Montag

Die Schlaflosigkeit treibt mich um. Ich beschließe das Küchenverbot zu umgehen. Anna hatte sich am Nachmittag in der Küche verbarrikadiert.

Still ist es, blitzsauber ist die Küche. Alles schläft. Vom Tisch blickt mich furchtsam ER an.

Monsieur, ich befürchte sie suchen die verloren gegangene Zeit. Da haben wir etwas gemeinsam.

Was für ein Geburtstagskuchen.

Als Novemberkind war ich gedacht. Ich hatte es eilig. Und ich schicke meinen Dank zu den zwei jungen Ärzten die damals das Leben meiner Mutter und das meine retteten.

Gegen 6.00 servieren die Kinder Madeleines und Lindenblütentee.

„Wir haben nachgelesen“, sagt Anna. Die Madeleines sind als Madeleines optisch nicht zu erkennen, im Geschmack aber sind es eindeutig Madeleines.

Nein den Proust den kann ich zum Verspeisen nicht freigeben. Vorsichtig heben wir den Kopf vom Thron. Den Rest des Kuchens packe ich ein und fahre zur Arbeit. Im kleinen Grauen stelle ich den Kultursender ein. Circe wird vorgelesen.

Nach der Arbeit erzählt Anna, sie hätten in der Schule vom Proustkuchen erzählt, aber niemand hätte gewusst wer Proust sei.

So viel lässt sich sagen: Ich würde die Suche gern wieder aufgreifen.

9 Antworten auf „Montag

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