So war der Januar

Mild ist es. Winterlinge stehen in Grüppchen, die Schneeglöckchen sind noch für sich. Es scheint als würde es in diesem Winter nur regnen, gestern in Strömen, heute ein feiner Nieselregen. Es heißt die Inuit hätten dutzende Namen für Schnee und ich denke, dass es vielleicht sinnvoll wäre Regenworte zu erfinden. Dies ist der letzte Tag des Januars.

In den ersten Tagen des neuen Jahres, gab es hier im Vorort eine Baumandacht für eine vierhundert Jahre alte Rotbuche. Sie hatte Bauarbeiten nicht überlebt.

Anna bekam ihr erstes Piercing und ich die Ergebnisse meiner DNA Analyse.

Ich las mit Anna zusammen Lessing und wir hatten Abende mit regen Meinungsaustausch über Whats App.

Im Januar begann Anna mit dem Klavierspiel und lässt es sich von Karla nun Abend für Abend zeigen.

Der Januar war auch ein intensiver Arbeitsmonat.

Außerdem waren wir zweimal im Theater: Dürrematt/Die Panne

Kunst von Yasmina Reza

und einmal im Kino.

Ich las „Der Gott der Stadt“ und „Das Reich Gottes.“

Heute dann Zeugnisse. Julius hat alle überrascht.

Sonntag mit Emmanuel Carrère und Polarluft

Hotel Maritim (gestern sahen wir dort Deichart)

Noch ruft die Uhr nicht die neunte Stunde aus. Für einen Sonntag bin ich früh dran, lasse die Hunde in den Garten. Eisige Luft. Kälte war bisher nicht die Stärke dieses Winter. Kein Bodenfrost, kein Schnee, Temperaturen um 4 bis 6 Grad. Heute sind es nur zwei Grad. Die Magnolie trägt Knospen.

„Der Gott der Stadt“ habe ich beiseite gelegt. Es wurde mir zu düster. Jeder der Studenten verirrt sich in Finsternissen. Sie suchen die Dämonen nicht im ihren eigenen Inneren , so lautete der Auftrag eigentlich, sondern im Außen. Das nimmt heftige Züge an, dass ich beschloss, es erstmal jedenfalls, wegzulegen. Eine sehr gute Rezension über dieses Buch habe ich hier gefunden.

Dafür fiel mir in der Bibliothek „Das Reich Gottes“ von Emmanuel Carrère (kannte ich bisher nicht) in die Hände. Ebenfalls ein Buch von Suche, nur dass es sich mehr dem Licht zuwendet und der Frage, warum das Christentum auch heute noch berühren kann. Ein Buch von Sinnkrisen, Lebenskrisen, Licht und vielen Fragen.

Ich kann es kaum aus der Hand legen.

Am Vorabend bin ich im Theater gewesen: Ein Yasmina Reza Stück „Kunst“ gespielt von Deichart. Ein urkomisches , bitterböses Stück über eine Freundschaft und ein Bild in Weiß. Virtuos gespielt und so gut.

„Die Zeit“ die hier ebenso ungelesen herumliegt wie die „FAZ“ habe ich im Vorort als Dauerabo verschenkt, so lange das Abo eben währt. Ich komme nicht zum Lesen oder setze die Prioritäten anders.

Den Morgen beginne ich nun damit, mir Kokosnussöl in den Kaffee zu quirlen. Er ersetzt das Frühstück und hält den Blutzuckerspiegel stabil. Ich entwöhne mich vom Tütencappucino, dem ich merkwürdigerweise seit Jahren verfallen war. Und ich entsage dem Zucker, was in den ersten Tagen furchtbar war, eine Quälerei, aber nun scheint es überstanden. Fünf Kilo sind weg, niemand nimmt es wahr, aber das liegt vermutlich daran, dass ich auch mit 85 Kilogramm immer noch beleibt bin. Tatsächlich geht es mir nur in zweiter Linie um Abnehmen. Der Körper verzeiht die ungesunde Lebensweise nicht mehr. Das ist der eigentliche Grund. Ein spartanisches Leben seit Monaten ohne Rotwein, seit Tagen ohne Zucker und seit heute ohne Cappucino…

Es ist Zeit in den Tag zu starten, der zweite Kaffee ist fast getrunken, dieser ohne Fettzugabe. Die Hunde trippeln ungeduldig auf allen vier Pfoten. Bewegung müsste ich noch addieren……

Habt einen schönen Sonntag.

Künstler müssen sich aussetzen

„Künstler müssen sich aussetzen, mein Junge. Dein Landsmann Jean Genet kam wegen Waffenbesitzes ins Gefängnis, Hemingway zog in den Krieg, Joseph Beuys hat drei Tage lang mit einem Kojoten in einer Galerie gelebt. Was meinst du , wo Brecht seinen Stoff gefunden hat? Oder wo heute ein großer Regisseur wie Benno Besson seine Ideen herbekommt? Sicherlich nicht davon, dass er zu Hause rumsitzt und liest Das sind Künstler, die leben! Die hinausgehen in die Welt, die sich konfrontieren. „

„Mein Rat an dich: Wage dich vor. Bleib nicht im Elfenbeinturm. Geh nicht zum Nachmittagstee in hübsche Cafes, wenn du Inspiration suchst.

Aus „Gott der Stadt“ von Christine Neudecker

Chaotischer Freitag

Es gibt Tage die beginnen schon so:

unruhig, chaotisch, unvorhersehbar.

Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass ich völlig erledigt von der Arbeit nach Hause kam.

Demzufolge war ich glücklich, als der Gatte anbot Karla zur Probe zu fahren. Aber dieser Tag steht unter einem merkwürdigen Stern. Ich war gerade mitten in einem dienstlichen, wichtigen Telefonat, als Karla per Telefon anklopfte und atemlos sagte ihr Vater hätte sie an einen falschen Ort gefahren. Kurzerhand brach ich das Telefonat ab und überführte Karla zum richtigen Ort. Zum Zurückfahren war es zu spät. Also las ich im Reader, endlich.

Aber noch ist die Dokumentation nicht geschrieben, die Nach- und Vorbereitung nicht gemacht, sind die Hunde nicht Gassi gewesen.

Und außerdem wollte ich zum Begleitprogramm der Lotte Lasersteinausstellung, hatte aber nicht nach einer Mitfahrgelegenheit für Karla gesucht, musste sie also selbst abholen und mich von der Gästeliste streichen lassen.

So ein Tag ist das, wo nichts so läuft wie es soll.

An lesen ist kaum zu denken, das formulieren wird eckig und farblos. Das Haus ist noch nicht geputzt.

Ich würde gern: Der Gott der Stadt weiterlesen. Ein paar Regiestudenten an einer renommierten ehemals Ostberliner Schauspielschule auf den Spuren von Georg Heym.

Was sich bemerken lässt: Ich habe definitiv weniger Zeit zur Verfügung.

Vielleicht ist es der vollen Stelle geschuldet oder dem vermehrt sozialen Dasein.

Die Arbeit bereitet Freude, ist Erfüllung.

Gestern zusammen mit einer Gruppe von Vorortbewohnern in Dürrematt´s „Die Panne “ gewesen.

Es ging um Schuld und frei sein von Schuld. Das schuldlose Dasein wird in Frage gestellt.Toll gespielt vom Werkstatttheater.

Heute morgen habe ich Hendrik von menuchaprojekt bei seiner Predigt zugehört. Danke für die Einladung Hendrik! Zum einen finde ich es per se spannend, wenn man den Menschen, dessen Blogbeiträge man seit Jahren liest, mal in der realen Welt erlebt. Und ich mochte die Predigt. Sie war spannend und Impuls gebend. Man merkte das dann auch an der Stille die einkehrte.

Es regnet bereits den ganzen Tag. Kiel überzieht eine geschlossene graue Wolkendecke. Kein Licht, Wind und Regen, Regen, Regen. Ununterbrochen. Ein paar Möwen kreischen, sonst ist es still.

Im offenen Bücherschrank habe ich gestern die „Tagebücher von Käthe Kollwitz“ gefunden. Auf das Lesen derselben freue ich mich.

Heute entrinne ich dem Einheitsgrau noch mal durch einen Besuch im Kino. Wir sehen „Judy“.

Habt einen schönen Sonntagnachmittag und Abend und falls ihr auch von diesem Grau betroffen seid: Lasst euch nicht unterkriegen!.