Wochenendblitzlicht

 

 

Mit Fernglas und Rad in den morgendlichen Sonntag gestartet. Die gesuchten Ornithologen sind nicht dort wo ich sie erwarte. Wahrscheinlich pirschen sie schon durch Wald und Flur. Auf dem Rückweg kaufe ich beim Flohmarkt die Spandauer Tagebücher von Albert Speer. Ich ahne nicht, wie sehr mich dieser Zufallsfund in seinen Bann ziehen wird.

Karla vom Chorwochenende abgeholt, später bei Sina Kaffee getrunken. Das Hühnervolk unterliegt der Stallpflicht. Nur das Mobbingopfer ist freilaufend. Die Freundin nennt es Opferschutz und Quarantäne.  Auf dem Rückweg streiten der Gatte und ich uns über Mitläufertum, Wendehälse und Untertane.   Für mich persönlich ist der Untertantypus der verachtungswürdigste.

Weitere Themen:

Hat ein Jugendlicher die Möglichkeit freien Denkens, wenn er als Kind einer starken Prägung unterzogen wurde? Was hatten die Mitglieder der weißen Rose gemeinsam?  Später beginne ich in den Spandauer Tagebücher zu lesen. Es ist ein nachdenkliches, kluges Buch-das ist das Erschreckende.

Rettung eines Eichelhähers-wenn der Vogel am Haken hängt….

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Na los Ubu, lass uns den Morgen nutzen. Hunderunde Und dann hing in 4 Meter Höhe der Eichelhäher,  einen Angelhaken im Schnabel. Irgendjemand muss die Angelschnur mit Wurm schwungvoll in den Baum befördert haben. Ein Wurm am Haken im Baum, ein Leckerbissen in luftiger Höhe. Nun zappelt das Tier mit heiseren Krächzen, seit zwanzig Minuten schon. Eine Menschentraube hatt sich gebildet. Der Spazierweg ist beliebt und belebt, besonders am Sonntag.Der  Förster ist von Anwohnern verständigt, braucht aber noch weitere zwanzig Minuten.  Ich rufe  die Nachbarin an. Ob sie vielleicht einen Apfelpflücker hat?  Der Häher kämpft ums Überleben. Die Nachbarin trifft zeitgleich mit dem Förster ein. Der Apfelpflücker wird mittels langer Stange verlängert. Ein engagierter Vorortbewohner pflückt den Vogel vom Baum . Das Tier fällt in den Fluss, wird aber  herausgefischt.  Kundig entfernt der Förster den Angelhaken aus dem Schnabel und einen weiteren von der Kralle. Er ist erbost über den Angelhaken im Baum. Den verletzten Eichelhäher setzt er hinter einem Baumstumpf ab. “ Den Rest muss die Natur entscheiden“, sagt er.  Erstaunlich ist, dass ein kleiner Zaunkönig und eine Kohlmeise zu dem Verletzten fliegen, als wollten sie nach ihm schauen. Später sehen wir nochmal nach dem Rabenvogel, da springt er schon von Baumstumpf zu Baumstumpf und macht erste Flugversuche. Eigentlich hatten wir ihn ins Tierheim bringen wollen, auch die Vogelschutzwarte war benachrichtigt und wartete den Neuzugang……

Entschleunigung in Lissabon

Direkt nach der Arbeit Karla zur Schauspielschule gefahren. Dann hatte dieser Adrenalinjunkie mir den Parkplatz vor der Stadtbücherei stehlen wollen. Gesiegt.  Atemlos, aber durchaus mit Genugtuung stand ich nun, Ildiko von Kürthy´s „Neuland“ in der Hand,  am Fenster der Bibliothek.

Außer Puste beobachtete ich den Parkplatz. Ein  noch junggebliebener  Herr, gediegen,  vermutlich auch gebildet,  trat hinzu und blätterte in einem VHS Heft. “ Muss nur mal kurz nachsehen wo mein Kurs stattfindet, murmelte er.  Er war gerade am Gehen, als ich fragte: „haben sie gefunden was sie suchten?“ Ja heute ist mein erster Portugisisch Kurs Es entspann sich ein Gespräch über Lissabon, Pessoa und James Joyce..Ildiko von  Kürthy war mir augenblicklich unangenehm. Ich lese grundsätzlich nur sehr anspruchsvolle Literatur. Natürlich. Leider sieht man mir das nicht auf den ersten Blick an.  Vorsichtig legte ich das Buch aufs Fensterbrett. Diese Blondine auf dem Cover! . Ich hätte lieber Proust unterm Arm gehabt oder Paul Auster.

Mein Blick verweilte auf dem noch immer gut frequentierten Parkplatz.

 

Des netten Herrens Tochter hatte vor wenigen Tagen  ein neues Leben in Lissabon begonnen.  Zu hoch das Tempo Berlins.  Als er gegangen war, nahm ich nachdenklich Ildiko von Kürthy von der Fensterbank.

„Neuland.“ Zugegeben, ich mag das Buch sehr.

Adventsbasteleien-Kerzenständer, Seifentiere und Salzteiganhänger

dsci0634dsci0641dsci0635dsci0637dsci0641Julius und ein Freund hatten die Idee mit den Kerzenständern und stellten fest, dass Walnussholz ziemlich hart ist.

Anna und eine Freundin liehen sich die Schleichtiere von Karla aus, fertigten Gussformen und stellten Seife und Radiergummis her.

Karla machte aus Salzteig Weihnachtsbaumschmuck. Nun kann der Basar kommen

Lesung von Sasa Stanisic im Literaturhaus Kiel „Fallensteller“

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Die Räumlichkeiten im Kieler Literaturhaus, die fände er doch immer wieder besonders. „Der eine Teil des Publikums sitzt links, der andere rechts. Und sie wissen nichts voneinander.“

Stanisic stellt an diesem 4.April 2016,  im  bis auf den letzten Platz besetzten Literaturhaus seinen Erzählband „Fallensteller“ vor.

„Einen wunderschönen guten Abend. Ich freu mich, dass ich hier bin. Wir glauben ihm das.“

Wer in den Genuss des Vorablesens kam, könnte „Lada“ sprechen hören. Der aus Fürstenfelde. Die Lesung aber führt nicht nach Fürstenfelde in der Uckermark, sondern geradewegs ins Flugzeug auf den Weg nach Brasilien.

Seit dreißig Stunden sitzt dort Georg Horvath, Justiziar, neben einem Fluggast aus Fernost. Georg Horvath ist verstimmt. Verstimmt weil auch nach dreißig Flugstunden,  jetzt über Rio,  das Lichtermeer eher ein Lichter mehr ist und sein Sitznachbar ihn noch immer ignoriert. Aktiv ignoriert durch sorgsames  Falten von Bonbonpapier zu Quadraten.Den Inhalt  hat sich der Fernostler während des Fluges in großen Mengen einverleibt. „Wieviele Bonbons verträgt der kleine Magen?“, fragt sich Horvath. Das es ihn nach seiner Ankunft im Flughafen,  auf der Weiterreise bedingt durch ein Taxiverwechslungsmissgeschick statt in die „Cervejaria Vogelbräu“ in den Dschungel verschlägt erscheint nur folgerichtig. Eine kafkaesk anmutende Geschichte beginnt.

Etwas später wird das Publikum mitgenommen auf ein Rheinfloß in einer Rheinstadt. Zum Klang von Liedern vermutlich gegen Sklaverei,  übt Mo den kosovarischen Augenaufschlag um die christliche Menschenrechtsaktivistin Rebekka  auf einem Rheinfest christlicher Menschenrechtsaktivisten zu beeindrucken.

Skurril.

Und es macht neugierig auf die anderen Erzählungen, deren Ton sich (zumindest die der gelesenen zwei Erzählungen) deutlich unterscheidet vom Ton der Romane „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ und „Vor dem Fest“.

Stanisic ist ein sprachgewandter Schelm. Einer mit Narrenkappe und klaren Blick. Ein Rattenfänger dem das Publikum gebannt folgt. Sprachlich virtuos, scharfzüngig, liebevoll und listig so sind die Zuschreibungen der Zeitungskritiken.

Fragen durch das Publikum gab es nur eine. Die nach der Komplexität der Figuren und der Aktualität seiner Texte. Das sei nur möglich, so Stanisic, weil er seine Texte für Einflüsse von Außen offenhalte.

„Wir wissen auf so einen bist du nie vorbereitet, mit seinem Gepäck voller Allerlei, Sprache, Mut und Zauber.“

Ein Abend voller Magie im Literaturhaus in Kiel.

Auf Deutschlandradio/kultur erschien heute eine Rezension/ für die die noch etwas mehr wissen wollen: hier

Darf ich vorstellen? Die Stadtbücherei in Kiel-unser zweites zu Hause

Stadtbücherei Kiel 058Birgit mit ihrem wunderbaren Blog Sätze und Schätze hatte die Idee, die lokalen Stadtbüchereien ins rechte Licht zu setzen. Tolle Idee, fand ich und beteilige mich gern. Wir- das bedeutet meist die Kinder und ich, sind oft  in den heiligen Hallen. Hier verliebte sich Julius in die Bücher von Roald Dahl und auch Anna und Karla verlassen die Bibliothek nie ohne Buch. Besonders schön ist der Blick auf die Stenaline. Die Kinder „chillen“ gern in der Comicecke (gestaltet von Katharina Kierzek) die ja wirklich ein Prachtstück ist.  Weitere Informationen zur Kieler Stadtbücherei sind hier zu finden..Stadtbücherei Kiel 001 rStadtbücherei Kiel 007-001Stadtbücherei Kiel 064Stadtbücherei Kiel 040Stadtbücherei Kiel 014Stadtbücherei Kiel 034Stadtbücherei Kiel 032Stadtbücherei Kiel 023  Stadtbücherei Kiel 043Stadtbücherei Kiel 050Stadtbücherei Kiel 076Stadtbücherei Kiel 074-001  Am Ende einer Jagd auf Lesbares,  lässt sich die Beute wunderbar im im Statt-Cafe  sichten. Es ist mein Lieblingfscafe in der Stadt , das auch kulturell viel zu bieten hat.