Weichenstellung

Es wird also so sein, dass Hamburg ab heute weiterhin Teil meines Umfeldes sein wird.

 

„Was man von hier aus sehen kann“ habe ich leider ausgelesen.  Ein wunderbares Buch voller Sprachmagie.

Es ist 6.00 Uhr. Der Kaffee getrunken. Die Bratlinge müssen noch in die Pfanne, die Hunde an die frische Luft, die Siebensachen zusammengesucht werden.

Es soll ein sonniger Tag werden, so sagt der Wetterbericht.

Streifzüge durch Hamburg-Insiderwissen gesucht-Verlosung von „Lebenskünstler“ von Rolando Villazon und Karla sucht die beste Ofenkartoffel Hamburgs

An der U Bahn frage ich eine Frau in den Fünfzigern, ob das denn die richtige U-Bahn sei.

Sie sei auch keine Hamburgerin, aber ja- das sei die richtige U-Bahn. Jede U -Bahn sei die richtige U-Bahn , ich solle doch eine später nehmen, die sei wirklich schön. „Wir fahren auf Zeit“, sage ich. „Schönheit kommt später.“ Wo wir herkämen will sie wissen und erzählt das sie aus Lübeck käme, aber eigentlich mehr in Hamburg sei.  Karlas Augen leuchten: „In Lübeck gibt es die beste Ofenkartoffel, nämlich im Erdapfel.“ „Ja sagt die Mittfünfzigerin,“ die ist wirklich gut, aber mit der Ofenkartoffel im Kumpir in  Altona kann sie nicht mithalten. Ich kann dazu nicht viel sagen, weil ich das Kumpir nicht kenne. Der erdappfel in Lübeck war ein Zufallsfund, die Athmosphäre studentisch, die Bedienung am Tresen superfreundlich und die Ofenkartoffel mit Bärlauchcreme absolut lecker.

Später streife ich allein durch die Stadt. Ich habe meine Lesebrille vergessen,  suche einen Rossmann. Das Handy ist brav. Es leitet mich über Hohe Breiten und Gänsemarkt. Am Rossmann angekommen gibt es seinen Geist auf.  „Sieh zu wie du allein zurückkommst, ich schalt dann mal ab.“ Es hilft nur fragen. Erst hilft ein Hempelsverkäufer, später einer der es eigentlich eilig zu haben scheint, mit teurem Anzug und englisch sprechenden Gesprächspartner. Trotzdem bleibt er stehen. „Die grobe Richtung wollen sie wissen? Die ist da.“ Er weist mit dem Arm nach rechts. „Sie sind zu Fuß?“ „Gehen sie über den Fleet, durch die Speicherstadt, das ist ein schöner Weg. Er wünscht mir einen schönen Spaziergang und geht dann geschäftig weiter. Es ist ein warmer sonniger Tag. Und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum die Stimmung in Hamburg oft so offen, freundlich und quirlig ist. Es vergeht kein Hamburger Streifzug ohne Begegnungen, einen Smalltalk, einen netten Hinweis. Und jetzt eine Bitte an die Hamburger Blogger. Ich suche schöne und alternative Spazierwege, alternative Stadtführer(Lektüre) Cafes, Kinos, Buchläden in der Nähe der Landungsbrücken, Altona, Sternenschanze, Karolinenviertel. Das Programm sollte in drei Stunden zu bewältigen sein.

Karla sucht die beste Ofenkartoffel in Kiel und Hamburg. Für Tipps sind wir dankbar

Als Dank verlose ich das Buch „Lebenskünstler“ von Rolando Villazon.

Euch ein schönes Wochenende

Streifzüge durch Hamburg

Von der Insel im Norden geht es nach Hamburg.

An den Landungsbrücken versuche ich die Fährpreise herauszufinden.“ Macht 45 Euro“, sagt die Verkäuferin.

Ein Obdachloser  hebt langsam den Kopf und sagt: „Gehen sie da an den Automaten und holen sie sich ein Tagesticket, das lohnt sich allemal. “

Spätsommer, noch ist es warm. Ich laufe zum Michel hinauf, weiter zur Komponistengasse, bis zu Planten und Bloomen. Die Hamburger Hunde sind eindeutig entspannter, als die Landhunde. Das erstaunt mich. Ich habe Thomas Mann im Gepäck und werde  „Herr und Hund“ auf einer Parkbank zu Ende lesen.

Man will nicht Hund von Thomas Mann gewesen sein. Virginia Woolf lese ich mit Begeisterung.  Mit der S- Bahn fahre ich zu den Landungsbrücken, nehme eine Fähre, fahre ins Blaue und wieder zurück. Erinnerungen steigen auf. Erinnerungen an meine Interrailtour 1990. Da war der eiserne Vorhang gerad gefallen und ich schlief am Strand von Antibes oder nachts im Zug.  Ich bin ewig nicht mehr allein umhergestreift,  mit der Bemühung möglichst kein Geld auszugeben. An Tihany denke ich und die Zeit mit L. Bedingt durch die eingeschränkte Summe an verfügbaren Forints mussten wir uns entscheiden, ob wir im Urlaub auf das Essen oder den Schlafplatz verzichten wollten.  So haben wir Karoly kennengelernt, der Hilfe im Garten wollte und dafür ein Stück Rasen fürs Zelt bot (dasselbe Konzept sollte ich ein Jahr später auf den Orkneys wiederfinden). Wir haben so viele spannende Leute kennengelernt, vielleicht deshalb weil der normale Tourismus für uns nicht machbar war.

Ich streife allein durch Hamburg. Abends ein Lichtermeer an den Landungsbrücken und noch immer  steigen Erinnerungen auf.  Ich denke an Prag, an Bukarest, Deva, Budapest und fühle mich plötzlich seltsam jung.

Unverhoffte Inseln frei verfügbarer Zeit.