über den Weg laufen. Die Kinder sind ab jetzt alle zu Hause. Die Hunde können sich freuen.

Taufen finden statt, allerdings nur im engsten Kreis.

Übersetzter Text zur Lage in Italien gefunden bei Pflegephilosophie

Dieser Text ist weder von mir gefunden, noch übersetzt. Gefunden und übersetzt hat ihn Pflegephilosophie

Das ist ein übersetzter Post von Dr. Daniele Macchini aus Bergamo, der dort auf einer Intensivstation arbeitet. Unten verlinke ich die Seite, die ihn in der italienischen Presse bereits aufgegriffen hat. Notfalls könnt Ihr da die Übersetzung prüfen, wenn Ihr möchtet.

„Nachdem ich viel darüber nachgedacht hatte, ob und was ich über das, was mit uns geschieht, schreiben sollte, hatte ich das Gefühl, dass das Schweigen nicht zu verantworten war. Ich werde daher versuchen, den Menschen fernab unserer Realität zu vermitteln, was wir in Bergamo in diesen Tagen der Covid-19-Pandemie erleben. Ich verstehe die Notwendigkeit, keine Panik zu erzeugen, aber wenn die Botschaft von der Gefährlichkeit dessen, was geschieht, die Menschen nicht erreicht, erschaudert es mich. Ich selbst beobachtete mit einiger Verwunderung die Reorganisation des gesamten Krankenhauses in der vergangenen Woche, als unser gegenwärtiger Feind noch im Schatten stand: Die Stationen wurden langsam „geleert“, Elektiveingriffe wurden unterbrochen, die Intensivstation wurde freigegeben, um so viele Betten wie möglich zu schaffen.

All diese raschen Veränderungen brachten eine Atmosphäre der Stille und surrealen Leere in die Korridore des Krankenhauses, die wir noch nicht verstanden und die auf einen Krieg wartete, der noch beginnen sollte und von dem viele (einschließlich mir) nicht so sicher waren, dass er jemals mit einer solchen Grausamkeit kommen würde. Ich erinnere mich noch an meinen nächtlichen Anruf vor einer Woche, als ich auf die Ergebnisse eines Abstrichs wartete. Wenn ich darüber nachdenke, erscheint mir meine Angst vor einem möglichen Fall fast lächerlich und ungerechtfertigt, jetzt, da ich gesehen habe, was passiert. Nun, die Situation ist jetzt, gelinde gesagt, dramatisch.

Der Krieg ist buchstäblich explodiert, und die Kämpfe sind Tag und Nacht ununterbrochen. Aber jetzt ist das Bedürfnis nach Betten in seiner ganzen Dramatik angekommen. Nach und nach füllen sich die leeren Abteilungen in einem beeindruckenden Tempo. Die Tafeln mit den Namen der Patienten, die nach Triage unterschiedlich gefärbt sind, sind jetzt alle rot und statt der Operation sieht man die Diagnose, die immer die gleiche ist: beidseitige interstitielle Pneumonie.

Erklären Sie mir jetzt, welches Grippevirus ein so rasantes Drama verursacht. [Beitrag vergleicht weiterhin covid19 mit Grippe, Link unten]. Und während es immer noch Menschen gibt, die sich rühmen, keine Angst zu haben, indem sie Anweisungen ignorieren und protestieren, weil ihre normale Routine „vorübergehend“ in eine Krise geraten ist, findet die epidemiologische Katastrophe statt. Und es gibt keine Chirurgen, Urologen und Orthopäden mehr, wir sind nur noch Ärzte, die plötzlich Teil eines einzigen Teams werden, um diesem Tsunami, der uns überwältigt hat, zu begegnen.

Die Fälle multiplizieren sich, wir kommen auf eine Rate von 15-20 Aufnahmen pro Tag, alles aus demselben Grund. Die Ergebnisse der Abstriche kommen nun nacheinander: positiv, positiv, positiv. Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen. Die Gründe für den Zugang sind immer die gleichen: Fieber und Atembeschwerden, Fieber und Husten, Atemversagen. Die Radiologie berichtet immer dasselbe: bilaterale interstitielle Lungenentzündung, bilaterale interstitielle Lungenentzündung, bilaterale interstitielle Lungenentzündung. Alle müssen aufgenommen werden. Jemand, der bereits intubiert ist und auf die Intensivstation gehen muss. Für andere ist es zu spät… Jedes Beatmungsgerät wird wie Gold: Diejenigen in den Operationssälen, die ihre nicht dringende Tätigkeit nun eingestellt haben, werden zu Intensivpflegeplätzen, die es vorher nicht gab.

Wenn das öffentliche Leben ….Corona….Kiel

Es ist nicht so, dass wir nicht damit gerechnet hatten. „Zum Glück findet das Probenwochenende noch statt, Karla“, freu dich über das was du hast.“

Morgens war sie noch bei der Kostümanprobe gewesen. Hatte vor Vorfreude in atemberaubender Schnelligkeit erzählt. Dann die Nachricht : Abgesagt, zumindest das Probenwochenende. Die Aufführung wird verschoben. Karla fuhr zum Pferd. Im Sturm.

„Wie macht ihr das eigentlich bei Harry Potter?“, fragte ich X.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens treffen uns doch erheblich, die Trauer ist da. Das es notwendig ist ist keine Frage.

Anna fährt trotzdem noch ins Fitnessstudio, schwer zu vermitteln warum man das jetzt besser lassen sollte. Besser wäre die Studios würden schließen.