Das Buch, das Dir am wichtigsten ist-Rummelplatz von Werner Bräunig

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10 Fragen zu Büchern stellt Birgit von Sätze und Schätze hier: Klick

Hier Frage 5: Das Buch, das Dir am wichtigsten ist.

Werner Bräunig spielt in unserer Familiengeschichte eine Rolle. „Die Zeit“ nannte Bräunig einen Verteidiger der Träume. Der Traum von einer klasssenlosen Gesellschaft, Alles gehört Allen.  Mein Vater tauschte für diesen Traum 1959 den Pfälzer Wald  gegen Merseburg in der DDR ein.  Etwas später begann er in der gerade entstehenden Stadt: Halle Neustadt Fuß  zu fassen. Er ist weit gegangen für diesen Traum, in jeder Hinsicht.

Irgendwann hatte sich der Weg meines Vaters mit dem des jungen Schriftstellers Bräunigs gekreuzt. Mein Vater sah, was er sehen wollte. Bräunig sah was war und schrieb es auf. Er schrieb am „Rummelplatz“.

„Es war eine kühle Nacht, und die Menschen in den schlecht geheizten Wohnungen fröstelten. Die Herbstkälte schlich sich in ihre Umarmungen und ihr Alleinsein, ihre Hoffnungen und ihre Gleichgültigkeit, ihre Träume und ihre Zweifel. Nun waren die Reden verstummt, die Kundgebungen geschlossen, die Proklamationen rotierten zwischen den Druckzylindern der Zeitungsmaschinen. Straßen und Plätze dampften im Morgenlicht. Die ersten Schichtarbeiter zogen in die Fabriken. Die Plakate welkten im Wind.“  Werner Bräunig, Rummelplatz.“

Klinikum Ludwigshafen 2005: „Papa?“

„Ja.“

“ Kann ich mir den Bräunig aus deiner Wohnung mit nach Kiel nehmen?“

Gewöhnliche Leute, ja nimm ihn mit,  halt ihn Ehren. Du weißt ja, was er mir bedeutet-ist mit Widmung. Er schreibt über Halle-Neustadt. Pass drauf auf, Kind.“

Universitätsklinikum Mannheim 2007:  “ Sie haben Rummelplatz verlegt,  Papa.“

„Postum und mit einer Epoche Verspätung ist letztes Frühjahr sein Nachkriegspanorama Rummelplatz erschienen, und seither mischt sich die Begeisterung des Publikums mit dem Entsetzen über den Vernichtungsfuror der Kunstrichter.“ („Die Zeit“ Es ist das einzige Mal, dass ich Tränen in den Augen meines Vaters sehe.

„Ist das wahr, Kind?“

„Ja.“

“ Es muss sehr teuer sein.“

„Nein, ganz normal, ich kann es dir bestellen.“

Wir schweigen.

In Mannheim blühen schon die Mandelbäume. Die, von denen mein Vater vor Jahrzehnten wehmütig sprach. Ich wuchs auf, mit diesen sehnsuchtsvollen Schilderungen vom Pfälzer Wald und den Mandelbäumen. Das war in der mutterlosen Zeit, als Mutti studierte in Berlin.

In der mutterlosen Zeit, war die Wohnung stets voller Gäste. Man rauchte, trank Rotwein, diskutierte, hörte Jazz. Mein Vater hatte das, was man Charisma nennt. Er zog die Menschen an. Ein einsamer Gast, der selten und wenn, dann  am Tage erschien,  war Werner Bräunig. Ich erinnere mich nur schemenhaft eines traurigen, grauen, hoffnungslosen Mannes. Er lehnte am Türrahmen unserer Wohnung, schweigend. Niedergeschlagen, verloren.(1974)

“ Ich mochte den nicht“, sagt meine Mutter noch heute.“ Der war mir zu depressiv.

Bräunigs “ Rummelplatz“ war nicht durch die Zensur gekommen. Als Schriftsteller war er erledigt, das war ein paar Jahre her, seitdem schrieb er nicht mehr.

»Ist es so, dass wir alle etwas wollen, aber herauskommt, was keiner gewollt hat? Machen wir mehr die Umstände oder machen die Umstände uns?«, heißt es in Der schöne Monat August . ( Werner Bräunig, Gewöhnliche Leute“, „Die Zeit“

„1974 erschien anlässlich seines 40. Geburtstags in der Zeitschrift Weimarer Beiträge ein Interview mit Bräunig. Auf die Frage, ob er nach dem 11. Plenum tatsächlich nicht mehr an „Rummelplatz“ geschrieben habe, antwortete er: „Sie täuschen sich nicht, ich bin tatsächlich nicht zu Rande gekommen, und ich habe auch nicht mehr daran gearbeitet.“ Auf die Frage, ob dies die Folge der Kampagne gegen ihn gewesen sei, sagte Bräunig: „Nein, das ist es auf keinen Fall. Die Diskussionen waren zwar recht heftig, aber immer freundschaftlich. Ich bin weder ein Opfer des 11. Plenums geworden, wie es Presseleute und Literaturgeschichtsschreiber in der BRD immer wieder frisch freiweg behaupten, noch ist in irgendeiner Weise Porzellan zerschlagen worden. (…) Ich habe in den letzten Jahren, in denen es mir nicht gut ging, von der Bezirksleitung der Partei, vom Schriftstellerverband und vom Verlag Hilfe bekommen und ich möchte das Vertrauen, das mir dadurch bekundet wurde, rechtfertigen, indem ich bald ein neues Buch vorlege.“[20]“ Wikipedia

So sehen Aussagen aus, abgerungene Aussagen, um überleben zu können. Ein bitterer Kniefall.

Werner Bräunig starb 1976 an den Folgen von Alkohohlmissbrauch.

Ich habe das Buch hier nicht beschrieben, weil es nicht das Buch selbst ist, dessen Inhalt, welches es  für mich zu meinem wichtigsten Buch macht. Es ist die Geschichte um Ideale wie den Sozialismus, den Bitterfelder Weg- „Greif zur Feder Kumpel“, und den Verrat derselben. (Ismen können vermutlich nicht wahrhaftig sein.) Orwellsche Wirklichkeit: gedacht und geschrieben wird, was der Sache dient. Die Wahrheit ist sekundär, gefährlich.

„Rummelplatz“ hat mich geprägt.

 

 

 

Mein meist gelesenes Buch/Bücher-die Tagebücher von Max Frisch

  1. Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast? fragt Birgit von Sätze und Schätze hier: Klick

Mein meist gelesenes Buch, beispielsweise Bücher, sind die Tagebücher von Max Frisch.

Wann habe ich sie entdeckt? Es muss in der Kieler Dekade gewesen sein, diese begann 1996. Hätte ich es mir einmal träumen lassen, über zwanzig Jahre in einer Stadt zu wohnen? Ich liebe an Kiel die Kühle, den stetigen Wind, den freien Blick, das Wasser, nicht zuletzt die Möwen mit ihrem heiseren Lachen. Sie erinnern mich jedes Mal an meine Zeit in Aberdeen, (allerdings las ich in der Aberdeener Dekade ausnahmslos Rudolf Steiner). Aberdeen, die Granit funkelnde Lady. Ein wenig einschüchternd in ihrer Noblesse, wären da nicht die Spottmöwen gewesen, die nichts allzu ernst zu nehmen schienen.

Was das mit den Tagebüchern von Max Frisch zu tun hat?  Ich weiß es nicht. Vielleicht flüchte ich mich in Assoziationen, um der Beantwortung dieser schwierigen Frage zu entgehen. Warum Frisch? Frischs Sprache ist kühl, klar, frei und zuweilen spöttisch. Man kann es sich in seiner Sprache nicht gemütlich machen, sie legt den Finger auf die Wunde, macht den Blick frei.

Die Fragebögen im Tagebuch von 1966-1971 haben es mir sehr angetan.

Fragen wie: “ Was bezeichnen sie als Heimat:

a. ein Dorf

b. eine Stadt oder ein Quartier darin ?

c. einen Sprachraum ?

d. einen Erdteil ?

e. eine Wohnung?

oder

Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

23. Auch Soldaten auf fremden Territorium fallen bekanntlich für die Heimat: wer bestimmt, was sie der Heimat schulden?“

Mit den Fragebogen über die Ehe, haben der Gatte und ich uns einmal, auf dem weiten Weg nach Südfrankreich, die Zeit vertrieben. Hitze, Müdigkeit, ein scheppernder Bulli, die Kinder noch klein und dann Fragen wie diese:

„Wann überzeugt Sie die Ehe als Einrichtung mehr: wenn Sie diese bei andern sehen oder in ihrem eigenen Fall?“

 

Es ging gut-zum Glück.

Was liebe ich  an Max Frisch? Das er trifft. Das schnörkellose, das Spöttische, das Hellwache, das Ringen.

 

„Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit der Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht-

Muss ich etwas zu sagen haben? Das sture Gesumme einer dicken Fliege an der oberen Fensterscheibe reicht aus, dass ich verzage, aber ich stehe nicht auf um das Fenster zu öffnen; die Stille wäre genauso öde. Und wenn das Telefon klingelt, lasse ich es klingeln-

Ich bin nicht da. Ich weiss nicht, was los ist.“

oder Fragen wie diese:

„Wen habe ich wirklich gekannt?“  (Entwürfe zu einem dritten Tagebuch)

Wen habe ich eigentlich gekannt? Kenne ich mich? Das Haus muss aufgeräumt werden, ich räume den Schreibtisch.

 

 

Urlaub zu Hause-Es beginnt das Ulysses Projekt

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Plötzlich Urlaub. Vier Wochen. Zu Beginn des neuen Schuljahres werde ich auf keiner vollen Stelle mehr sein.

Vier Wochen Urlaub. In der ersten Woche wird das Haus vor lauter Gästen aus den Nähten platzen. Im Garten wird ein zweiter Wohnwagen aufgestellt.

Ubu wird eine neue Gefährtin aus Kreta bekommen. Wir sind so gespannt auf den Zweithund. Lesen werde ich die Biografie von James Joyce und ich werde lange Strecken gehen am Strand, im Wald.

Es ist Urlaub.

Zehn Fragen zu Büchern von Sätze und Schätze

2. Das Buch, das dich durch deine Jugend begleitet hat. (fragt Birgit von Sätze und Schätze hier:) Klick

Auch diese Frage weckt sofort eine Erinnerung. Eine Erinnerung an den Dachboden meines Großvaters.  Er lebte in einem Gutshof mit Pferden, Schweinen, Hühnern. Welcher Gegensatz zu Halle Neustadt. Hier hatten wir oft an der Elbe gespielt, Iglus gebaut im Winter. Jetzt war Großvater tot und die Söhne und Töchter begannen die Hinterlassenschaft zu sichten. Ich fand ein Buch im weinroten Stoffeinband: „Soja und Schura“ stand mit goldenen Lettern darauf.  Die Geschichte von Soja kannte ich. Mein Vater hatte sie mir erzählt, als ich noch recht klein gewesen war. Atemlos hatte ich der Geschichte der jungen russischen Widerstandskämpferin gelauscht.

„Soja und Schura“ ist die Biografie  von Soja Kosmodemjanskaja, geschrieben von ihrer Mutter.

“ Im Norden des Tambower Gebiets liegt das Dorf Ossinowye Gai. Gai heißt Espenwald. Die alten Leute erzählen, daß hier in früherer Zeit einmal undurchdringliche Wälder gestanden haben. Aber als ich Kind war, gab es sie längst nicht mehr.“

So beginnt Ljubow Kosmodemjanskaja zu erzählen, von ihrer Zeit an einer Grundschule in Sibirien.

„Mein Mann und ich waren den ganzen Tag beschäftigt. Wenn wir morgens das Haus verließen, ermahnten wir Soja:“Denk auch an alles. Die Grütze ist im Ofen, die Milch im Krug. Paß auf, das Schura sich gut beträgt. Laß ihn nicht auf den Tisch klettern, sonst fällt er herunter, stößt sich und weint dann. Seid artig, spielt schön und zankt euch nicht.“ Kamen wir abends aus der Schule zurück, empfing uns Soja mit den Worten:“Bei uns ist alles in Ordnung, wir waren artig.“ Das Haus war natürlich im Chaos versunken.

Erinnerungen an sibirische Jahre. Später stirbt der Vater, die Familie zieht nach Moskau.

Soja und Schura gehen aufs Gymnasium.

„Oberfächlich betrachtet, verlief unser Alltag ohne besondere Ereignisse; unser Leben floß gleichmäßig dahin. Ein Tag war wie der andere: Schule und Arbeit, zuweilen Theater oder Konzert und wieder Aufgaben, Bücher, kurze Ruhepausen-das schien alles zu sein. Aber es war doch nicht alles. Im Leben eines jungen Menschen ist jede Stunde wichtig. Er beginnt selbstständig zu denken und verläßt sich nicht gutgläubig auf andere. Er fragt sich: was ist das Ziel in meinem Leben?“

Dann kommt der 22. Juni. das Leben ändert sich radikal, Luftschutzräume, das Pfeifen und Explodieren von Sprengbomben, Luftdruck der Fensterscheiben in tausend Stücke springen lässt und verschlossene Türen aus den Angeln hebt, Evakuierungen, Flüchtlingszüge die von Flugzeugen beschossen wurden, Galgen, Folterungen, Deportierungen, Massengräber, Alltag im Krieg.

Soja und Schura sind sechzehn Jahre alt. Sie wechseln von der Schulbank in die Fabrik,. Soja näht mit ihrer Mutter Kleidung für die Soldaten. Morgens auf dem Weg zur Arbeit muss sie stets an einem Plakat vorbei:  „Was hast du für die Front getan?“

Und Soja weiß, das es ihr nicht genügt zu nähen oder Munition herzustellen. Heimlich geht sie in den Widerstand.

Soja wird gehenkt, ihr Bruder Schura fällt an der Front.

Diese Buch hat mich durch meine Jugend begleitet. Ich habe es wieder und wieder gelesen. Noch heute nehme ich es manchmal zur Hand. Der Sprachklang von Ljuba Kosmodemjanskaja ist voller Trauer und Wehmut.  Im Buch geht es um das Leben mit ihren Kindern, um Erziehung, Werte, Kultur und dem Schmerz, als die Kinder in den Krieg zogen. Es berührt mich dieses Buch, noch heute.

 

 

Zehn Fragen zu Büchern-gestellt bei Sätze und Schätze

Zehn Fragen zu Büchern, stellte vor einiger Zeit, Birgit in ihrem wunderbaren Blog Sätze und Schätze

Ich habe mir überlegt, jeder Frage einen eigenen Beitrag zu widmen.

  1. Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?

Lesen war mir verhasst.  Die Deutschlehrerin, eine linientreue Matrone, belächelte meine stammelnden Versuche. Ich muss in der 3. Klasse gewesen sein, als ich auf Grund einer Erkrankung meiner Mutter, zu ihrer Schwester kam. Mein Einzelkinddasein in einer Einfraufamilie  in Halle-Neustadt, wurde durch die Sangerhausenepisode abgelöst.

„Ja schau nur wie schmal sie ist“, sagte die Tante.  Und was für dunkle Augenringe. Ja kriegst du denn gar nicht den Mund auf, Kind? Wir werden dich schon aufpäppeln.“ Schüchtern, schweigend, verunsichert, bezog ich ein Bett im Zimmer meiner Cousine.

In Sangerhausen gab es alles was ich entbehrte: Einen Vater, Geschwister, Familienleben. Mein Vater hatte die Familie verlassen. Er war weg, aber im Keller lagen hunderte seiner Bücher, viele von Feuchtwanger.

Meine Mutter arbeitete, besuchte Parteilehrjahre. Sie war jung. Sie war „nur“ Gärtnerin gewesen.  Ihr hatte der Sozialismus eine Chance auf Weiterbildung gegeben. Studiert hatte sie jetzt, an der Humboldt Uni in Berlin. Sie die Tochter einer Flüchtlingsfamilie aus einfachen Verhältnissen, war nun eine studierte Sonderschullehrerin.

Sie las viel, bevorzugt Dostojewski , Scholochow und „Rebecca“. Ich las nie, weil die Buchstaben sich nicht zu Worten fügten. Weil sie herumsprangen wie wild gewordene Trolle.

Auch in der Sangerhausener Schule schrieb man Diktate. Zu meinem Leidwesen. Die erste Note-eine Vier. Die Tante war streng, ich unterschrieb lieber selbst. In großer krakeliger Schrift unterschrieb ich mit Vornamen. Die Deutschlehrerin war zugewandt und humorvoll. In Sangerhausen waren alle Dinge besser, sogar die Deutschlehrer.

Abends las mir die Cousine aus einem Buch vor.  Dieses Mal: Die Kinder im Tobteufelhaus, irgendeine moralisierende Geschichte über gute sozialistische Bauern, die ihr Arbeitskraft dem Staat schenkten und unangepassten, aufmüpfigen Kindern, die ins Tobteufelhaus kamen. Oh das war gruselig. Die Hexe schnappte sich jeden Tag ein Kind und dann!

Dann hörte Nelly auf zu lesen. “ Ich muss noch für die Hänsel und Gretel Oper üben.“ Sprach´s und tauschte das Buch gegen ein Notenblatt aus. Sie wollte zum Vorsingen.

„Bitte Nelly“, lies weiter. Kein Erbarmen. “ Nee, lies selbst.“ Also nahm ich das Buch wütend, zornig, befahl den Buchstaben sich zu fügen.

In meiner Erinnerung las ich bis spät in die Nacht. Die Tante kam rein um das Licht zu löschen, sah mich lesen und verließ das Zimmer wieder. Ich las!

In Halle -Neustadt zurück, zurück im Deutschunterricht, durfte ich schon am ersten Tag vorlesen.  Ich war aufgeregt, in Halle-Neustadt sprangen die Buchstaben, die Lehrerin schaute grimmig.  Ich holperte, stolperte und dann geschah das Wunder auch hier. Ich las, flüssig und betont. Ich sehe es noch wie heute vor mir, die Blicke die sich mir langsam und ungläubig zuwandten. Erlebnisse dieser Art brennen sich in das Bewusstsein ein. Selbstwirksamkeit. Das Lesen hatte ich für mich entdeckt, es war mir Familienersatz, Fluchtmöglichkeit, Ermutigung und Gesellschaft zugleich.

Wie unsere Familie auszog, um Turandot im Public Viewing zu hören und zu sehen, Premiere von Turandot in Kiel-Oper im öffentlichen Raum

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„Großartig!“, schrieb die Freundin, die die diesjährige Sommeroper „Turandot“ in einer Liveübertragung in  Preetz gesehen hatte.

Eine andere: Irre toll!

Der Gatte, ich und die Kinder, mit Fingerfood und einer Decke bewaffnet, bemerkten schon beim Ankommen, dass wir zu spät waren. Noch eine Stunde bis zum Beginn. Alt und Jung (etwa 1500 ) hatten sich bereits versammelt und genossen den regenfreien Sommerabend bei Rotwein und Kaffee. Eine erwartungsvolle Stimmung in der Luft. Uns blieb nur noch ein Platz am Rand.  Auf der großen Leinwand erschien der Oberbürgermeister. Noch zehn Minuten bis zum Beginn.

(Ich hatte von Puccini noch keine Oper gehört, überhaupt beginne ich die Welt der Oper erst kennenzulernen. Ich bin als Kind einer ostdeutschen Arbeiterfamilie eher mit dem Oktoberclub und Pete Seeger aufgewachsen. Mein Vater liebte Jazz, meine Mutter auch Beethoven, in die Oper oder ins Theater gingen wir nie.)

Ich vermute, ich kann über Knausgard besser schreiben, als über Turandot. Gelesen habe ich schon immer. Trotzdem will ich versuchen meinen Eindruck von dieser Inszenierung von Daniel Karasek, in Worte zu fassen:

Mich faszinierte die Klarheit des eisigen Bühnenbildes, das Weiß des Tempels, der eisblaue Boden im Einklang mit den aufwendig gestalteten Kostümen, einfach schön. Nichts Verschnörkeltes, nichts Überladenes, nichts Kitschiges. Klare eindrucksvolle Linien und Farben.

Ähnlich erging es mir mit den Stimmen, klar, kühl, trotzdem emotional und brillant- Turandot. Liu-sehr berührend,  Calaf-einfach herrlich, Stimmen die mich in ihren Bann zogen. Ping, Pang und Pong sangen nicht nur Klasse, sondern waren auch noch urkomisch. Die klangprächtigen Chöre unterstrichen dieses Klare und Monumentale mit einem präzisen und wunderschönen Klang. Ästhetik pur.

Auch die Kinder waren beeindruckt.

Karla: Die beiden Balletttänzer, wie Klasse tanzen die denn? Die können so viel ausdrücken mit ihrem Tanz. Ach ich finde einfach alles toll. Turandot und Ping, Pang, Pong.

Anna: Die Sklavin fand ich auch super.

Julius: Krasse Geschichte, aber irgendwie total cool. Aber wer will schon jemanden heiraten, bei dem man Gefahr läuft, umgebracht zu werden? Muss zugeben Opern sind nicht so, wie ich dachte dass sie es sind.

Am Ende wird alles gut. Die Premiere von Turandot wird frenetisch bejubelt.  Sehr verdient.

Das Public Viewing bietet eine schöne Atmosphäre, trotzdem würde ich mir die Oper gern noch mal real anschauen wollen.

„Großartig. Da schließe ich mich der Freundin an.

Ein Samstag mit Turandot in Kiel

Vorbericht NDRTurandot am AbendHeute Abend gehen der Gatte und ich in die Oper. Wir hören und sehen die Premiere von Turandot, der Prinzessin die ihre Bewerber in den Tod schickte, wenn sie die Rätsel nicht lösten. Besonders schön in diesem kleinen Legovideo zusammengefasst.

Die, die das Glück hatten, schon bei der Generalprobe dabei sein zu dürfen, schwärmten von dieser Oper. Inszenierung, Bühnenbild, aufwendige Kostüme, tolle Stimmen und besonders ist wohl auch, die Verbindung von Oper und Ballett. Ich bin gespannt und freue mich sehr darauf.

Turandot, die eiskalte Prinzessin wird sich am Ende doch verlieben.

„Und nimmer geh beiseit und sinn´

Der liebe bitterm Rätsel nach…..(James Joyce)