Kennen sie Thoreau?…“Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten“

Die Buchhändlerin einer Kette kennt Thoreau nicht.  „Thoreau? Nie gehört.“

Macht ja nichts, es jährte sich unlängst nur der 200. Geburtstag. Gibt es ein Allgemeinwissen für Buchhändler?  „Könnten sie bitte nachsehen, ob das Tagebuch vorrätig ist?“

„Haben wir nicht da, wird zu selten verlangt.“

In einer anderen Filiale derselben Kette steht Thoreau in allen Facetten im Regal.  Die Tagebücher nicht, die werden zu selten verlangt.

„Es wird nur ein Nebenjob gewesen sein“, sagt Anna. „So wie im Schuhgeschäft, die haben das ja auch nicht gelernt oder das Eis verkaufen ja auch Studenten.“

Bei Buchpost fand ich einen sehr  lesenswerten Beitrag. Wer mehr über Thoreau lesen möchte, wird zum Beispiel hier: fündig.

In Münster gibt es sogar ein Theaterstück mit Begleitprogramm! Danke Türmerin für den Tipp!

„Unter den Zeichen des Herbstes erkenne ich Das Beifuß-Traubenkraut (Gebildete nennen es Ambriosa elatior, Nahrung für Götter.“ Thoreau August 1850

Ambrosia würde heute niemand mehr als “ Nahrung für Götter“ bezeichnen, vielmehr gilt sie als extrem agressives Unkraut.

Nach der Arbeit nehme ich Ubu und Luna an die Leine. Manchmal habe ich wirklich keine Lust, aber das betrifft immer nur das Vorher. Einmal im Wald, bin ich froh losgegangen zu sein. Die Bucheckern liegen auf dem Boden in einer Menge, dass man schon wieder ein Mastjahr vermuten könnte. Wind lässt Regentropfen an den Blättern hinunterrieseln. Der See kräuselt sich, der Himmel ist bedeckt. Wir treffen einen wunderschönen Ridgeback, aber Ubu ist heute in Cheflaune und kehrt den Macho heraus. Der Ridgeback flüchtet ins Dickicht. Später treffen wir eine Terrierdame. Sie ist in Ubus Alter und man spielt zu dritt. Luna versichert sich immer wieder meiner Gegenwart.

Ein Graureiher zieht über uns hinweg, schnatternd verlangen die Enten im Teich nach Futter. Und wie immer krächzt irgendwo ein Eichelhäher.

 

 

 

 

Barfen oder nicht?Urlaub zu Hause Tag 23

Es bleibt dabei. Luna mag das Trockenfutter nicht. Ich überlege zu Barfen. Es gibt einen Barfshop hier in der Nähe.  die Kinder gestalten sich ihr eigenes Ferienprogramm. Karla holte ich gestern am späten Abend noch von der „Dachterasse“. Plaudernd mit der Freundin, fiel es ihr schwer einzusehen, dass es auch in den Ferien Schlafenszeiten gibt.

Julius baut seit seinem Besuch im minecraftcamp unaufhörlich Häuser an der Kieler Förde. Es wurde extra eine Gamingmaus angeschafft. Leider muss er ständig ermutigt werden, sich Kiel auch mal in real anzusehen.

Anna und ihre Freundin haben den Gassigang übernommen. Es gab wüste Disskussionen um die Ressource Hund. Um diese zu verteidigen wird sogar 8.15 aufgestanden. Ich lese wenig, baue an Totholzmauern, koche Mittagessen und bearbeite weiterhin liegengebliebenes.

Soll ich es mit Barfen versuchen oder den Tierarzt nochmal aufsuchen?

Ein Morgen mit Anna -In der Buchhandlung Stöberecke

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Anna ist zurück. Sie ist jetzt 15 geworden und; sie war an ihrem Geburtstag nicht hier.   Vom Bundeslager der Pfadfinder in Wittenberg erzählt sie, als wir vormittags zu einer Buchhandlung aufbrechen. Der Gatte bekam einen Gutschein geschenkt: Buchhandlung Stöberecke. Ich dachte ich würde, zumindest dem Namen nach, alle Buchhandlungen in Kiel kennen. Die Stöberecke kannte ich nicht.

Ich vermute, dass wird meine Buchhandlung. Klein aber fein und eine Auswahl die mein bibliophiles Herz höher schlagen lässt. „Shakespeares Welt“, Ilja Trojanow und James Joyce.

Keine Mainstreambuchhandlung, ein Kleinod. Ich entscheide mich für Mareike Krügel „Sieh mich an.“ Es gibt einen persönlichen Bezug…bin gespannt darauf, wie sie schreibt und Marlene muss auch mit.

Auf dem Blücherplatz ist Markt. Anna will Tapiokastärke für den Pizzateig. “ Wie ungewöhnlich“, sagt eine Frau, “ dass jemand nach Tapioka fragt.“ Anna fachsimpelt mit ihr über Rezepte. Der Verkäufer am Gemüsestand  reicht mir einen Strauß Wildkräuter hinüber, da fragt mich Anna: „Worüber hat Proust eigentlich geschrieben?“  Für einen Moment bin ich sprachlos, verdattert. Anna hilft mir: „Ist es mehr so biografisch?“ “ Ja, sage ich erleichtert, „eher so.“

„Dann ist es nichts für mich.“ Wir nehmen lila Möhren, lila Blumenkohl und Bioeier mit. “ Sind die ungefährlich?“, fragt ein Käufer.

 

Mein meist gelesenes Buch/Bücher-die Tagebücher von Max Frisch

  1. Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast? fragt Birgit von Sätze und Schätze hier: Klick

Mein meist gelesenes Buch, beispielsweise Bücher, sind die Tagebücher von Max Frisch.

Wann habe ich sie entdeckt? Es muss in der Kieler Dekade gewesen sein, diese begann 1996. Hätte ich es mir einmal träumen lassen, über zwanzig Jahre in einer Stadt zu wohnen? Ich liebe an Kiel die Kühle, den stetigen Wind, den freien Blick, das Wasser, nicht zuletzt die Möwen mit ihrem heiseren Lachen. Sie erinnern mich jedes Mal an meine Zeit in Aberdeen, (allerdings las ich in der Aberdeener Dekade ausnahmslos Rudolf Steiner). Aberdeen, die Granit funkelnde Lady. Ein wenig einschüchternd in ihrer Noblesse, wären da nicht die Spottmöwen gewesen, die nichts allzu ernst zu nehmen schienen.

Was das mit den Tagebüchern von Max Frisch zu tun hat?  Ich weiß es nicht. Vielleicht flüchte ich mich in Assoziationen, um der Beantwortung dieser schwierigen Frage zu entgehen. Warum Frisch? Frischs Sprache ist kühl, klar, frei und zuweilen spöttisch. Man kann es sich in seiner Sprache nicht gemütlich machen, sie legt den Finger auf die Wunde, macht den Blick frei.

Die Fragebögen im Tagebuch von 1966-1971 haben es mir sehr angetan.

Fragen wie: “ Was bezeichnen sie als Heimat:

a. ein Dorf

b. eine Stadt oder ein Quartier darin ?

c. einen Sprachraum ?

d. einen Erdteil ?

e. eine Wohnung?

oder

Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

23. Auch Soldaten auf fremden Territorium fallen bekanntlich für die Heimat: wer bestimmt, was sie der Heimat schulden?“

Mit den Fragebogen über die Ehe, haben der Gatte und ich uns einmal, auf dem weiten Weg nach Südfrankreich, die Zeit vertrieben. Hitze, Müdigkeit, ein scheppernder Bulli, die Kinder noch klein und dann Fragen wie diese:

„Wann überzeugt Sie die Ehe als Einrichtung mehr: wenn Sie diese bei andern sehen oder in ihrem eigenen Fall?“

 

Es ging gut-zum Glück.

Was liebe ich  an Max Frisch? Das er trifft. Das schnörkellose, das Spöttische, das Hellwache, das Ringen.

 

„Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit der Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht-

Muss ich etwas zu sagen haben? Das sture Gesumme einer dicken Fliege an der oberen Fensterscheibe reicht aus, dass ich verzage, aber ich stehe nicht auf um das Fenster zu öffnen; die Stille wäre genauso öde. Und wenn das Telefon klingelt, lasse ich es klingeln-

Ich bin nicht da. Ich weiss nicht, was los ist.“

oder Fragen wie diese:

„Wen habe ich wirklich gekannt?“  (Entwürfe zu einem dritten Tagebuch)

Wen habe ich eigentlich gekannt? Kenne ich mich? Das Haus muss aufgeräumt werden, ich räume den Schreibtisch.

 

 

Wie unsere Familie auszog, um Turandot im Public Viewing zu hören und zu sehen, Premiere von Turandot in Kiel-Oper im öffentlichen Raum

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„Großartig!“, schrieb die Freundin, die die diesjährige Sommeroper „Turandot“ in einer Liveübertragung in  Preetz gesehen hatte.

Eine andere: Irre toll!

Der Gatte, ich und die Kinder, mit Fingerfood und einer Decke bewaffnet, bemerkten schon beim Ankommen, dass wir zu spät waren. Noch eine Stunde bis zum Beginn. Alt und Jung (etwa 1500 ) hatten sich bereits versammelt und genossen den regenfreien Sommerabend bei Rotwein und Kaffee. Eine erwartungsvolle Stimmung in der Luft. Uns blieb nur noch ein Platz am Rand.  Auf der großen Leinwand erschien der Oberbürgermeister. Noch zehn Minuten bis zum Beginn.

(Ich hatte von Puccini noch keine Oper gehört, überhaupt beginne ich die Welt der Oper erst kennenzulernen. Ich bin als Kind einer ostdeutschen Arbeiterfamilie eher mit dem Oktoberclub und Pete Seeger aufgewachsen. Mein Vater liebte Jazz, meine Mutter auch Beethoven, in die Oper oder ins Theater gingen wir nie.)

Ich vermute, ich kann über Knausgard besser schreiben, als über Turandot. Gelesen habe ich schon immer. Trotzdem will ich versuchen meinen Eindruck von dieser Inszenierung von Daniel Karasek, in Worte zu fassen:

Mich faszinierte die Klarheit des eisigen Bühnenbildes, das Weiß des Tempels, der eisblaue Boden im Einklang mit den aufwendig gestalteten Kostümen, einfach schön. Nichts Verschnörkeltes, nichts Überladenes, nichts Kitschiges. Klare eindrucksvolle Linien und Farben.

Ähnlich erging es mir mit den Stimmen, klar, kühl, trotzdem emotional und brillant- Turandot. Liu-sehr berührend,  Calaf-einfach herrlich, Stimmen die mich in ihren Bann zogen. Ping, Pang und Pong sangen nicht nur Klasse, sondern waren auch noch urkomisch. Die klangprächtigen Chöre unterstrichen dieses Klare und Monumentale mit einem präzisen und wunderschönen Klang. Ästhetik pur.

Auch die Kinder waren beeindruckt.

Karla: Die beiden Balletttänzer, wie Klasse tanzen die denn? Die können so viel ausdrücken mit ihrem Tanz. Ach ich finde einfach alles toll. Turandot und Ping, Pang, Pong.

Anna: Die Sklavin fand ich auch super.

Julius: Krasse Geschichte, aber irgendwie total cool. Aber wer will schon jemanden heiraten, bei dem man Gefahr läuft, umgebracht zu werden? Muss zugeben Opern sind nicht so, wie ich dachte dass sie es sind.

Am Ende wird alles gut. Die Premiere von Turandot wird frenetisch bejubelt.  Sehr verdient.

Das Public Viewing bietet eine schöne Atmosphäre, trotzdem würde ich mir die Oper gern noch mal real anschauen wollen.

„Großartig. Da schließe ich mich der Freundin an.

Ein Samstag mit Turandot in Kiel

Vorbericht NDRTurandot am AbendHeute Abend gehen der Gatte und ich in die Oper. Wir hören und sehen die Premiere von Turandot, der Prinzessin die ihre Bewerber in den Tod schickte, wenn sie die Rätsel nicht lösten. Besonders schön in diesem kleinen Legovideo zusammengefasst.

Die, die das Glück hatten, schon bei der Generalprobe dabei sein zu dürfen, schwärmten von dieser Oper. Inszenierung, Bühnenbild, aufwendige Kostüme, tolle Stimmen und besonders ist wohl auch, die Verbindung von Oper und Ballett. Ich bin gespannt und freue mich sehr darauf.

Turandot, die eiskalte Prinzessin wird sich am Ende doch verlieben.

„Und nimmer geh beiseit und sinn´

Der liebe bitterm Rätsel nach…..(James Joyce)