Die Sache mit dem Kong oder wie wir Luna versuchen das Bellen abgewöhnen

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In der Nacht lese ich in schlaflosen Stunden “ Mein Findelhund“ von Petra Durst -Benning.

Ihr empfiehlt der Hundetrainer einen Kong. Den Kong hat das Futterhaus vorrätig, die Leber nicht, aber Lunge müsste auch gehen. Auch das konnte ich aus dem Buch lernen: Nicht verfressene Hunde brauchen stark riechende Leckerli.

Zuhause befülle ich mit spitzen Fingern die Kongs mit Lunge. Einen in rot für Ubu, einen in blau für Luna. Kaum schlägt sie an, fange ich an begeistert mit dem Kong zu spielen.  Natürlich wollen die Hunde das haben. Die Ablenkung klappt perfekt. “ Sind die Hunde da?“, fragt der Gatte erstaunt.

„Petra Durst-Benning machts möglich, entgegne ich.  Du musst zugeben, das ist cool, sie bellt nicht mehr.“ Selten zeigt sich der Gatte beeindruckt, nun ist er es.

Und sonst? Singt Karla beim aufräumen Carmina Burana, sind die Pubertiere genervt weil sie aufräumen sollen und wollen mehr Freiheit.  Was in diesem Fall auf Freiheit vom Putzen hinausläuft.  Diesen Freiheitswunsch finde ich verständlich. Ich bereite  das Haus für Besuch vor, Anna bäckt später eine Giottotorte, Julius schleppt Stühle auf die Dachterasse. Die Stimmung ist mäßig. Bei den Foodsharer bekomme ich meine Einarbeitungstermine. Das führt mich assoziativ zur Monatsvorschau bzw. Rückblick.

Im August: haben wir Luna eingewöhnt und ein wunderbares Familienmitglied dazu bekommen

Der Gatte hat eine Dachterasse gebaut, Totholzmauern angelegt, ein Tor gebaut, die Auffahrt fertiggestellt

Wir haben Annas Geburtstag gefeiert

Mit Luna am Strand gewesen

das Haus immer voller Kinder gehabt

festgestellt, das Ferien zu Hause Spaß machen können

Im September werde ich: ein Sommerfest in der Kita feiern

Karlas Geburtstag feiern

bei den Foodshareern einsteigen

ein Waldseminar haben

einen Elternabend besuchen, vielleicht auch zwei oder drei

Äpfel mit den Kindergartenkindern und gemeinsam mit den Kollegen ernten und zu Saft verarbeiten

Erntedank feiern

(Monatsvorschauidee geklaut von Frische Brise)

 

 

Ein Sonntag mit dem“Spaziergang nach Syrakus und Foodsharing

20170826_164921[2] Auf der Dachterasse verfolgte ich gestern die spannende Reise eines Kellners (1981) von Rostock nach Syrakus. Ein Flohmarktfund. Gumpitz bezieht sich auf Seume, der diese Reise 1801 antrat- „die erste wirklich freie Entscheidung“, nennt Seume seine Reise.

Gumpitz ist mittlerweile aus Syrakus zurück, das Buch ausgelesen.  Es ist Sonntagmorgen. Bei einem Cappucino lese ich in der Zeit einen Artikel über das kleine Dörfchen Bardou.

Seume habe ich im Regal stehen. Das wird die Sonntagslektüre. Doch vorher geht es zum Sonntagsspaziergang. Brombeeren und Hagebutten, ein Erdwespenvolk tafelt seit einigen Tagen am Fuße eines Mirabellenbaumes. Ubu und Luna begrüßen Schafe, Pferde und Hühner. Blätterfall, auch Eicheln und erste Kastanien sind zu finden. Die Sonne scheint. Am Himmel zieht kreischend eine Möwe vorüber und in der Baumkrone zetert ein Eichelhäher.

Ich habe mich bei den Foodsavern gemeldet, erstmal als Verwerter. Es ist unglaublich was wir als Sonntagsgaben in Empfang nehmen: Brötchen, griechische Antipasti, Obstsalat und Spaghetti Bolognese. Die Dame die die Spenden überbrachte kannte ich, so stellte es sich überraschend heraus. Wir hatten oft gemeinsam mit vielen anderen Eltern vor dem Ballettsaal gewartet. Ich würde mich gern engagieren. Dieser Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen.

 

Nachdenken über….

Immer wieder die Frage wann die Begegnung mit einem Kind wirklich gelingt- auf Augenhöhe. Der Wald selbst ist Therapie. Eichhörnchen mit weißen Lätzchen erklimmen die Wipfel der Fichten. Mit einem stetigen Klacken fallen Haselnüsse zu Boden. Die Kinder tun es den Eichhörnchen gleich.

Nach einem langen Spaziergang vertiefe ich mich in ein Fachbuch zum Thema ADHS.  Henning Köhler stellt die Frage der Inklusion. Muss sich das Umfeld oder das Kind ändern. Es ist immer wieder schön zu erleben, wenn besondere Energien ihren Platz finden, zum Beispiel beim Mähen des Rasens mit einem Handrasenmäher oder dem Mahlen von Getreide mit der Handmühle, beim Klettern und Erklimmen oder Geschichten erzählen.

Henning Köhler beschreibt unsere besonders auf Effektivität getrimmte Zeit als:

Herrschaft des Gestells (Heidegger)

Diktatur der Maschine

Terror der Zweckmäßigkeit

Magie des reibungslosen Funktionierens

und empfiehlt

Schatzsuche statt Fehlerfindung

Aus “ War Michel aus Lönneberga aufmerksamkeitsgestört?“ von Henning Köhler

Eine lohnenswerte Lektüre

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Ferien zu Hause-Tag 25-Altweibersommer

 

Erste Brombeeren. Der herbe Vorgeschmack des Herbstes. Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich gehöre zu der seltenen Gattung Mensch, der die kürzer werdenden Tage mit Vorfreude erwartet. Die Spinnen weben ihre Netze.

Am Nachmittag bringt der Nachbar ein Fahrrad für Karla. „Wenn sie möchte, kann sie das haben. Ich habe es wieder fit gemacht.“

Morgens kam Julia von gegenüber mit dem Pressluftabflussreiniger von Aldi.  „Willst du mal ausprobieren?“ Er funktioniert hervorragend. Noch etwas später am Nachmittag steht Luise mit ihren Kindern in der Tür. In den Taschen selbst geerntetes Gemüse und Ableger von Blumen. Ich möchte den Vorgarten naturnah gestalten, was vermutlich bedeutet, dass ich schlechte Erde abtragen muss und mit Kompost auffüllen werde. Getreide will ich säen, nur ein Stückchen und nicht im Vorgarten, die Mirabellen müssen geerntet werden.

Ein „Organico Bokashi Komposteimer“ ist in unsere Küche gezogen und verwertet nun auch gekochte Reste.

Luna geht es besser, wenn auch nicht gut.  Die Tierarztkosten betrugen bisher 130 Euro, Leinen, Geschirr und Futter etwa 200 Euro. Sie schläft viel. Ich denke darüber nach mein erstes Hochbeet allein zu bauen. Oder ich beauftrage den Sohn.

Die Pubertiere nörgeln. Sie wollen neues Brot. Ich bestehe darauf, dass das alte erst mal aufgegessen wird, auch wenn es hart ist. Diesem ständige Wegwerfen von Lebensmitteln möchte ich ein Ende bereiten.

 

Barfen oder nicht?Urlaub zu Hause Tag 23

Es bleibt dabei. Luna mag das Trockenfutter nicht. Ich überlege zu Barfen. Es gibt einen Barfshop hier in der Nähe.  die Kinder gestalten sich ihr eigenes Ferienprogramm. Karla holte ich gestern am späten Abend noch von der „Dachterasse“. Plaudernd mit der Freundin, fiel es ihr schwer einzusehen, dass es auch in den Ferien Schlafenszeiten gibt.

Julius baut seit seinem Besuch im minecraftcamp unaufhörlich Häuser an der Kieler Förde. Es wurde extra eine Gamingmaus angeschafft. Leider muss er ständig ermutigt werden, sich Kiel auch mal in real anzusehen.

Anna und ihre Freundin haben den Gassigang übernommen. Es gab wüste Disskussionen um die Ressource Hund. Um diese zu verteidigen wird sogar 8.15 aufgestanden. Ich lese wenig, baue an Totholzmauern, koche Mittagessen und bearbeite weiterhin liegengebliebenes.

Soll ich es mit Barfen versuchen oder den Tierarzt nochmal aufsuchen?

Ein Morgen mit Anna -In der Buchhandlung Stöberecke

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Anna ist zurück. Sie ist jetzt 15 geworden und; sie war an ihrem Geburtstag nicht hier.   Vom Bundeslager der Pfadfinder in Wittenberg erzählt sie, als wir vormittags zu einer Buchhandlung aufbrechen. Der Gatte bekam einen Gutschein geschenkt: Buchhandlung Stöberecke. Ich dachte ich würde, zumindest dem Namen nach, alle Buchhandlungen in Kiel kennen. Die Stöberecke kannte ich nicht.

Ich vermute, dass wird meine Buchhandlung. Klein aber fein und eine Auswahl die mein bibliophiles Herz höher schlagen lässt. „Shakespeares Welt“, Ilja Trojanow und James Joyce.

Keine Mainstreambuchhandlung, ein Kleinod. Ich entscheide mich für Mareike Krügel „Sieh mich an.“ Es gibt einen persönlichen Bezug…bin gespannt darauf, wie sie schreibt und Marlene muss auch mit.

Auf dem Blücherplatz ist Markt. Anna will Tapiokastärke für den Pizzateig. “ Wie ungewöhnlich“, sagt eine Frau, “ dass jemand nach Tapioka fragt.“ Anna fachsimpelt mit ihr über Rezepte. Der Verkäufer am Gemüsestand  reicht mir einen Strauß Wildkräuter hinüber, da fragt mich Anna: „Worüber hat Proust eigentlich geschrieben?“  Für einen Moment bin ich sprachlos, verdattert. Anna hilft mir: „Ist es mehr so biografisch?“ “ Ja, sage ich erleichtert, „eher so.“

„Dann ist es nichts für mich.“ Wir nehmen lila Möhren, lila Blumenkohl und Bioeier mit. “ Sind die ungefährlich?“, fragt ein Käufer.

 

Mein meist gelesenes Buch/Bücher-die Tagebücher von Max Frisch

  1. Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast? fragt Birgit von Sätze und Schätze hier: Klick

Mein meist gelesenes Buch, beispielsweise Bücher, sind die Tagebücher von Max Frisch.

Wann habe ich sie entdeckt? Es muss in der Kieler Dekade gewesen sein, diese begann 1996. Hätte ich es mir einmal träumen lassen, über zwanzig Jahre in einer Stadt zu wohnen? Ich liebe an Kiel die Kühle, den stetigen Wind, den freien Blick, das Wasser, nicht zuletzt die Möwen mit ihrem heiseren Lachen. Sie erinnern mich jedes Mal an meine Zeit in Aberdeen, (allerdings las ich in der Aberdeener Dekade ausnahmslos Rudolf Steiner). Aberdeen, die Granit funkelnde Lady. Ein wenig einschüchternd in ihrer Noblesse, wären da nicht die Spottmöwen gewesen, die nichts allzu ernst zu nehmen schienen.

Was das mit den Tagebüchern von Max Frisch zu tun hat?  Ich weiß es nicht. Vielleicht flüchte ich mich in Assoziationen, um der Beantwortung dieser schwierigen Frage zu entgehen. Warum Frisch? Frischs Sprache ist kühl, klar, frei und zuweilen spöttisch. Man kann es sich in seiner Sprache nicht gemütlich machen, sie legt den Finger auf die Wunde, macht den Blick frei.

Die Fragebögen im Tagebuch von 1966-1971 haben es mir sehr angetan.

Fragen wie: “ Was bezeichnen sie als Heimat:

a. ein Dorf

b. eine Stadt oder ein Quartier darin ?

c. einen Sprachraum ?

d. einen Erdteil ?

e. eine Wohnung?

oder

Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

23. Auch Soldaten auf fremden Territorium fallen bekanntlich für die Heimat: wer bestimmt, was sie der Heimat schulden?“

Mit den Fragebogen über die Ehe, haben der Gatte und ich uns einmal, auf dem weiten Weg nach Südfrankreich, die Zeit vertrieben. Hitze, Müdigkeit, ein scheppernder Bulli, die Kinder noch klein und dann Fragen wie diese:

„Wann überzeugt Sie die Ehe als Einrichtung mehr: wenn Sie diese bei andern sehen oder in ihrem eigenen Fall?“

 

Es ging gut-zum Glück.

Was liebe ich  an Max Frisch? Das er trifft. Das schnörkellose, das Spöttische, das Hellwache, das Ringen.

 

„Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit der Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht-

Muss ich etwas zu sagen haben? Das sture Gesumme einer dicken Fliege an der oberen Fensterscheibe reicht aus, dass ich verzage, aber ich stehe nicht auf um das Fenster zu öffnen; die Stille wäre genauso öde. Und wenn das Telefon klingelt, lasse ich es klingeln-

Ich bin nicht da. Ich weiss nicht, was los ist.“

oder Fragen wie diese:

„Wen habe ich wirklich gekannt?“  (Entwürfe zu einem dritten Tagebuch)

Wen habe ich eigentlich gekannt? Kenne ich mich? Das Haus muss aufgeräumt werden, ich räume den Schreibtisch.