Fünfter Sonntag im März mit gemeinsamer Therapie/spiel

Was sich bei uns verändert hat ist, dass wir uns allabendlich zusammenfinden. Der Gatte, die drei Teenies, die zwei Hunde, ich. Die Kinder haben dieses neue Ritual installiert. Anna bestand darauf, dass wir uns ein Folge GNTM ( ja wirklich furchtbar dumm aber tatsächlich ganz lustig) und

„The voice kids“ (irre lang und leider überhaupt nicht mein Fall, einfach zu trashig trotz teilweise richtig guter Stimmen)

und „modern family“ anschauen. “ Ich leg mein Veto ein“, hatte ich gesagt. „GNTM“ war für einmal okay, „The voice kids“ finde ich einfach zu lang, „Modern family“ ist super.“

„Gut“, sagte Julius, „dann lass uns zwei Folgen „Modern Family“ schauen und anschließend etwas spielen.“ Wir spielten „Codenames“.

An einem anderen Abend schlug ich „Stadt, Land Fluß“ vor. Es fiel auf wenig Gegenliebe.

Ich hatte „Therapie“ als Idee.

„Kann mir jemand das „Therapiespiel leihen“, fragte ich im Vorortchat. Jemand konnte und so fand die Übergabe, Therapiespiel gegen in Geschenkpapier verpacktes Toilettenpapier, statt. Mit auf der Treppe ablegen und so.

Das Spiel ist von 1990, demzufolge mussten wir den Kindern immer wieder mal erklären wie das damals war: mit der Einstellung zur Berufstätigkeit u.s.w.

Wir saßen bis in die Nacht. Wenn man mich also fragen würde, was sich im Moment verändert hat, dann würde ich sagen, es sind die Abende an denen sich die ganze Familie zusammen findet für 2-4 Stunden. Auf diese Zeit kamen wir sonst noch nicht mal einmal im Monat. Ich lese dadurch weniger, aber die Abende die werden wir vermissen, wenn der Alltag wieder eingekehrt ist.

Die digitale Chorprobe des Gatten war leider nicht von Erfolg gekrönt. Die Zeitverzögerung war wohl ein Problem. Klavierunterricht und Gospelkirche funktionieren.

Karla ist nun auch in all fast allen ihren Hobbys digital ausgelastet . Sie singt und tanzt, nur das Pferd ist ein Problem.

Der Frühling lässt sich nicht aufhalten, trotz vereinzelter Schneeflocken im Wind heute morgen. Ich habe mein Asthmaspray verlegt und das bereitet mir wirklich Sorgen. Die gestrenge Sprechstundenhilfe wollte es mir partout nicht auf Vorrat mitgeben. Verständlich. Ich hoffe auf Gnade- morgen. Es ist allergisches Asthma und es ist Frühling, zusammen mit Corona ergibt das keine gute Mischung.Habt trotz aller Unsicherheiten einen guten Sonntag.

„Die Notaufnahmeschwester“ von Ingeborg Wollschläger

Ab und zu hatte ich auf ihren Blog „notaufnahmeschwester“ hineingeschaut. Die skurrilen Geschichten waren es, die mich Interesse an dem Buch anmelden ließen.

Eigentlich müsste man mit dem Ende beginnen. Der Moment in dem die Notaufnahmeschwester (Ingeborg Wollschläger) nach dreißig Dienstjahren ihren Koffer packt.

„Ich kündigte. Es fiel mir nicht leicht. „

„Vielleicht muss der Pflegekarren mal so richtig an die Wand gefahren gefahren werden, bevor sich was tut in Sachen Überlastung und Unterbesetzung.“

„Ich wollte nicht mehr in -halten sie sich fest- 34 verschiedenen Schichten arbeiten.“

Ich möchte hier nicht weiter zitieren, all die Gründe benennen, man liest im Moment täglich darüber. Das Buch findet nach einem Feuerwerk urkomischer Geschichten ein müdes und desillusioniertes Ende. Dreißig Jahre voller Großschadensereignisse und Bagatellbeschwerden, vom alkoholisierten Draufgänger mit 400 Euro in der Socke bis zum Schlaganfall. Doch nicht nur die Patientenvielfalt macht es spannend. Spannend sind auch die Kollegen, die Praktikanten, die „Reinigungsperlen“, der Alltag.

Und es gibt einige traurige Geschichten, dort wo man die Grenze zwischen Leben und Tod betritt, wo nicht mehr zu helfen ist.

Ein lockerer Ton zu ernsten Themen mitten im Wahnsinn Klinikalltag bzw.Notaufnahmealltag. Man zieht unwillkürlich seinen Hut. Ein Buch was sich in der momentanen Situation noch einmal anders liest.

Es hat mich zum schmunzeln gebracht, aber vielmehr noch besorgt hinterlassen. Denn man sieht jetzt wie fatal es ist, wenn dort gespart wird wo nicht gespart werden darf, wenn Gesundheitssystem und Wirtschaft eine unheilvolle Allianz eingehen.

In Zeiten wie diesen, bedeutet der Wahnsinn für das Pflegepersonal auch mit Covid 19 Infektion arbeiten zu müssen und Mindeststandards würden aufgehoben, so las ich.

Zurück zum Buch:

Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus.

Ich danke dem Randomhouseverlag für das Rezensionsexemplar.

Vierter Samstag im März mit komatöser Müdigkeit und morgendlicher Wanderung

Ob es daran lag, dass ich in der letzten Woche 35 Stunden am Computer saß und mich wenig bewegt habe? Die Büroarbeit prägt gewöhnlich nur zu einem Viertel meinen Berufsalltag. Einmal jährlich allerdings steht ein Marathon und den habe ich jetzt vorgezogen. Am Freitag nachmittag bin ich dermaßen erledigt, dass ich nur noch schlafen könnte. Statt dessen fahren wir ans Meer. Der Strand ist leer , in der Ferne ein Militärschiff. wir orten es mit einer App. Es ist die Schleswig-Holstein-139 m lang.

Heute morgen sprang ich aus dem Bett. Die Vogeluhr zwitschert los sobald sie Licht hat. Ubu und Keks kommen an die Leine. Wir gehen zum Fluss, was man hier so Fluss nennt.Rauhreif. Die Sonne steht noch tief. Ruhig ist es nicht. Ich bin die einzige die flaniert, der Rest joggt.

Der Kleiber ruft laut, das Rotkehlchen jubiliert, ein Eichhörnchen wirft trockene Zweige vom Baum.

Zuhause angekommen. Kaffee. Um genauer zu sein Cappucino. Telefonat mit meiner Mutter, die sagte sie wäre von einem jungen Mann mit Mundschutz rüde angegangen worden, weil sie keinen trug. Das ist eine Form von Sozialkontrolle die mir Angst macht.

Vierter Donnerstag im Monat-die Idylle ist vorbei

Wenn am Morgen schon der Cappucino aufgebracht ist, nachdem ich in der Nacht von fürchterlichen Träumen geplagt wurde. Kann nicht gut werden, so ein Tag. Liegt vielleicht daran, dass ich Daniela Krien vorm einschlafen gelesen habe: Muldental. Gutes Buch, aber so hoffnungslos verloren, lähmend, da kann noch nicht mal Faserland mithalten. Und Faserland war schon so depressiv, dass ich kurz davor war, die Schule zu bitten, dass Buch umständehalber aus dem Programm zu nehmen. Was man in diesen Zeiten braucht ist doch Ermutigungsliteratur! Ermutigungsliteratur, ich hab früher immer so Sachen gelesen, wie „Timur und sein Trupp“, „Wie der Stahl gehärtet wurde“ und „Verflucht und geliebt“. Allesamt Geschichten die sich um Heldenpersönlichkeiten rankten.Da hat man gar keine Wahl mehr, als selbst der Krise oder den widrigen Umständen die Stirn zu bieten.

Sie wollen nicht wissen was ich gelesen habe? Sie wollen wissen warum die Idylle vorbei ist? Ich erzähle es nicht, nur so viel: der Streit war beträchtlich. Das ist so wie mit Weihnachten, man kann sich da immer fragen ob der Ausnahmezustand sowieso schon vorhandene Sollbruchstellen zum Vorschein bringt oder ob er neue schafft. In der nächsten Woche bin ich nicht mehr im Homeoffice und wissen sie was: Ich bin froh drum. Ich hätte gern einen Ermutigungsbeitrag geschrieben, aber man soll ja bei der Wahrheit bleiben. Und an einem Morgen, nach von Alpträumen schwerer Nacht, ohne Cappucino zu starten, zu wissen, dass der Störfall von gestern keinesfalls behoben ist, vergessen sie es. Wird nichts mit Ermutigungsbeitrag.

Aber die gute Nachricht: Die Kirschbäume blühen, die Meisen haben ihre Meisenknödel, die Sonne scheint. Alles wird gut.

Der vierte Montag im März mit Chorprobe online

Karla ist gut gelaunt. Ihr Gesangsunterricht geht online. Der Gatte hat auch gute Laune. Er gibt ebenfalls ab heute Unterricht online am Klavier und auch die virtuelle Chorprobe ist in Planung.

C. schickt ein Livevideo für Karla über Meeresbiologie. Danke C!

Gestern war die Gospelkirche zum ersten Mal virtuell und es war wirklich berührend. Das Leben verlagert sich ins Netz. Wie macht X. das denn mit dem Ballettunterricht?“, fragte ich nach Hamburg. „Online, Tennis auch, Sportunterricht auch, Klavier auch. Sie hat zu tun.“

Ich schreibe am Bericht. S. will skypen, aber ich habe weder Webcam noch Mikro. Beim bösen Onlineriesenversand ist die Webcam nicht lieferbar, dafür aber bei M. Markt. In zwei Wochen, aber das ist okay.

Ich schreibe am Bericht. In der Küche bricht ein lautstarker Streit aus. Es geht um eine Suppe die nur Karla kochen kann, aber nicht kochen will. Anna ist stinksauer. Am Ende stehen sie vereint am Kochtopf und singen zu „Das bischen Haushalt macht sich von allein.“ Die Suppe schmeckt köstlich.

Kartoffeln, Lauchzwiebeln, Möhren, Mais, Brühe, Pfeffer, Muskat und Sahne, sagt Karla. Sie kann keine Mengenangaben, sie macht das nach Gefühl.

Bis 15.00 Uhr habe ich weiter am Bericht geschrieben. Der Gatte gibt derweil virtuell seine erste Klavierstunde.

15.00 Zeit um eine große Gassirunde zu gehen

Der Waldweg ist die reinste Flaniermeile. Ungefähr so wie sonst auf der Holstenstraße. Schön, dort auf Distanz plaudern zu können. Himmelblauer Himmel und Sonne. Die Meisen fressen das Futter nicht, auch nicht mit Kokosöl. Die Meisen haben noch nicht verstanden, dass besondere Zeiten Disziplin und einschränkung erfordern.Ich will nicht wegen Meisenknödel in den Supermarkt. Unser Einkauf ist erst für Freitag geplant, aber J. fährt Mittwoch und bietet an etwas mitzubringen.

Die Kanzlerin ist in Quarantäne. Ich finde es beeindruckend wie sie das Land durch die Krise lenkt. Und die Rede fand auch ich phänomenal. Respekt für all die die jetzt an vorderster Front stehen

So war der Montag.

Vierter Sonntag im März mit Dachbodenfund 42 mal Bach

Keine Ahnung warum der Gatte die besonderen Dinge immer besonders gut versteckt. Ich beobachtete gerade die Vögel am Vogelhaus und las Maja Lunde, da stellte er mir diesen Karton hin. „Schau mal was ich gefunden habe. „

Zweiundvierzig CD`s von Bach. Eine ähnliche Dimension, wie damals der Kellerfund mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Proust und „Buddenbrooks “ von Thomas Mann.

Vielleicht würde aus diesem Tag doch noch etwas werden. Die Vögel hatten das neue futter nicht angenommen, ich würde Kokosfett zufügen müssen. Und überhaupt. Die Nacht hatte ich schlaflos verbracht. Warum auch immer.Angst war es nicht. Die fehlt mir im Moment gänzlich. Warum auch immer.

Ich geh trotzdem nicht feiern, aber raus in die Natur an unbelebte Plätze gehe ich schon. Der Wald hier ist nicht unbelebt. Heerscharen von Familien frequentieren ihn. Ruhe findet man in der Stadt.

Der dritte Donnerstag im März mit Posten und Löschen und natürlich mit Covid

Ihr seht es am Posten und Löschen, die schwierige Situation des Umgangs mit dem Covid 19 geht auch an uns nicht vorbei.

Ich kann aber eine schöne Nachricht vermelden. Nach einem langen Gespräch mit Anna und auch allen anderen Familienmitgliedern hat hier der Prozess der Annahme eingesetzt. Anna wird den Job nicht annehmen.

Die Wochen des social distancing werden kein Spaziergang, das ist allen klar.

Dritter Mittwoch im März mit brütenden Graureihern und Einengung der Grenzen

Update: Ab morgen haben wir noch striktere Regeln. Kein Besuch, auch nicht zum Joggen.

Der Tag ist wie vernebelt. Beständiger Sprühregen, diesiges Einheitsgrau, kühl.

Büroarbeit.

Später lese ich“Faserland“. Uff. Da sehnt sich einer aus seiner übersättigten Welt in Quarantäne bzw. Isolation. Also Ausgangssperre durch Wetter auf einer nordischen Insel. Mit Isabella Rosselini und Kindern.

Der Wunsch nach Isolation. Beschämt gestehe ich mir den Wunsch ein, dass ein machtvolles Wort von Ganz Oben die Dinge richten würde. Diskutieren sie mal mit Teenagern über Besuch, Joggen gehen etc.. Und Unsere geben sich echt Mühe. Aber natürlich fragen sie sich auch wozu sie drin bleiben sollen, wenn Opa es bewusst nicht tut. Hier im Vorort erscheint es sehr diszipliniert zuzugehen. Aber der Opa eben, also unser Opa, der stellt sich stur.

Andererseits gibt es Familien mit erheblichen Herausforderungen. Für diese wäre eine Ausgangssperre heftig. Wir werden nicht drum herum kommen den Freiraum noch drastischer einzuschränken.

Die Teenies joggen, spielen Klavier, hängen ab. Alle sind den Umständen entsprechend gut gelaunt. Die Klassenfahrt ist noch am Beginn. Ein Telekommitarbeiter verlegt Kabelanschluss, versiert, ruhig, umsichtig.

Dem Gatten die Reiherinsel gezeigt. Sie brüten sagt er, und jetzt wo er das sagt, sehe ich die Horste auch.

Ein wenig Haushalt, ein wenig Faserland. Der kleine T. hat eine Lungenentzündung. Getestet wurde er nicht. Die Eltern sind zu recht besorgt.

Plagen-Camus-und nein-ich glaube nicht an Verschwörungstheorien

„Plagen sind ja etwas Häufiges, aber es ist schwer, an Plagen zu glauben, wenn sie über einen hereinbrechen. Es hat auf der Welt genauso viele Pestepidemien gegeben wie Kriege. Und doch treffen Pest und und Krieg die Menschen immer unvorbereitet wie unsere Mitbürger.“

„Von daher muss man auch verstehen, dass er zwischen Beunruhigung und Vertrauen hin und her gerissen war. Wenn ein Krieg ausbricht, sagen die Leute: „Das wird nicht lange dauern, das ist doch zu dumm.“

„…anders gesagt sie waren Humanisten: Sie glauben nicht an die Plagen. Eine Plage ist nicht auf den Menschen zugeschnitten, daher sagt man sich, dass sie unwirklich ist, ein böser Traum, der vorübergehen wird.“

Aus „Die Pest “ von Albert Camus

Anmerkungen: Langes Telefonat mit einem älteren Herren, der den ganzen Spuk für Panikmache hält, trotzdem Kaffee trinken geht und sich dann beschwert , dass mit trockenem Besen gekehrt wird.

Unverständnis über geschlossene Tafeln, Kinder in ungünstigen Verhältnissen die ihren Eltern jetzt ausgeliefert sind…

Tenor: es gibt keine Plagen, Die Pharmaindustrie ist der Gewinner.

Mein Fazit sieht anders aus: Ich glaube weder daran, dass Coronaviren aus dem Labor kommen, noch glaube ich Wodarg, noch hänge ich einer Weltverschwörungstheorie an. Ich halte das ganze nicht für Panikmache, glaube nicht, dass es von anderen Themen ablenken soll. In diesem Sinne.

Dritter Dienstag im März mit Insel der Graureiher und neuem Rhythmus

War ich gestern noch besorgt, so musste ich heute sehen: Kein Grund zur Sorge.

Die Teenager stehen später auf, setzen sich dann aber nach dem Frühstück ans Lernmaterial. Von selbst.

Ich bin zur Arbeit gefahren und habe mir Bürosachen mitgenommen.

Mit Ubu und Keks ging ich eine lange Runde zur Insel der Graureiher. Magisch.

Anna ging nachmittags laufen und schraubte an einem Motorrad herum, Karla ging mit Freundin zum Pflegepferd. Später brachen sie zu einer Fahrradtour auf, Julius baute. Heißt soviel wie: Aktivitäten im Freien erlauben wir solange sie nicht mehr als zwei treffen.

Viele Geschäfte schließen morgen. Die Teenager nehmen es gelassen. Schleswig-Holstein ist für Touristen nun Sperrgebiet, aber das betrifft unseren Alltag hier nicht. Was uns betrifft: Kollegen meines Mannes, selbstständige Künstler, berichten von massiven Existenzsorgen.

Fazit des Tages: Ich bin erstaunt wie schnell die Schulen sich an die neuen Bedingungen anpassen, aber auch die Teenies haben das heute gut hinbekommen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass dieser Mediziner Wodarg mit seinen Ansichten über Corona immensen Schaden anrichten könnte. Er wurde mir heute schon dreimal zugeschickt…..