Vom Glanz, Nebenwirkungen und dem Loslassen

„Mama?“

„Könntest du auch damit leben, wenn ich später etwas mache was nicht mit Theater und Singen zu tun hat?“

Ich bejahe und es fällt mir leicht, das wäre vor einem Jahr noch anders gewesen.

Es ist dein Leben, nicht meines. Was würdest du denn gern machen?

Ich will weiter machen , auf jeden Fall, aber es soll ein Hobby bleiben, verstehst du? Meeresbiologin fände ich toll.

Es war für mich ein sehr langer Prozess, unsere Jüngste loszulassen. Sie hat Energie und Begeisterung im Übermaß und eine gnadenlose Disziplin. Der Prozess , der jetzt einsetzte, ist die Suche nach sich selbst und den eigenen Werten. Und sie macht das sehr gut.

Und ich?

Ich hatte mich selbst in einem Zerrspiegel gesehen, vor dessen Bild ich erschrocken zurückgewichen war. Und da steht man dann, vielleicht wissender als zuvor und denkt an die Worte Gibrahns. Und die Müdigkeit, diese nicht mehr Sehnsucht macht etwas anderem Platz. Die Kinder werden groß, man wird wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Bis spät in den Abend hinein klebe ich Plastikrohre zusammen, drucke Metacom Symbole aus, lese Fachliteratur. Für mehr bleibt im Moment keine Zeit. Aber auch das ist gut so und fühlt sich richtig an.

10 Antworten auf „Vom Glanz, Nebenwirkungen und dem Loslassen

  1. Ja, Loslassen muss man immer wieder üben. So schwer und doch, wenn man es schafft, so gut. Denn Loslassen heißt, sein Leben wiederzubekommen. Was bleibt, sind die Ängste um die Lieben. Und mit den Enkelkindern bekommen sie wieder ihre alte Intensität…

  2. Ich fühle mich grad mächtig mit deiner Tochter verbunden. Ich selbst habe Gesang/Musiktheater studiert und mein Zweitwunsch war Meeresbiologie… was ist das denn für ein Zufall?
    Nun geh ich ja ganz andere Wege und am wehmütigsten scheint meine Familie und meine Schwiegermutter zu sein. Sie liebt die Oper und sie vermisst mich singen zu hören/sehen.

    Ich kann dir als erwachsene Frau sagen, wie schön es ist, sein Hobby wieder zu haben und nicht mehr dem Druck, Geld damit verdienen zu müssen, ausgesetzt zu sein. Aber es gibt natürlich auch andere, erfolgreiche Bühnen-Geschichten…

    Ich finde es toll, wie du deine Kinder unterstützt. Loslassen musst du vielleicht gar nicht. Nur weil sie es eventuell nicht beruflich macht, heißt es ja nicht, dass sie aufhört. 🙂

    1. Wo hast du denn Musiktheater studiert? Ich kann aber verstehen, dass man sich gegen den Druck entscheidet der automatisch durch Auditions, Castings und etc. entstehen.

      1. Ich habe an der UdK in Berlin studiert. Mein Größter Druck war es die Auditions einerseits zu finden und dann überhaupt eingeladen zu werden. In eine (gute) Agentur muss man auch erstmal reinkommen.
        Die staatliche Künstervermittlung (ZAV) vom Arbeitsamt hat mich nicht aufgenommen, weil ich denen nicht gut genug war (ich hab mein Künstlerisches Studium mit ner 1 abgeschlossen. Die Note bezieht sich nur auf mein Singen und mein Schauspiel, also mehrere Menschen fanden, dass ich es doch ganz gut hinkriege).
        Das Arbeitsamt hat mich nicht aufgenommen! Das muss man sich mal vorstellen…
        Und man pumpt bis zum Ende ein Haufen Geld rein für Gesangsunterricht, Meisterkurse, Vorsingen, Abendgarderobe…
        Man arbeitet meistens aber unter Mindestlohn… daher müssen dann doch immer ein paar Nebenjobs her.
        Ich hab hier nen ganz schönen Zeit-Artikel über einen Sänger, der ausgestiegen ist. Zu dem muss ich aber erwähnen, dass er ein Mann ist (denen geht es sogar besser in dieser Branche(mehr Jobs im allgemeinen und zusätzlich weniger Konkurrenz).) Er beschreibt das Opernstudium wie so ein Praktikum. Ich hätte sonst was gegeben um ins Opernstudio zu kommen. Ich hatte mich dafür deutschlandweit beworben. Ein paar Vorsingen dafür durfte ich sogar machen. Aber man konkurriert mit der ganzen Welt)

        Hier der Artikel, falls es dich interessiert:
        https://www.zeit.de/campus/2019-02/opernsaenger-solist-musiker-gehalt-einkommen-beruf

        Es gibt wie gesagt auch gute Geschichten. Ich hab ja sehr viele Opernsängerfreunde und da sehe ich, dass es auch sehr positiv weitergehen kann. Aber vielen gings wie mir und die machen jetzt auch was anderes…

        Spannend ist die Reise allemal. Egal wo es deine Tochter hinverschlägt. Von Meeresbiologie habe ich wohl auch eher romantische Vorstellungen.
        Man muss doch immer seine eigenen Erfahrungen machen, um zu sehen wie es wirklich ist und wie man da selbst hineinpasst. 🙂

      2. Schön, dass du jetzt auch einen Beruf hast der dir Spass macht und du dir das Singen als Hobby erhalten könntest, von der Kunst zu leben ist einfach ein hartes Unterfangen.

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