Versuch über Segeln am Muldestausee

hellas.jpgIrgendwo bei Friedersdorf. Das würde ich mir für das neue Jahr wünschen. Wir waren einmal dort. Es ist lange her, es war noch vor der Wende. Irgendwann beginnt man die Orte der Kindheit abzugehen, den Spuren folgend die einen an diesen Ort gebracht haben, oder die einen prägten. Manchmal sind es auch nur Erinnerungssplitter, in diesem Fall ein heller. Vielleicht nur solange von Bedeutung, bis man ihn erneut angesehen und beiseite gelegt hat. Naheliegender ist, dass irgendwann eine Geschichte daraus wird, über Menschen wie H, die schon damals in der Arbeit mit Jugendlichen so wichtig waren. Vielleicht würde es eine Geschichte werden, über ermahnende Wort die zum Lernen anhielten, die ermutigten das Leben anzupacken, ihm alles abzubringen, nicht aufzugeben, auch wenn die Bedingungen nicht optimal waren. Und schon stecke ich mittendrin, in der Geschichte über H. In der Geschichte über das geschenkte Buch „Hellas“ und einem beigelegten Brief. Heruntergebrochen auf ein Wort, lautete der Inhalt: Lerne! Lies! Kämpfe. Ein Brief der noch heute nachwirkt. 38 Jahre später. Es ist ein kryptischer Blogeintrag, einer mit dem ich das neue Seo teste. Euch einen wunderbaren 2.Weihnachtsfeiertag

Hommage an M.

Eine Erzieherin meiner Kinder war ursprünglich Schauspielerin in Berlin gewesen. Biografische Wendungen hatten sie zur Umorientierung genötigt. Ein Glücksfall für unsere Kinder, denn das Darstellende Spiel, Geschichten, Märchen , Singen waren ihre Leidenschaft und weitab von der typischen Kindergartenkreativität. Als ich sie kennenlernte stand sie kurz vor der Rente. Ich erinnere mich zu gern an den Flamenco den sie mit den Kindern aufführte oder das Märchen vom Sterntaler. Was für ein Temperament, welches Brennen dafür diese Werte den Kindern mitzugeben.

Wie oft traf ich meine Kinder beim Abholen an, wenn sie die Gruppe gerade um sich versammelt hatte, auf der Gitarre spielte und alle sangen. Eine schillernde Gestalt mit feuerrotem Haar.

Ich arbeite im selben Beruf, ich denke oft an sie, wenn wir ein Theaterstück mit den Kindern einüben, ein Puppenspiel aufführen oder singen.

Gestern nahm ich die Gitarre in die Hand und schlug die Seiten an. Julius kam herunter und sagte: „Die ist total verstimmt Mama. “

„Ich weiß“, seufzte ich.

Alle hier spielen Instrumente. Anna hat lange Konzertharfe gespielt, bevor sie zur Gitarre wechselte. Julius spielt Cello und Saxophon, Karla Geige und beginnt nun mit Klavier, mein Mann spielt eine ganze Gruppe von Instrumenten und ich? Ich bin noch nicht mal in der Lage eine Gitarre zu stimmen.

Ich würde aber gern mit den Kleinen singen.

Es ist schon spät.

Julius kann stimmen. Kurze Zeit später kommt Anna die Treppe herunter, hört mir zu und sagt : „So wird das nichts. Fang mal mit dem Zweivierteltakt auf e an, üb das Schlagmuster. Morgen machen wir weiter.“

Ein letzter Besuch in den Bücherhallen/Hamburg-Ein Araber fährt

Schweren Herzens Beckett über Proust den Bücherhallen zurückgegeben. Das Buch ist nur noch für neunzig Euro im Internet zu erhalten, ein Büchlein. Der Preis bestimmt die Nachfrage.

Als Wiedergutmachung schenkte ich mir ein Buch, über Theater spielen im Sonderschulbereich.

Im feuchtkalten Wetter bin ich zum letzten Mal in diesem Jahr, über den Hamburger Weihnachtsmarkt geschlendert. Das Treffen im Cafe mit Yulia und Sina, besinnlich und lustig, auch das könnte das letzte Mal gewesen sein.  Eine Hamburg Episode endet.

Ich wollte für dieses Jahr noch den Weihnachtsbrief schreiben, aber wie gestaltet man den Rückblick auf dieses schillernde, bunte, kreative, musikalische, künstlerische Jahr mit Up und Downs. Ein wildes Jahr, ein besonderes Jahr, ein Jahr wie ein Araberpferd.

„Ein Jahr wie ein Araberpferd“, sage ich zum Gatten. Karla ruft dazwischen: „Du bist voll rassistisch!“

Was ist denn an einem Araberpferd rassistisch?

Naja, wenn du sagst: ein Jahr wie ein Araber fährt, dann sagst du doch das Araber voll schnell fahren…“

 

 

Erinnerung an einen Abend mit Tee

Einmal habe ich in diesem, ihrem Haus gesessen, nicht im besten Viertel der Stadt, aber auch nicht im schlechtesten. Ein großes Haus, stilvolle Möbel, Geld war vorhanden, Urlaube auch und doch schien sich in dem Gespräch mit ihr, das Unglück des nicht Erreichten dieser Welt zu bündeln. Ich besaß damals eine erste kleine Wohnung, die Wäsche brachte ich zum Waschsalon und schlief auf einer Matratze. Ich gab das Geld lieber für Bücher und Theater aus, ging segeln auf dem alten Schiff, wohnen war mir nicht wichtig.

Sie muss so alt gewesen sein, wie ich heute. Das Viertel stimme nicht, sagte sie, nach Mönkeberg sei dieses Viertel hier nur noch Abstieg zu nennen. Das Haus wäre in Ordnung, aber das Kind würde sich weigern zu filzen oder ein Instrument zu lernen, es wolle lieber auf Bäume klettern. So sei es aber nicht gedacht. Schließlich sei man nicht Thoreau. Bildung war auch vorhanden.

Den Tee, es war Roibush Toffee gab es aus einer Bodum Kanne. Ein intensives Leuchten von Orange- gelb. Es brachte mich durch diesen Abend. Gestern, zwanzig Jahre später, habe ich diese Kanne erstanden. Ich befüllte sie mit schwarzem Tee und Zitrone, so wie mein Vater seinen Tee immer trank, jazzhörend, Geschichten erzählend. Eine weitere unwillkürliche Erinnerung die mit dem herben Geschmack auftaucht. Ich habe dich immer geliebt Papa. Weil ich sein durfte wie ich wollte, weil du nie über meine kindlich patriotischen Gedichte lachtest, weil du mir etwas über Versmaß erzähltest, weil ich mich ernst genommen fühlte auf der Suche nach meinem eigenen Weg.

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Abenteuerliche Nachtfahrt von Hamburg nach Kiel mit sich lösenden Radmuttern und stürmischen Böen

Der Wind peitschte den Regen gegen die Autobahnabgrenzungen, wie Gischt. Wir fuhren durch die Nacht, ins Gespräch vertieft, Hamburg lag schon eine Stunde hinter uns. Der Bus begann zu dröhnen. „Fahr mal langsamer“, sagte ich zum Gatten „Irgendwas stimmt nicht.

Das Gespräch verstummt, angestrengtes Lauschen. „Das ist ein Rad, fahr mal ran.“

Vier Radmuttern des linken Hinterrades hatten sich gelöst, die fünfte Radmutter war irgendwo auf der Autobahn verblieben. „Hast du die Reifen kürzlich gewechselt?“ Der Gatte schüttelt den Kopf. „Nein“. Das unangenehme Gefühl, das einen beschleicht, wenn man bei 120 km/h feststellt, das das Gefährt nicht hält.

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Abbruch des Proustprojekts/Auf der Suche nach….

Ich werde das Proustprojekt abbrechen, vielleicht versuche ich es im neuen Jahr noch einmal. Albertine bleibt mir verschlossen. Vielleicht sollte ich besser sagen, ich werde pausieren bis mein Pendeln nach Hamburg ein Ende hat. Das sollte im Februar sein, aber so genau kann das niemand sagen. Danke an Gerda, Bert,p

Karin, Wildgans, Arno von Rosen, Frau Hemingistunterwegs, menuchaprojekt für die rege Anteilnahme und Reisebegleitung! Ich habe es schon oft geschrieben, ohne euch wäre es nicht denkbar gewesen.

(Versuch über….(Schreiben, Duras)

-In unserem Haus ist man nie allein. Im Garten sind Eichelhäher, Finken und Katzen. Innerhalb des Hauses sind unsere drei Kinder, selten der Gatte, meist zwei Hunde und zwei Katzen und ich. Im Haus ist es oft so lebhaft, daß man daran irre werden könnte. Was ich sagen kann , ist daß die Lebhaftigkeit in diesem Haus (es hat noch keinen Namen) gewollt worden ist. Für mich, für uns. Und das ich in diesem Haus nahezu nie allein bin. Deshalb gehe ich auf keine Geburtstagsfeier, meide Gartenpartys wie der Teufel das Weihwasser.-

Ich habe ein Bild gefunden von der Duras. Sie ist in ihrem Appartment in Trouville.

Hier kurz der Bezug aus dem Buch das Yann Andrea über die Duras schrieb, es ist sein erster Besuch bei ihr, er wird 16 Jahre bleiben.

“ Sie sagt zu mir, schauen Sie, es ist sehr schön, und es gibt zwei Bäder, ein unerhörter Luxus, Proust kam mit seiner Großmutter hierher, bevor sie im Grand Hotel von Cabourg absteigen, er mietet sich auf der Seeseite ein.“(aus: Diese Liebe von Yann Andrea). Eine Festung der Einsamkeit. –

dav

Wir saßen im Regionalzug, Karla und ich. Sie in Harry Potter versunken und ich völlig hypnotisiert von den Worten der Duras über das Schreiben. Der Zug war übervoll, es war schon Abend, Nieselregen der an Zugfensterscheiben herunterlief. Ich verkroch mich immer tiefer in meinem Kaschmirschal, das einzige gute Stück Kleidung dass ich besitze. Der letzte war mir in der Kaffeerösterei abhanden gekommen, als ich mir einen Kaffee holte. Ich habe ihn nachgekauft. Es gelingt mir selten Einsamkeit herzustellen, manchmal in der Kantine wenn ich Stunden dort zubringe, manchmal im Haus einer Freundin wenn sie auf Reisen ist. Ohne die Einsamkeit geht mir die Luft aus. Ich versank in den Liebkosungen über das Haus am Meer. In den Preisungen der Einsamkeit und dem Trost des Schreibens. Und der Wunsch einmal wochenlang abzutauchen, irgendwohin in eine Blockhütte oder ein Haus am Meer, vielleicht würden auch ein paar Tage reichen.

Proust muss warten. Marquerite Duras hat Proust spät gelesen, danach begann sie zu schreiben.