„Balkanschriftsteller, was für ein Quatsch!“

 

(Beitrag von 2018)

Geträumt:

Hab im Hamburger Bahnhof an einer Rolltreppe gesessen. Alle fuhren nach oben, ich nicht. Auf einem Stuhl, schwer und behäbig, einen Stapel Bücher neben mir. Zu müde und unkonzentriert um zu lesen. Bis dieser jungenhafte Schriftsteller kam, auf die Rolltreppe sprang und rief: „Balkanschriftsteller, was für ein Blödsinn! Entweder ist man Schriftsteller oder man ist keiner!“

Ich gab zu Bedenken, dass Herkunft doch prägt. Die Bilder der Sprache, die Landschaft, die Menschen.

„Mich nicht“, sprach er, „ich bin ganz neu.“

Ich hatte Einwände, deutete  auf  die Menschenmenge die mit grauen Gesicht und leerem Blick sich gehetzt durch die Wandelhalle manövrierte.

“ Ich bin neu, immer, jeden Tag.“

„Hej warte“, rief ich ihm hinterher, „versprich mir dass du an einem neuen Buch schreibst!“

„Mal sehen“, sagte er und „Balkanschriftsteller, was für ein Blödsinn!“

2 Antworten auf „„Balkanschriftsteller, was für ein Quatsch!“

  1. Herkunft mag oftmals prägen, aber wenn jemand sich selbst in ausreichendem Maße reflektiert, werden die vorhandenen Prägungen vielfach abgeschabt und durch Erfahrungen und Erkenntnis überschrieben. Der bewußte Mensch als lebendiger Palimpsest.

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