Mit oder ohne- Über Bücher und das Leben

Man hört ja Geschichten die würdig sind verbloggt zu werden. Eine Freundin, war unlängst zu Hause geblieben. Sie ist bücheraffin, Regale bis unter die Decke im Wohnzimmer bestückt mit Geschichten aus aller Herren Länder. Ja, sie hatte am Rand mitbekommen, dass ihre Teenager beschlossen hatten das Wohnzimmer umzugestalten. Mit dem Sofa war sie einverstanden gewesen.

Des Abends war Ehemann samt Kindern zurückgekehrt, mit einem großen Paket unter Arm. Ein kurzes Hallo, dann wurde mit Verve das erste Bücherregal ausgeräumt und abgeschraubt. „Bücher sind ungemütlich, erläuterte der Teenager und schließlich sei ein Fernseher viel praktischer, jede Familie hätte einen im Wohnzimmer und die im eigenen Zimmer seien ja schön, aber ungesellig“. Er war so nett die Bücher in ihr Zimmer zu bringen. Da lagen sie: Virginia Woolf neben Otessa Moshfegh, Celeste Ng neben Sasa Stanisic.

Die Nacht war traumlos.

Am Morgen räumte sie also die „restlichen“ Bücher aus den Regalen, stapelte sie zu Türmen in ihren Zimmer und überlegte, wie nun weiter zu verfahren sei.

Das eine ist die Wertschätzung, über die braucht man sich hier nicht unterhalten, das andere ist das Lesen selbst.

Nachdem der Ärger verflogen war, bat sie die Teenager ab jetzt ihre Wäsche bitte selbst zu waschen und allein von A nach B zu finden. Das fühlte sich nach Befreiung an. Über dem Lesen hatte sich Bewegungslosigkeit eingenistet mit den bekannten Nebenwirkungen.

Gemeinsame Leseabende gab es nicht, an gemeinsamen Fernsehabenden hatte sie wenig Interesse. Sie konnte jedoch die Absicht des „Gemeinsam“ gelten lassen.

Der Fernseher wurde wieder abgeschraubt und kam in das letzte Fernseher freie Teeniezimmer. Lets trash.

Vielleicht, dachte sie, könne das die Aufforderung sein sich zu trennen- von Besitz, ein Buch zur Zeit, den Rest zu Momox und sich am Fünfzigsten in den Zug setzen und losfahren, alte Sehnsuchtsorte abgehen oder neue finden.

14 Antworten auf „Mit oder ohne- Über Bücher und das Leben

  1. Upps, an das Allerheiligste, nämlich Mamas und Papas(!) Bücherregale, die aber nicht nur im Wohnzimmer, sondern in allen Räumen zu finden sind, hätten sich unsere Kinder nicht getraut. Die Sache aber als Anlass zu nehmen um sich zu befreien, anstatt beleidigt zu sein, finde ich eine großartige Charaktereigenschaft. Hut ab!

  2. Die lieben Bücher. Ich habe viele. Sehr viele. Zu? viele? Das frage ich mich immer wieder. Viele habe ich schon aus der Wohnung geräumt, 1000e… und noch immer fühlt es sich ab und an, als erschlügen die Bücherregale. Voller Bücher, die ich wohl kaum mehr lesen werde. Und doch: Die Klassiker und die Philosophen? Kann ich die wegtun? Nein. Lyrik und Bildbände eh nie…. danaben ist der Rest dann doch verschwindend klein…

    Nun, es eilt ja nicht 😉

    Liebe Grüsse
    Sandra

    1. Ich hab es mal probiert es hat nicht funktioniert. Die meisten Bücher habe ich nachgekauft. Und dann ist da noch die Frage ob die Bücher nicht Ersatz für Leben waren. Eine Sucht, eine Kompensation.. M

      1. Ich habe es noch nie probiert mit Ausnahme der Jungendsünden aus den frühen Leseclubs. Als Ersatz für Leben sehe ich sie nicht, als willkommener Ersatz für das Kennenlernen fremder Kulturen, Länder schon. Eine Sucht ? in gewisser Weise ja. Ich gehöre noch zu der Generation, zumal ich nicht aus einem großbürgerlichen Milieu komme, für die Bücher kostbare Schätze waren und sie heute selber zu besitzen, eine Bibliothek in großer Vielseitigkeit aufzubauen, ist pures Glücksgefühl, wobei ich nicht danach frage, was wird daraus, wenn ich die Augen schließe.Sie haben mein Leben reicher gemacht und machen es noch.
        Ich habe mal dies zu meinen Lesegewohnheiten in den Blog gesetzt, Du kannst den Link gern wieder löschen:
        https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2016/04/29/lesen/

      2. Ja genau, die Bücher sind Weg. Mein Vater hat sich mit seinem 6. Klasse Abschluss durch lesen so gebildet, dass er in Geschichte, Philosophie, Musik, Literatur so weiter gebildet, dass er meiner Mutter mal die Philosophiearbeit schrieb. Die Generation y wächst anders auf, das Wissen ist in jedweder Form digital abrufbar, die Schwierigkeit besteht im Filtern und verarbeiten. Sie haben auch kein Verständnis dafür, dass man die Bücher sich nicht auf einen ebookreader lädt.

  3. Oha, böses Foul und wohl wirklich Anlass zu tiefergehenden Klärungen. – (Hier gibt es, abgesehen und Bad und Flur, in jedem Zimmer, auch beim Nachwuchs, mindestens ein mehrstöckiges Regal. Nur in der Küche bechränkt es sich auf zwei Handbreit Kochbücher. Und obwohl ich unterwegs schon seit Palm-PDA-Zeiten auch E-Books lese und hier für die diversen gegenwärtigen E-Ink-Display-Reader auch gern ePub-Dateien aus der örtlichen Bibliothek per Onleihe ausgeliehen werden, kommen merkwürdigerweise auch immer noch Druckwerke dazu. – Ab und an wird auch mal ausgesondert, aber das ist immer etwas traumatisch ;o).)

    1. Da treffen sich Welten, für die Teenies machen Bücher in diesem Umfang keinen Sinn, es ist ja alles digital zu jederzeit abrufbar. Man könnte ja auch fragen, ob es richtig war das die Mutter 2 Zimmer besetzte, während den anderen Familienmitgliedern nur eines zustand.

      1. -> „für die Teenies machen Bücher in diesem Umfang keinen Sinn“

        Also ich kenne das, warum auch immer, auch von unseren Teenies so, dass möglichst alles, was länger ist als eine Social-Media-Statusmeldung, auf Papier gelesen werden muss. Die Bücher stapeln sich auch in den Jugendzimmern längst schon neben den Regalen, und was aus der Leihbücherei gemocht wurde, muss dann auch noch gekauft werden … Umso bemerkenswerter, als beide schon seit Jahren kein Stück Musik mehr auf Konserve gekauft haben, das wird konsequent nur noch gestreamt. Aber beim Lesen sind sie altmodisch. Haben e-Reader zwar ausprobiert, aber für nicht tauglich befunden.
        Selbst habe ich zwar schon gelegentlich drüber nachgedacht, mal ein bisschen aus den endlosen Regalmetern auszusortieren, aber die Hemmschwelle ist immens hoch. Keine Ahnung, warum das so ist, denn es werden sich mit Sicherheit Dutzende (Hunderte?) Bände finden lassen, die ich realistisch nicht noch einmal lesen werde. Aber mich davon trennen? Schwierig …

  4. Mutter ist vielleicht berufstätig, um den Teenies die digitalen Spielereien zu ermöglichen, sie hat in einer Familie meist den grössten Arbeitseinsatz zu leisten, da gebietet eigentlich die Achtung und Fairness der Mutter gegenüber dieses Zugeständnis.Die Kids fliegen eines Tages ganz schnell aus und dann?

  5. Irgendwie unverschämt und die Mutter nicht wertschätzend…
    Irgendwie war sie ein bisschen einverstanden, bekam keine Tobsuchtsanfälle. Ach ja, diese Gedanken am Schluss…

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