„Unter Wölfen“ von Alex Beer

Um es vorweg zu nehmen: Ich hab das Buch irgendwo aufgeschlagen, testgelesen und bemerkt, dass es mit mir und dem Buch schwierig werden wird.

Allein schon der Schreibstil machte mir Mühe.

Der Kriminalroman spielt in Nürnberg 1942. Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein erkennt die Gefahr in der seine Familie und er leben. Er ersucht seine ehemalige Geliebte Clara um Hilfe. Clara arbeitet für den Widerstand und bietet Hilfe an, bittet aber ihrerseits darum, dass Isaak sich als Maulwurf bei der Gestapo betätigt.

Wäre es ein Jugendroman, wäre ich mit dem Buch einverstanden, denn es bietet Hintergrundwissen über diese furchtbare Zeit.

Das alles bleibt aber sehr auf der Oberfläche, die Plots sind nicht stimmig, Spannung ist auch irgendwie fehl am Platz.

Nein, ich kann dieses Buch nicht empfehlen. Es verarbeitete das schlimmste Kapitel Deutschlands zu seicht und trashig.

Ich danke dem randomhouseverlag für das Rezensionsexemplar.

„Labyrinth“ von Burhan Sönmez

Im Krankenhaus war er aufgewacht, irritiert von der Umgebung und irritiert von sich selbst. Wo war er? Warum war er hier? Wer war er?

Der Rippenbruch ist geheilt. Der Bruch in seiner Erinnerung bleibt. bestehen. Man hat ihm seinen Ausweis gezeigt. „Der bist du! Du bist Boratin und ohne Erinnerung seit du von der Bosporusbrücke gesprungen bist.“ Warum er sich umbringen wollte wusste er nicht.

Sein bester Freund, jedenfalls behauptet er das zu sein, sagt er sei Musiker. Bluessänger, habe Gitarre gespielt, Konzerte mit der Band gegeben.

Nun ist er zu Hause. Warum hatte er sich mit diesen Möbeln eingerichtet? Was sollte die Statue von Maria und Jesus dort? Die waren schon tot, das wusste er, nur nicht seit wann sie es waren. Irgendwann fällt ihm die Decke auf den Kopf.

Er streift durch Istanbul wie im Nebel. Er geht in Bars. Die Frau die ihn ansieht, kennt sie ihn ? Wer ist er? Der Nebel lichtet sich nicht, die Puzzlestücke finden nicht zueinander. Der Leser begleitet Boratin auf seinen Wegen durch das Labyrinth seiner verloren gegangenen Vergangenheit.

Eine Suche nach Erinnerungsstücken, Was bleibt von einem Leben, wenn das Bewusstsein an das Vergangene gelöscht ist?

Wird man das alte Leben irgendwie weiterführen, den Faden an irgendeiner Stelle neu aufgreifen oder würde man eine völlig andere Version seiner selbst leben?

Ein melancholisch, wehmütiges Buch über das Leben und das was es im Kern ausmacht. Sehr lesenswert.

Zum Autor: Burhan Sönmez geb.1965 in Zentralanatolien ist ein kurdisch-türkischer Schriftsteller. Er studierte zunächst Jura. Sönmez unterrichtete zudem Literatur und Kreatives Schreiben. Er schreibt für verschiedene Medien und schrieb mehrere Romane.

Die deutsche Erstausgabe seines Romans „Labyrinth“ erschien am 02.03.2020 im btb Verlag, übersetzt aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Ich danke der Randomhouseverlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

„Ein russischer Roman“ von Emmanuel Carrère

Der eventuell letzte Kriegsgefangene in Russland wird im Jahr Zweitausend, überraschend in der Psychiatrie eines kleinen sibirischen Städtchens entdeckt.

Er ist Ungar, lebt seit 53 Jahren in der Psychiatrie in Kotelnitsch und spricht trotzdem nahezu ausschließlich ungarisch. Dieser alte, etwas verwirrte Mann kann sich an seine Herkunft nur bruchstückhaft erinnern. Sein Name Andras Tomas ist ihm fremd. „Tomas“ wird in seine Heimat Ungarn zurückgeführt. Ein medial wirksames Ereignis.

Emmanuel Carrère nimmt diese Geschichte als Anlass, seinen Protagonisten, einen Pariser Schriftsteller, Journalisten und Filmemacher, auf eigene Spurensuche zu schicken. Er lässt ihn einen Dokumentarfilm in Kotelnitsch drehen. Ein rein beobachtender dokumentarischer Blick auf den Alltag dieses Städtchen der Vergessenen. Eine irrwitzige und melancholische Reise ins postsowjetische Provinzdasein.

Emmanuel Carrères Bezug zu der Geschichte des Andras Tomas, ist sein Großvater. Dieser war ein georgischer Immigrant, lebte in Paris und kollaborierte später mit den Nazis. Im Jahr 1943 wurde er von der Résistance verschleppt und gilt seit dem als verschollen. Eine Angelegenheit über die im Familienkreis geschwiegen wird.

Ebenso wie der Suche nach den eigenen Wurzeln, denen er ausgerechnet in der Ödnis Kotelnitsch auf die Spur zu kommen sucht, räumt Carrère der Beziehung zu seiner Freundin Sophie einen weiträumigen Platz ein. Eine ziemlich narzisstische Nabelschau, vermischt mit erotischen Phantasien, Exhibitionismus und Kontrollzwang. Selbstbespiegelung zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen. Leider ziemlich anstrengend, fand ich. Geschrieben aus der Sicht eines übersättigten, überaus neurotischen Ichs. Ich habe versucht diesem „russischen Roman“ etwas abzugewinnen. Einige Wochen zuvor hatte ich von Carrère das Buch „Das Reich Gottes “ gelesen und es geradezu verschlungen. „Ein russischer Roman“, machte mich jedoch ärgerlich und ungeduldig. Kann sein, dass mir der Kniff des doppelten Ichs entging, der neue Erzählräume öffnet. Vielleicht war es auch so, dass ich als Leser dieser Introspektive nicht gewachsen war. Übrig blieb der Eindruck eines äußerst subjektiv eingefärbten Blickwinkels egal wo „Emmanuel“ sich gerade aufhielt. Eine Autofiktion, in der der Protagonist offenbar nur eingeschränkt in der Lage zu sein schien, zwischen sich und der Welt zu unterscheiden.

Trotz allem lohnt es sich Carrère zu lesen. Er ist ein großartiger Erzähler.

„Die französische Originalausgabe erschien 2008 bei P.O L.

2017 erschien es im Verlag Matthes & Seitz Berlin , übersetzt von Claudia Hamm

2019 erschien es als Taschenbuchausgabe in der Verlagsgruppe Randomhouse.

Ich danke der Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar

4. Dienstag im Februar mit Berufswahl

Mein erster Blick, das gebe ich zu, gilt am Morgen dem Coronavirus. Nicht aus Panik, eher aus Interesse. Der Sturm lässt die Fensterscheiben klirren, fahles Morgenlicht. Der Tag wird es in sich haben, ich koche Kaffee, verkrieche mich noch einmal kurz ins Bett und lese.

Der Protagonist in „Ein russischer Sommer“, stellt gerade seine neue Freundin vor. Die Gruppe ist hingerissen, auch ihr lautes Lachen wird, obwohl nicht standesgemäß, toleriert. Bis, sie nach ihrem Beruf gefragt wird. Der Zauber schwindet, als sie verlegen sagt, sie würde in einem Verlag für Nachhilfeliteratur arbeiten. Für Emmanuel Carrères Hauptperson, steht dieser Beruf: für keine Wahl getroffen haben.

Behauptung: Niemand der die freie Wahl hätte treffen können, würde sich freiwillig in so einen Job begeben. Freiwillig unter die Menschenmenge die morgens grau in grau mit der U- Bahn zur Arbeit fährt, mit der Stechuhr eincheckt, acht Stunden bleibt, ausschließlich um Geld zu verdienen.

Geigenbauer zum Beispiel, das wäre etwas anderes.

Ich lege das Buch genervt weg. Es ist spannend, gut geschrieben, aber der Ton so dekadent und arrogant, so selbstverliebt und narzisstisch.

Ist es so? Bedeutet einen Beruf zu haben der nicht prestigeträchtig ist , keine Wahl getroffen zu haben? Ich würde mich über Kommentare freuen. Habt einen schönen Tag in dieser Welt die wirkt, als würde sie beginnen wirklich aus den Fugen zu geraten.

„Nachtlichter“ von Amy Liptrot

Ein autobiografischer Roman.

Amy Liptrot trank.

Nun ist sie zurück auf dem Hof ihrer Eltern, der auf demselben Breitengrad liegt wie Oslo oder Sankt Petersburg.

Orkney/Schottland.

Hier gibt es nur noch das Meer, die Klippen und den immerwährenden Wind. Brutseeschwalben die während der Brutzeit Scheinangriffe fliegen, Möwen, Seehunde, ein paar Einwohner. Hier in diese Einsamkeit ist sie zurückgekehrt vor der sie mit 18 Jahren floh.

Das Leben schien anderswo stattzufinden. London zum Beispiel. London bot Leben, Jobs, Clubs, Partys. Einsam ist es hier trotzdem, das Anderssein hat sie mitgenommen, den Schmerz, die Brüche, die Sehnsucht. Alkohol verhilft ihr die Schüchternheit abzulegen, ist soziale Schmiere. Er verhilft cool zu tun, außerordentlich sein, crazy, mutig mit Biss. Es geschieht scheinbar langsam, der Übergang vom Partytrinken zum Alkoholikerdasein. Sie arbeitet in verschiedenen Verlagen, schleppt sich verkatert durch den Tag.

„Normalerweise begann ich zu trinken, sobald ich von der Arbeit nach Hause kam. Manchmal stieg ich auch auf halber Strecke aus dem Bus und trank ein paar Dosen im Park. Ich konnte es einfach nicht abwarten, und als ich arbeitslos wurde, musste ich es nicht mehr.“

Den Schein zu wahren gelingt immer weniger. Im Kleiderschrank türmen sich leere Flaschen, überall der säuerliche Geruch eines kranken Schafes. „Es riecht nicht nach Alkohol, sondern nach den kränklichen Ausdünstungen eines Geschöpfs, dessen innere Organe, wie Leber und Nieren, damit beschäftigt sind, Giftstoffe abzubauen und diese durch die Haut, die Fingernägel und Augäpfel wieder auszuscheiden.“

Das Schlimmste schreibt sie, sei nicht das äußere Chaos gewesen , sondern der innere Zerstörungstrieb.

Drei Versuche mit dem Trinken aufzuhören waren gescheitert. Jetzt hat sich die Spirale weiter gedreht. Wohnung, Job und Freund sind weg.

Sie hat die Wahl noch weiter in die Zerstörung zu gehen und wählt das Leben. Nach einer dreimonatigen, stationären Entgiftung kehrt sie nach Orkney zurück.

Hier beginnt der Part des Nature Writings in Verbundenheit mit der Beobachtung ihres Innenlebens. Sie kämpft gegen Ängste und Depressionen mit körperlicher Arbeit an, bessert Trockenmauern aus.

Und sie beobachtet die Wolken, die Vögel, die Natur.

„Ich hätte eine einsame traurige Trinkerin von vierzig, fünfzig oder 60 Jahren werden können.Am Ende jagte ich einem Versprechen hinterher, das sich nie erfüllt hat, und jetzt setzt ich lieber auf die Überraschungen meiner natürlichen Umgebung und lasse mich von ihnen inspirieren.“

Der Weg ist nicht leicht, der Drang zu trinken oft groß. Dünnhäutigkeit, das sich schutzlos fühlen, die Nachbesserung des eigenen Fundaments kostet Kraft und Zeit. Als sie im Sommer einen Job im Rahmen eines Vogelschutzprojektes annimmt, merkt man das nicht nur die Nächte in Orkney heller werden. Die Besessenheit schläft, aber sie lauert unter der Oberfläche, stetig bereit erneut zu übernehmen.

Die Leere schwindet langsam.

Das Buch ist auf seine Art und Weise ein ungewöhnliches Buch über das Leben mit Alkoholabhängigkeit und dem Kampf um Gesundung. Es ist nicht alles gut, es ist knallharter Kampf um das Überleben in dem sich nach und nach das Licht zeigt.

„Ich begann außerdem, mich mehr für die Natur zu interessieren. Ich fing an, Vögel zu beobachten und sie für eine Organisation zu zählen. Für meine Genesung war diese Aufgabe ganz entscheidend und ist es noch immer. Ich weiß nun, dass es Kräfte gibt, die größer sind, als ich es bin. Und sie werden weiterwirken, unabhängig von meinem persönlichen Schicksal. Das macht demütig.“

Ein ungewöhnliches schonungslos ehrliches Buch über Abgründe und Sehnsüchte, das Ringen um das Selbst und dem Leben in der Natur.

„Nachtlichter“ von Amy Liptrot erschien 2016 im btb Verlag

„Die Last, die du nicht trägst“ von Roswitha Geppert-vom Leben mit einem Kind mit einer schweren geistigen Behinderung

Tino ist zwei Jahre alt, als den Eltern im Arztzimmer fast beiläufig gesagt wird: Bei nicht sofort erfolgter Behandlung, degenerativ, folgende irreparable Gehirnschäden.

Nicht die Mütterberatung: „Das wächst sich raus, Spätentwickler“, und nicht der Nervenarzt: „Ich kann nichts finden“, haben Recht behalten. Tino ist kein Spätentwickler, er leidet an Phenylketonurie.

Seine Mutter gibt ihren Beruf als Regieassistentin am Theater auf, um ganz für Tino da sein zu können. Ihr Mann fühlt sich nicht gesehen, will eine normale Ehe, ist empathielos und verzweifelt. Er fällt durch die Prüfung seines Fernstudiums. Aus Verzweiflung schlägt er das Kind. Er droht es ins Heim zu stecken.

Traute kämpft. Tägliche krankengymnastische Übungen, die Nahrungsumstellung, das Betteln bei der Westverwandschaft um frisches Obst, tägliche Fördereinheiten. Tino lernt dank ihr laufen und Mama sagen. Immer wiederkehrende Klinikaufenthalte, viele Nächte ohne Schlaf: Tino schreit und randaliert in seinem Gitterbett, Isolation. Was soll aus ihrem Kind werden, wenn sie einmal nicht für es da sein kann?

Noch ist Tino klein. Immer ist die Verzweiflung da, die Hoffnung und das Anpacken. Sie beginnt unentgeltlich in einem christlichen Kinderheim für schwerstbehinderte Kinder zu arbeiten. Ihren Sohn darf sie mitnehmen. Sie sind zu zweit für 18 Kinder. Wecken 6.00 Uhr, im Akkord waschen und anziehen, 7.00 Uhr Frühstück. Putzen, desinfizieren, einkaufen, 11.00 Mittagessen, 12.00 Uhr Mittagsschlaf, die Kinder werden teilweise fixiert.

Die Schwestern lieben ihre Arbeit, es erfüllt sie, trotz 380 Mark im Monat, keinen Prämien und einer Arbeitsbelastung wie im Stahlwerk.

Der autobiografische Roman Roswitha Gepperts erschien 1978 in der DDR.

Der Roman hat mich sehr berührt in seiner Ehrlich-und Schonungslosigkeit. Zudem weckte er Erinnerungen an meine frühen Arbeitserfahrungen in der DDR (1988). (Rehazentrum Halle-Neustadt und Katharinenhof in Großhennersdorf.) Die Diskrepanz zwischen der Liebe zu den Kindern und den unzureichenden Umständen in allen Bereichen. Räumliche, personelle, zeitliche, unzumutbare Zustände in der DDR auch Ende der Achtziger Jahre noch.

Es ist ein Buch über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind, das aus Elternsicht geschrieben, den Kampf an allen Fronten zeigt, zu einer Zeit als die Bedingungen hoffnungslos waren.

Trotz allem ist es ein Hoffnung machendes Buch. Zutiefst menschlich, kämpferisch und voller Liebe.

Zur Autorin: Roswitha Geppert wurde 1943 in Leipzig geboren und studierte Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Regieassistentin und später als freie Autorin, Redakteurin und Pressereferentin.

Ihr autobiografischer Roman“Die Last die du nicht trägst“, erschien 1978 im Mitteldeutschen Verlag Halle

Roswitha Geppert starb 2018.

Affengeist

Die neunte Stunde. Was es mit der Stimmung macht, wenn der Körper nicht funktioniert.

Ich unterdrücke das Fieber dieses Mal nicht mit Aspirin. Der Körper wärmt sich auf, der Magen knurrt. Ich entscheide mich gegen diesen Bullettproof Kaffee und für die nicht umweltverträgliche Variante von Tütencapuccino.

Die Sonne, ein seltener Gast, schiebt sich durch die Wolkendecke.

„Ich hab´s so satt, immer Ego, Ego, Ego. Meines und das von allen anderen . Ich habe alle satt, die was erreichen wollen, die was Herausragendes machen, jemand Interessantes sein wollen.“

„Ich habe keine Angst vor Konkurrenz. Ich habe Angst, dass ich das mitmache.“

Das sagt Franny zu Lane in „Franny und Zooey“.

Es fiel mir bisher schwer einen Zugang zu Salinger zu finden, aber dieses Buch beginnt meine Aufmerksamkeit zu wecken. Es ist mit dem Lesen im Moment eine Krux. Ich bleibe nicht dabei, vermag mich wenig in die nötige Ruhe zu begeben. Affengeist nennt man das im Buddhismus glaube ich.

Ich schaffe kaum eine halbe Stunde Konzentration. Das Problem ist, dass der Körper sich eigentlich bewegen will. Vielleicht muss ich doch auf Hörbücher ausweichen. Wobei allein durch die fremde Interpretation durch Stimmklang, es mir in das eigene Bilder bilden hinein grätscht.

Ich starte in diesen wunderbar sonnigen Samstag mit außerordentlich schlechter Laune, Fieber und Ungeduld.

Habt einen schönen Samstag- vor dem Sturm.

Künstler müssen sich aussetzen

„Künstler müssen sich aussetzen, mein Junge. Dein Landsmann Jean Genet kam wegen Waffenbesitzes ins Gefängnis, Hemingway zog in den Krieg, Joseph Beuys hat drei Tage lang mit einem Kojoten in einer Galerie gelebt. Was meinst du , wo Brecht seinen Stoff gefunden hat? Oder wo heute ein großer Regisseur wie Benno Besson seine Ideen herbekommt? Sicherlich nicht davon, dass er zu Hause rumsitzt und liest Das sind Künstler, die leben! Die hinausgehen in die Welt, die sich konfrontieren. „

„Mein Rat an dich: Wage dich vor. Bleib nicht im Elfenbeinturm. Geh nicht zum Nachmittagstee in hübsche Cafes, wenn du Inspiration suchst.

Aus „Gott der Stadt“ von Christine Neudecker

Handke lesen-„Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“

„Aber ist es, zuletzt, nicht unverantwortlich, dachte ich dort an der Drina und denke es hier weiter, mit den kleinen Leiden in Serbien daherzukommen, dem bißchen Frieren dort, dem bißchen Einsamkeit , mit Nebensächlichkeiten wie Schneeflocken, Mützen, Butterrahmkäse, während jenseits der Grenze das große Leid herrscht, das von Sarajevo, von Tuzla, von Srebrenica, von Bihać…“

Aus “ Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien “ von Peter Handke

„Ich kann nicht sehen, dass er Srebrenica leugnet.“ Der Gatte kocht Kaffee. „Und der Satz mit den Barfussmilizen stimmt so auch nicht.Ich höre den Drina Marsch.

„Ich hab die Debatte damals nicht verfolgt“, sagt dieser.

Während Proust und Joyce warten müssen, habe ich beschlossen es mit Handke aufzunehmen. Ein Jahr mit Handke?

Bisher gelesen: Versuch über den geglückten Tag /1996

„Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ (heute ausgelesen)

Sehr guter Artikel im Spiegel. Mann gegen Mann

„Gott hilf dem Kind von Toni Morrison-Leseeindruck

„Es ist nicht meine Schuld.“

Das sagt Sweetnes, als sie ihr Kind betrachtet. Es wird vor ihren Augen blauschwarz.

„Auch wir sind rassistisch“, sagt Sweetnes deren Haut Milchkaffebraun ist. „Wir machen uns mit den Blauschwarzen nicht gemein.“

Dieses Kind wird physisch ausreichend versorgt werden, geliebt, umsorgt, wahrgenommen wird es nicht.

Zu groß ist die Scham über den blauschwarzen Makel.

Und so wird es im Alter von acht Jahren eine Lüge im Gerichtssaal erzählen, weil es weiß, dass es von ihr erwartet wird. Um einmal die Hand der Mutter halten zu dürfen, bringt sie mit einer Falschaussage eine Unschuldige für lange Zeit ins Gefängnis.

Im Alter von zwanzig Jahren hat Bride sich zu einer makellosen Schönheit entwickelt, sie macht Karriere, hat sich einen Panzer zugelegt.

Es geht ihr gut, bis eine Liebesbeziehung die eiternde und nicht verschorfte Kindheitswunde aufbrechen lässt. Gleichzeitig beginnt sich ihr Körper zu verändern. Die Körperbehaarung verschwindet ebenso wie ihre Brüste. Ein Reise zu sich selbst beginnt, in der Symbolik einer äußeren Reise.

Am Ende wird sie ihren Liebhaber wieder gefunden haben, der sein eigenes Trauma zu bewältigen sucht.

Wird sie ein Mädchen kennenlernen, dass aus üblen Verhältnissen an Land gespült wurde, wird es beschützen, ihr zuhören und sich selbst wieder in eine Frau verwandeln.

Das ist pointiert ins Bild gebracht, die Suche nach sich selbst, Verfehlungen ,Veränderungen, Annahme und Reife. Die Suche nach dem wahren Selbst.

Wunderbar geschrieben.

Ich habe mir dieses Buch nun im Original bestellt.