Ferien zu Hause-Tag 25-Altweibersommer

 

Erste Brombeeren. Der herbe Vorgeschmack des Herbstes. Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich gehöre zu der seltenen Gattung Mensch, der die kürzer werdenden Tage mit Vorfreude erwartet. Die Spinnen weben ihre Netze.

Am Nachmittag bringt der Nachbar ein Fahrrad für Karla. „Wenn sie möchte, kann sie das haben. Ich habe es wieder fit gemacht.“

Morgens kam Julia von gegenüber mit dem Pressluftabflussreiniger von Aldi.  „Willst du mal ausprobieren?“ Er funktioniert hervorragend. Noch etwas später am Nachmittag steht Luise mit ihren Kindern in der Tür. In den Taschen selbst geerntetes Gemüse und Ableger von Blumen. Ich möchte den Vorgarten naturnah gestalten, was vermutlich bedeutet, dass ich schlechte Erde abtragen muss und mit Kompost auffüllen werde. Getreide will ich säen, nur ein Stückchen und nicht im Vorgarten, die Mirabellen müssen geerntet werden.

Ein „Organico Bokashi Komposteimer“ ist in unsere Küche gezogen und verwertet nun auch gekochte Reste.

Luna geht es besser, wenn auch nicht gut.  Die Tierarztkosten betrugen bisher 130 Euro, Leinen, Geschirr und Futter etwa 200 Euro. Sie schläft viel. Ich denke darüber nach mein erstes Hochbeet allein zu bauen. Oder ich beauftrage den Sohn.

Die Pubertiere nörgeln. Sie wollen neues Brot. Ich bestehe darauf, dass das alte erst mal aufgegessen wird, auch wenn es hart ist. Diesem ständige Wegwerfen von Lebensmitteln möchte ich ein Ende bereiten.

 

Ein Hund aus Kreta-Bindehautentzündung oder warum ich Ulysses nicht lese

Wer keine Hundepost lesen möchte, blättert bitte weiter. Luna bestimmt im Moment zu einem großen Anteil unser Leben. Luna kommt schon mit roten Augen auf dem Flughafen an. „Klar“, denken wir, „das ist vom Flug.“

Erste Stipvisite beim Tierarzt.  „Nehmen sie Bepanthen. “  Ubu hat kein Problem mit Medikamentengabe. Er ist einfach zu verfressen. Luna aber, frisst nicht so gern. Leckerli interessieren sie nicht. Nassfutter würde helfen, verträgt sie aber nicht. Mit nach oben gehaltenen Salamistücken oder Wiener Würstchen, gelingt es mit Müh und Not ihr die Augensalbe zu verabreichen. Es wird nicht besser. Zweiter Tierarztbesuch: Luna deutlich ungnädig gestimmt, schnappt um sich. “ Nehmen sie Bepanthen weiter und Euphrasia dazu.“

Der Stress steigt. Luna hasst Augensalbe und Augentropfen auch. Irgendwie gelingt es, aber ich bange um unsere Beziehung. Trotz Euphrasia-es wird schlimmer. Luna hört auf zu fressen. Gestern nachmittag schiebt sich das Lid über das Auge. Luna wirkt abgeschlagen, frisst nicht. Wir fahren zum Notdienst. „Sie ist superlieb“, sage ich, „aber beim letzten Tierarzt hat sie geschnappt.“ Luna bekommt einem Maulkorb. Eine Tierarzthelferin ist nicht vor Ort. Luna wehrt sich und zappelt, bekommt die Augen eingefärbt. „Oja“ sagte die Tierärztin, das ist heftig. Kein Fremdkörper, aber angeschwollen.. Das geht nur noch mit Antibiotika. „Sie müssen es schaffen, dass sie sich von Ihnen festhalten lässt. sonst haben sie irgendwann wirklich ein Problem.“

Luna ist erschöpft. Zuhause wickelt sie sich um meine Beine während ich am Computer sitze. Sie erbricht sich. Kurz nach Mitternacht wache ich auf.  Sie ist am Fressnapf,  sieht mich mich mit fröhlichem Blick an. „Hej mir gehts wieder gut.“

Am nächsten Morgen:

Ich rufe die Tierärztin aus der Nachbarschaft an. „Jana kannst du mir einmal zeigen, wie man Luna die Augentropfen verabreicht?“ „Klar“, sagt Jana, „gegen 10.00 Uhr bin ich da.“ Dann steht sie mit ihrem kleinen Sohn in der Tür. Während er die Umgebung erkundet, nimmt Jana Luna auf den Schoss. Luna hält still. Sie greift mit einer Hand unter die Schnauze und mit der anderen Hand hält sie den Kopf von oben, zieht dabei mit zwei Fingern das Lid nach unten. Kraftaufwand ist nicht notwendig. Ich tropfe ihr die Augentropfen hinein. Luna hält still.  So einfach war das. Jana trinkt noch einen Tee. „Sag Bescheid, wenn du Hilfe brauchst, ich mach das gern. Hast du vielleicht ein Buch für mich?“ Ich habe eines. Ja, so ist das hier im Vorort. Ein lebens und liebenswerter Ort.

Update: Mittags zeigt Julius Anna den Griff. Anna nimmt Luna auf den Schoss. Anna wendet den Griff an. Nichts. Ich tropfe die Augentropfen ins Auge. Luna hält still:)

 

Barfen oder nicht?Urlaub zu Hause Tag 23

Es bleibt dabei. Luna mag das Trockenfutter nicht. Ich überlege zu Barfen. Es gibt einen Barfshop hier in der Nähe.  die Kinder gestalten sich ihr eigenes Ferienprogramm. Karla holte ich gestern am späten Abend noch von der „Dachterasse“. Plaudernd mit der Freundin, fiel es ihr schwer einzusehen, dass es auch in den Ferien Schlafenszeiten gibt.

Julius baut seit seinem Besuch im minecraftcamp unaufhörlich Häuser an der Kieler Förde. Es wurde extra eine Gamingmaus angeschafft. Leider muss er ständig ermutigt werden, sich Kiel auch mal in real anzusehen.

Anna und ihre Freundin haben den Gassigang übernommen. Es gab wüste Disskussionen um die Ressource Hund. Um diese zu verteidigen wird sogar 8.15 aufgestanden. Ich lese wenig, baue an Totholzmauern, koche Mittagessen und bearbeite weiterhin liegengebliebenes.

Soll ich es mit Barfen versuchen oder den Tierarzt nochmal aufsuchen?

Urlaubsmorgen

Luna springt wie eine Hase die Treppen herunter. Sie ist quirlig , voller Energie und auf ihre Zeit bedacht.

„Alter“, sagt Julius, „kann man in diesen Ferien nicht einmal ausschlafen?“ Luna springt an der Schleppleine in den Garten. Das Medikament scheint gewirkt zu haben. Fröhlich sagt sie dem solitären Kater ein „Hallo“. Dieser sitzt die Sache aristokratisch aus.

Sie erkundet den Garten mit Nase auf dem Boden. Der behäbige Ubu ahmt sie nach. Und dann ist es wieder Zeit fürs Bett. Ich sehe gerade noch, wie sich sie mit einem Salto und breiten Grinsen, in Julius Bett stürzt. Hm also mit Matschpfoten ins frisch bezogene Bett….

Die Gruben die der Gatte gräbt sind Vorortgespräch. Es bleibt nicht beim Sprechen, sondern bringt Werkzeug vorbei, bietet Hilfe an. So ist das hier im Vorort und das macht ihn so liebenswert.

Urlaub zu Haus und ein Hund aus Kreta-Tag2

20170801_141042[1]Ohrenbetäubendes Bellen von oben. Noch müde drehe ich mich zum Wecker: 4.30.

„Luna, es ist nur der Briefträger. Briefträger habt ihr mit Sicherheit auch in Kreta.“ Luna bellt weiter.

„Mama“, ruft der Sohn verschlafen von oben. „Luna hat alles vollgekotzt.“

Kurzerhand nehme ich sie mit nach unten, hinaus in den Wald. Ubu hat es gut vorgemacht: Der Toilettengang hat draußen zu erfolgen. Und wenn ich hier schon mal bin, kann ich auch gleich die Kaninchen der Nachbarin versorgen. „Los raus ihr Faulpelze!“ Eine Hand voll Heu, Löwenzahn und Trockenfutter. Auf gehts zu den Meerschweinchen der nächsten Nachbarin. Pforte aufmachen, Heu, Trockenfutter, Wasser. Jetzt endlich einen Kaffee. Luna hat Durchfall. Es ist 5.30 Uhr. Sie sucht die Nähe. Es gibt kein größeres Glück für sie als gestreichelt zu werden. Wir vertreiben uns die Zeit mit nach draußen flitzen. 8.00 Uhr der Gatte beginnt auf seinen Bagger zu steigen, Ubu mache ich Wadenwickel. Es wird immer wärmer, ich putze, koche, kaufe ein und bringe Luna nach draußen, wenn sich der nächste Durchfall anmeldet. Stress, Entwurmung, Umstellung? Ich frage beim Tierschutz an.  Dieser Tierschutzverein ist sehr engagiert. Sie mailen sofort. Lieber kein Naßfutter, vielleicht ist es auch die Entwurmung. Als am Abend, Luna immer noch nicht trinken will, weiterhin Durchfall hat, fahre ich zum Tierarzt.  “ Ich hab ihren Gatten gestern getroffen an der Tankstelle, ich war mit meinem Trecker da.“ Er ist genauso gut gelaunt, wie der Gatte wenn er Bagger fährt. „Und der Gatte saß der vielleicht auf nen Bagger?“ Der Gatte war neidisch auf den Trecker des Tierarztes. „So einen könnte ich jetzt gut gebrauchen.“  Das sage ich dem Tierarzt aber nicht. Dieser ist beschäftigt, er hört den Bauch von Luna ab. „Oh ja, das rumort.“ Er verschreibt Tabletten. „Wenn ich aus dem Urlaub wieder da bin, müssen wir die Krallen schneiden, bei Ubu muss der Zahn raus, geht leider nur unter Vollnarkose.  Auf dem Weg zum Bulli treffen wir auf Lunas Ebenbild.

Die Hundehalterin bleibt stehen. „Wo kommt ihrer denn her?“ „Aus Kreta und ihrer?“ „Aus Zypern von einer Tötungsstation.“

Der Tag neigt sich dem Ende. Ich werde die Kaninchen noch reinlassen, die Meerschweinchen verstauen, mit Ubu und Luna noch eine Runde gehen

 

Erste Tage in Deutschland, Luna ein Hund aus Kreta

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Luna wollte sofort auf den Schoß. Julius war auserkoren. Im Bulli schien sie sich heimisch zu fühlen. Die Fahrt von Hamburg nach Kiel meisterte sie ohne Probleme. Erst Zuhause wurde sie unruhig und hinterließ eine Pfütze auf dem Laminat. Sie musste müde sein, aber die Unruhe trieb sie dazu Runde um Runde zu laufen, immer im Kreis herum. Nur in Julius Nähe wurde sie ruhig. Sie sprang auf seinen Schoß und kuschelte sich eng an ihn. Alle anderen interessieren sie nicht. Ubu interessiert sie nicht.

Am nächsten Morgen: Gassirunden findet Luna toll, aber ihr Geschäft macht sie lieber im Haus. Sie folgt Julius überall hin. Ist er nicht in der Nähe winselt sie unruhig.  „Wie gewöhne ich ihr nur das Zwicken ab?“ Julius will es googlen. „Wie bekommen wir sie stubenrein?“. Das ist meine dringlichste Frage. Luna war kein Straßenhund, sie lebte in einer Familie in der sie Gewalt erlebte. Hier soll der Start in ein glückliches Leben sein.

Es macht nichts, dass wir in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren. Der Gatte buddelt glücklich, Gruben mit einem Minibagger und wir haben auch zu tun:)