Verbotene Bücher

Wie alt bin ich gewesen, als ich aus dem Regal von P. dieses merkwürdige Buch im blauen Stoffeinband zog? In dem von Astral und Ätherleib die Rede war und darum, warum es sinnvoll sei, Babys fest in eine Decke zu wickeln.

Wahrscheinlich vierzehn.

„Rudolf Steiner“, sagte P. und wenn es die Mauer nicht gäbe, hätte sie ihren Sohn auf eine Waldorfschule gegeben. „Verbotene Literatur im übrigen.“

Vielleicht nicht verboten, aber nicht zu bekommen: Günther Grass, Franz Kafka, Max Frissch, Robert Musil.

Nicht verboten, aber nicht mehr verlegt, als er allzu realistisch wurde: Werner Bräunig.

Ein paar Jahre später schickte mir Andreas aus Westberlin ab und an ein Buch. Wir waren uns an der Moldau begegnet. Er hörte Smetana auf einem Walkman und las Kafka. Kafka war mir kein Begriff.

6 Antworten auf „Verbotene Bücher

      1. Ironischerweise kann man sagen, dass die Bücher jedes ostdeutschen Schriftstellers von allerhöchster Stelle Aufmerksamkeit erhielten. Das war das Schizophrene in der DDR, dass es offiziell keine Zensur gab, du aber letztenendes nicht um eine staatliche Kontrolle herum gekommen bist. Bis auf ein paar Texte und Lieder innerhalb der Kirche, wo dann drauf stand „nur für den innerkirchlichen Dienstgebrauch“.

  1. Was nicht verlegt wurde. ließe sich recherchieren, auch Auflagengrößen.
    Ich habe jetzt nicht recherchiert, habe mich – bin “Wessi” – in jüngeren Jahren intensiv mit DDR-Literatur und Kulturpolitik befasst. Wenn ich mich nicht sehr irre, ist Mitte der sechziger in der DDR eine Kafkaaugabe erschienen. Der erste Hinweis auf Kafka in der DDR, sagt meine Erinnerung, war eine in Sinn und Form ca. 1963 erschienene Rede Sartres auf Kafka, Meinen ersten Kafka-Band, ein Taschenbuch erwarb ich ca. 1981 in der ” DDR-Buchhandlung” in Budapest.
    Ich bitte um Unterscheidung zwischen, was war mir nicht zugänglich, auch mit der Selbstbefragung, wie ernsthaft habe ich das versucht? Und was gab es nicht? Was was verboten?
    Das DDR-Autorinnen für jedes erscheinende Werk eine Druckgenehmigung benötigten war kein Geheimnis. es gab dazu auch in den Achtzigern Debatten im Schrifstellerverband,teilweise nachlesbar in Sinn und Form und NdL.
    Die Honorare von West-Schreibenden mussten grundsätzlich in Devisen entrichtet werden auch das trug zu einer Begrenzung bei.
    Ich lebte mit einer konvertierbaren Währung, konnte auch Bücher z. B. in England bestellen, lange vor dem Netz auch aus Bibliotheken, gen Osten ging da Nix.

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