Widerstandsbrief

Schulaufgabe /Thematik Französische Revolution/ Brief an ungerechten König(Karla 13)

An die königliche Hoheit

Es ist nur einige Jahre her, seit sie den Thron bestiegen haben. Dort oben in ihrem Schloss, welches Mauern hat. die so unüberwindbar erscheinen, dass es ganze Armeen bräuchte, um Ihnen entgegen treten zu können. Geblendet von diesem Schutz Ihrer Macht und Ihres Reichtums, erkennen Sie nicht, was sie sie uns angetan haben. Sie verschließen Ihre Augen vor unserem Leid, unserem Schmerz und unserem Tod.

Theodor hatte vernarbte Hände als man ihn fand. Die Arbeit für Sie hat ihn in den Tod getrieben. Arbeit bis zum Umfallen, pausenlos. Bis die Nacht das letzte bisschen Tageslicht vertrieben hatte. Sie hatten trotzdem nie genug. Er starb. Wer versorgt nun die Familie, beackert die Felder? Wer füttert die Tiere, repariert die Scheune? Wer melkt die Kühe?, fegt den Hof? Sie wissen nicht , wie es ist, wenn man Ihnen alles, was sie erarbeitet haben, wegnimmt. Sie wissen nicht , wie es ist, wenn man hungrig schlafen geht. Sie wissen nicht, wie es ist , wenn der ganze Körper vor Anstrengung schmerzt. Täglich hören wir von Leid, Schmerz, Hunger, Tod und Hoffnungslosigkeit.

Und wir wissen, wie es ist. Das ist unser Alltag. Und wir warten darauf, auf das Ticken der Uhr an unserem Ohr.

Wie kann es sein, dass unser Schicksal in Ihren Händen liegt? Das Schicksal des ganzen Königreiches? Sie leben auf Leichen. Auf unseren!

Wie lange werden Sie ihre Mauern noch vor unserer Wut und Verzweiflung schützen?

Wie lange wollen Sie uns noch verbieten unsere Meinung zu äußern?

Wie lange können sie uns noch zu willenlosen Gehorsam zwingen?

Warum sollte ein einzelner Mensch all das entscheiden können. Es ist nicht länger Wut die wir empfinden. Es ist ein alles verdrängender Hass. Wir fordern das Recht auf ein besseres Leben. Auf eine Zukunft, in der Tod und Leid keine ständigen Begleiter sind.

Versuchen sie ein König zu sein, der sein Volk schützt und liebt und der es nicht für sein Wohlergehen leiden lässt.

Versuch über Plattenbauten und der Sehnsucht meines Vaters nach Mandelbäumen

„Geh nicht“, diesen Satz hatte er 89 schon einmal gesagt. Das war im Juli.

Es ist Herbst geworden in Kiel, in Ludwigshafen flirrt noch der Sommer vor den Fenstern. Stickige Krankenhausluft. „Geh nicht.“

Er erzählt von der alten Frau R. die ihn schon erwarten würde, mit Bratpfanne in der Hand. Mein pfälzischer Bruder der sagt: Das ist das schlechte Gewissen. Er hat dich manchmal zu spät abgeholt oder?“

Ja, Frau R. in Dederonschürze, alt wie ein Baum, immer mit einem Glas Kekse bewaffnet, war sauer weil das ihre Arbeitszeit verlängerte. Ich war krippenuntauglich. Ich war ein schwächliches Kind, vermutlich eine Folge des zu früh geboren seins. Hab mich schon früh dem Kollektiv entzogen. Sie pflegte auch das Rosenbeet vor unseren Plattenbau mit Hingabe.

Meinen Bruder habe ich nicht nach seinen Erinnerungen gefragt. Sein Vater war jung, meiner in den besten Jahren und mit einem Bruch hinter sich.

Wieder zu Hause lese ich „Nachwendekinder“ von Johannes Michelmann. Es berührt mich wenig, die Erinnerungen haben wenig mit meinen Erinnerungen gemeinsam. Es wäre ein Buch , welches meine Kinder hätten schreiben können wären sie etwas älter gewesen, aber die interessiert die DDR kaum. Nur Karla fragt manchmal nach.Es gibt kein Schweigen, keine unaufgedeckten dunklen Flecken. Die Betonung liegt auf unaufgedeckt. Dunkle Flecken gibt es.

Es existierten

Dinge die nicht zu verstehen sind. Die Nachwendezeit habe ich nur am Rand mitbekommen. Ich hatte mich derweil nach Schottland geflüchtet. Meine Eltern verloren beide ihre Arbeit, die Arbeit die sie dann fanden entsprach nicht mehr ihren Qualifikationen.

Ich habe noch einen jüngeren Bruder, der damals mit 14 Jahren in die Pfalz verpflanzt wurde. „Hast du das Buch Nachwendekinder gelesen?“, frage ich via What’s App. „War es wirklich so schlimm?“

„Ja“, sagt er, „das Buch hat mir aus der Seele gesprochen.“ Die Pfalz- offensichtlich kein Sehnsuchtsort für ihn.

Ungeordnete Erinnerungen.

Ich habe eine Schwäche für Ludwigshafen. Es ist so bodenständig, unprätentiös, rau und lebendig. Es ist nicht der Pfälzer Wald von dem mein Vater immer sprach. Und ich gestehe, manchmal fühle ich in Plattenbausiedlungen ein seltsames Heimatgefühl aufkommen.

Dienstag, was ich sah

Die Mandelbäume blühen nicht. Der Rhein fließt ruhig. Ein dürrer Mann um die siebzig ruft etwas auf Italienisch über den Platz. Verschwörisch sagt er zu seiner Nachbarin. Das war mein Enkel, der ist bei der Mafia.

Laut ist es, fröhlich ist es und sommerlich warm, aber auch vom Prekariat geprägt. Ich sah einen sehr jungen Arzt der sich Zeit nahm. Ich sah jede Menge Multi Kulti. Ich sah den Handelshafen.

Montag

Die Schlaflosigkeit treibt mich um. Ich beschließe das Küchenverbot zu umgehen. Anna hatte sich am Nachmittag in der Küche verbarrikadiert.

Still ist es, blitzsauber ist die Küche. Alles schläft. Vom Tisch blickt mich furchtsam ER an.

Monsieur, ich befürchte sie suchen die verloren gegangene Zeit. Da haben wir etwas gemeinsam.

Was für ein Geburtstagskuchen.

Als Novemberkind war ich gedacht. Ich hatte es eilig. Und ich schicke meinen Dank zu den zwei jungen Ärzten die damals das Leben meiner Mutter und das meine retteten.

Gegen 6.00 servieren die Kinder Madeleines und Lindenblütentee.

„Wir haben nachgelesen“, sagt Anna. Die Madeleines sind als Madeleines optisch nicht zu erkennen, im Geschmack aber sind es eindeutig Madeleines.

Nein den Proust den kann ich zum Verspeisen nicht freigeben. Vorsichtig heben wir den Kopf vom Thron. Den Rest des Kuchens packe ich ein und fahre zur Arbeit. Im kleinen Grauen stelle ich den Kultursender ein. Circe wird vorgelesen.

Nach der Arbeit erzählt Anna, sie hätten in der Schule vom Proustkuchen erzählt, aber niemand hätte gewusst wer Proust sei.

So viel lässt sich sagen: Ich würde die Suche gern wieder aufgreifen.

Countdown/Samstag

Es ist vier Uhr morgens. Ich bin durch Klappern von Geschirr aufgewacht. „Anna, was machst du hier?“ „Mein Job fängt in zwei Stunden an. Irgendwie muss ich mir das Motorrad ja finanzieren und Tasche packen muss ich auch noch.“ Wir frühstücken, dann fahre ich sie. Über den Wiesen liegt schwer der Nebel, das Damwild grast.

Der Tag ist bleiern vor Hitze.

Der Sohn bringt mir von seiner Radtour zum See eine Sonnenblume mit. „Hier, die magst du doch so gern.“

Heiß ist dieser Sommertag.

“ VIer Wochen warst du in Lebensgefahr, ich zwei.“

Fünfzig Jahre ist das her.

Im Hintergrund hört man Verdi. Ich wusste nichts von ihrer Liebe zur Opernmusik. „Welche Oper ist das?“

“ Simon Boccanegra“

Meine Liebe zur Opernmusik hatte mit „Macbeth“ begonnen.

Telefonat in der Dämmerung.

Noch später am Abend, fast ist es Nacht sitzen der Gatte und ich auf der Dachterrasse und verabschieden den Sommer mit einem Glas Rotwein. Unser Blick fällt auf hohe Fichten und Laubbäume. In den Fichten isst der Borkenkäfer.

Warm ist die Nacht, der Vorort schläft und wir philosophieren über Jugend und leere Kirchen.