and drink Martini dry

„Ich würde das nicht ohne Martini lesen“, sage ich zum Gatten.

„Was?“

„Maeve Brennan“

Der Gatte erzählt etwas von „war in in den Zwanzigern“ und sucht nach Martini.

Ich hab das mal im Palast der Republik getrunken. Es war göttlich.

Das Zeug hier, dieser komische Kräuterwein, schmeckt nicht entfernt nach dem.

Wir versuchen es ein zweites Mal. Der Gatte hat Geburtstag. Wir wollen gediegen feiern und mischen Gin mit Vermouth und siehe….

Es erweckt Erinnerungen an Erichs Lampenladen. Und an die Zeit, als ich alle Brücken abbrach.

Maeve Brennan ist eine einfühlsame Stadtschreiberin. Mit ihr wandle ich durch New York, Martini trinkend.

„Komm aufs Dach“, sagt der Gatte. „Von dort sieht die Welt anders aus.“

Möwen kreisen tief, Ameisen fliegen hoch. Der Brautflug endet jäh im spöttischen Gelächter der Möwen. Was für ein Festmahl.

Die Natur reguliert sich selbst. Die Entengrütze im Teich ist weg, die Rädertierchen auch.

Die ins Alter gekommenen Schönheitsköniginnen beginnen auf ihre alten Tage noch mit der Jagd. Erfolgreich.

Der Vorort belebt sich wieder, die ersten Urlaubsreisenden kehren zurück.

Mein Urlaub beginnt. Ich will Stille.

Ich glaube daran, dass der Weg in einem selbst liegt und nur in einem selbst.

Sehe: „The school of rock“. Ein ganz und gar großartiger Film.

Was ich sah-Kiel an einem Sonntag in den Sommerferien

Ich sah menschenleere Straßen und kreischende Möwen.

Ich sah einen sehr runden Mann durch die Fensterscheibe bei einem Schnellrestaurant. Er starrte auf sein leeres Tablett. Erst später stellte sich heraus, dass er sein Handy am Rand des Tabletts positioniert hatte.

Ich sah einen jungen Obdachlosen der auf einen Alten einredete, weißbärtig und ebenfalls unbehaust. Sie saßen überdacht und der Weißbärtige rauchte, drehte den Kopf weg und schwieg. Der Junge sprach russisch, schnell und energiegeladen. Er trug sein Haar halblang. Ich sah einen Familienvater, ein Hüne, der am kleinen Kiel mit einer ebenfalls hünenhaften Möwe diskutierte. Es ging um Müll.

Ich sah einen netten Kartenverkäufer im Kino, der mich das Tickett umtauschen ließ, okals ich mich doch ür den Binoche Film entschied.

Mit oder ohne- Über Bücher und das Leben

Man hört ja Geschichten die würdig sind verbloggt zu werden. Eine Freundin, war unlängst zu Hause geblieben. Sie ist bücheraffin, Regale bis unter die Decke im Wohnzimmer bestückt mit Geschichten aus aller Herren Länder. Ja, sie hatte am Rand mitbekommen, dass ihre Teenager beschlossen hatten das Wohnzimmer umzugestalten. Mit dem Sofa war sie einverstanden gewesen.

Des Abends war Ehemann samt Kindern zurückgekehrt, mit einem großen Paket unter Arm. Ein kurzes Hallo, dann wurde mit Verve das erste Bücherregal ausgeräumt und abgeschraubt. „Bücher sind ungemütlich, erläuterte der Teenager und schließlich sei ein Fernseher viel praktischer, jede Familie hätte einen im Wohnzimmer und die im eigenen Zimmer seien ja schön, aber ungesellig“. Er war so nett die Bücher in ihr Zimmer zu bringen. Da lagen sie: Virginia Woolf neben Otessa Moshfegh, Celeste Ng neben Sasa Stanisic.

Die Nacht war traumlos.

Am Morgen räumte sie also die „restlichen“ Bücher aus den Regalen, stapelte sie zu Türmen in ihren Zimmer und überlegte, wie nun weiter zu verfahren sei.

Das eine ist die Wertschätzung, über die braucht man sich hier nicht unterhalten, das andere ist das Lesen selbst.

Nachdem der Ärger verflogen war, bat sie die Teenager ab jetzt ihre Wäsche bitte selbst zu waschen und allein von A nach B zu finden. Das fühlte sich nach Befreiung an. Über dem Lesen hatte sich Bewegungslosigkeit eingenistet mit den bekannten Nebenwirkungen.

Gemeinsame Leseabende gab es nicht, an gemeinsamen Fernsehabenden hatte sie wenig Interesse. Sie konnte jedoch die Absicht des „Gemeinsam“ gelten lassen.

Der Fernseher wurde wieder abgeschraubt und kam in das letzte Fernseher freie Teeniezimmer. Lets trash.

Vielleicht, dachte sie, könne das die Aufforderung sein sich zu trennen- von Besitz, ein Buch zur Zeit, den Rest zu Momox und sich am Fünfzigsten in den Zug setzen und losfahren, alte Sehnsuchtsorte abgehen oder neue finden.

Samstag-Was ich sah

Kriegsschiffe in grau auf hellgrauen Wasser. Ein junger Man mit flachsblonden Haar, der ein Mädchen an der Hand hielt. Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, mit dem Gehen auch, sie war höchsten neun oder zehn. Er stützte sie.

Eine junge Frau , dass braune lange Haar hochgesteckt, ließ ihre nackten Füße Richtung Wasser baumeln. Die lederfarbenen, geflochtenen Flip Flops neben ihr und im Ohr ein weißer Knopf. Welche Musik hörte sie?

Ich ging die Treppen hinauf um zum Villenviertel zu gelangen. Von hier oben hat man einen guten Blick. Die Hunde hechelten, die Luft trotz fast kühler Temperatur war schwül, überall blühen Stockrosen und Rosen schlingen sich um gebogene Torbögen..

Nach dem verregneten Vormittag, zeigte sich nun die Sonne. Schien auf gediegene Villen und Gärten.

Die Stadt lag still, aus der Ferne hörte man einen Lautsprecher. Ich hielt es für eine Polizeiansage, es war aber der CSD. So erfuhr ich es am Abend aus der timeline.

Auch im Forstbaumschulenpark war niemand. Ich lief über regennasses Gras. Die Hunde auch.

Ich sah eine Frau mit strähnigen grauem Haar, die verstohlen eine Tasche auf ihrem Gepäckträger öffnete. Ein um das andere Mal holte sie sich eine Kirsche heraus und steckte sie in ihren Mund, ich sah nicht wo sie die Kerne ließ. Ihr Fahrrad war nicht mehr das neueste. Es schien schon viele Touren hinter sich gebracht zu haben. Auf der anderen Straßenseite stieg ein Mann mit ebenfalls grauem Haar aus einem Wohnmobil.