Sequenz-Karfreitag

Noch völlig geflasht von der „Frau ohne Schatten“. Bin anschließend an die Kiellinie gefahren, habe im Bulli die Matthäuspassion gehört. In Kiel war Bach nicht zu finden. Ein Mond der seinesgleichen suchte, tauchte das Wasser in tiefes Blau. Karfreitag.

Wochenrückblick 2. Aprilwoche 2019

Besucht: im wunderschönen Nordkolleg die MASH-Musicalakademie Schleswig -Holstein bei einer öffentliche Präsentation (sehr spannende und professionelle Angelegenheit mit Benjamin A. Merkl)

Gehört/Gesehen: Sweeney Todd Opernhaus Kiel

Grandios

Gelesen: Eichendorff

Gegessen: Spargel, Bärlauch und Salat

Getrunken: Rotwein, Kantine Opernhaus

Geplant: Hamlet Schauspielhaus

Eloise/ Werftpark

Vor dem Fest /Thalia Theater Hamburg

„Feuer überall“-Sweeney Todd-Oper Kiel

Leider keine Kritik, sondern nur Jägerlatein.

Spontaner Entschluss abends in die Oper Kiel zu gehen.

Es hat sich gelohnt, dieser Musical Klassiker von Stephen Sondheim unter der Regie von Ricarda Ludigkeit.

Ein blutroter Film auf den Bühnenvorhang projiziert.

London zur Zeit der Industrialisierung. In einer grau düsteren Stadtlanschaft hat Mrs . Nelly Lovett, die Pastetenbäckerin, ein Auge auf Sweeney Todd geworfen. Der war mal Barbier, hatte Frau und Kind, bis ihm Übles widerfuhr. Der widerwärtige Richter Turpin, grandios gespielt von Hans Neblung, schickt Sweeney Todd für 15 Jahre in die Verbannung, weil er ein Auge auf Todds Frau geworfen hat.

Sie wird von Turpin missbraucht, ihr Kind wird von Turpin als Mündel aufgenommen.

15 Jahre später

Sweeney Todd kehrt randvoll mit Wut und Rachedurst nach London zurück, um dort in der Fleetstreet einen Barbiersalon zu eröffnen. Sein Pseudonym wird aufgedeckt. Er fliegt auf, wird erpresst und so ist es der Aufschneider und Scharlatan Pirelli, urkomisch dargestellt von Michael Müller-Kasztelan, den er als ersten mit zu scharfer Klinge rasiert. Wohin mit der Leiche? Es entsteht ein durchaus erfolgreiches Unternehmenskonzept. Pasteten.

Heike Wittlieb pragmatisch, geschäftstüchtig und zupackend als Lovett, glänzte stimmlich und schauspielerisch. Der Lobgesang auf die Pasteten hatte es mir in seiner tiefschwarzen,düsteren humoresken Weise, getragen durch einen federleichten Sopran, angetan.

Sweeney Todd, in sich gekehrt und unversöhnlich Rache übend, versorgt Lovett mit menschlichen Material für ihre Backkünste.

Bravourös ist Jörg Sabrowski in dieser dämonisch, getriebenen Rolle.

Eintragender Bariton, der der Dunkelheit eine überzeugende Stimme und der Rachefehde, der ausufernden Wut ein Gesicht verleiht.

Lichtblick in dieser düsteren Hölle aus Korruption, Enthemmung , getrieben sein, Machtmonopol und Machtmissbrauch ist einzig das junge Liebespaar. Sweeney Todds Tochter, großgezogen von Richter Turpin, erweckt in ihrer beginnenden Blüte die Triebe des alten Widerlings Turpin. Turpins Plan: vom Mündel zur Ehefrau, vereiteln Joanna und Anthony durch Flucht.

Dustin Smailes und Katerina von Bennigsen brillieren als junges Liebespaar.

Richter Turpin (Hans Neblung) bestach in seiner Rolle als bar jeder Moral und sich geißelnder Lüstling .

Schauspielerisch sehr stark in ihrer Nebenrolle als Bettlerin, war Katharina Lochmann. Sweeney Todd erkennt in der abgerissenen Wahnsinnigen, die ihren alternden Körper für Liebesdienste anbietet, zu spät seine Frau.

Stimmgewaltig, der Opernchor, einstudiert von Lam Tram Dinh, wenn er düster „Feuer überall “ singt. Glanzleistung.

Dissonant, Arien und Balladen im schnellen Tempiwechsel. Das Orchester spielt es, so weit ich das zu beurteilen vermag, souverän und düster fröhlich.

Das Bühnenbild spartanisch und gerade dadurch aussagekräftig. Verkleidete Gerüste in ihrer Vielfalt überraschend. Die Beleuchtung tauchte die Bühne mal in fahles oder warmes Licht. So dass es in der Backstube trotz aller Einfachheit urgemütlich wurde. Man fühlte sich sofort in einen Dickens versetzt.

Musikalisch anspruchsvoll, souverän, einfach durch und durch gelungen.