Was machst du eigentlich so Freitags?

 

fragt Frau Brüllen, weil es ein Fünfter ist. Link. Es ist ein Mai, der kein Mai sein will. Er rebelliert und lässt die Winde wehen. Aber im Haus ist es warm. Wir konterrebellieren mit der Heizung als Waffe. Die Pubertiere hängen müde am Frühstückstisch. Wir waren gestern lange im Konzert gewesen.

Karla ist wie immer blitzwach. „Mama?“ Wir üben für den Vorlesewettbewerb. Ein Teil der Klasse hat „Die Tribute von Panem“ vorgeschlagen. Frau S. kannte das aber nicht. Und dann ist eine Diskussion losgegangen. Frau S. hat sich die Geschichte kurz erzählen lassen. Sie fand sie zu brutal. Und irgendwann hab ich mich gemeldet. Ich hab gesagt, es wäre vielleicht gut, wenn sie das Buch lesen würde. Weil du wolltest es uns ja auch erst verbieten, hast dich aber entschieden es zu lesen, um mitreden zu können. Und dann fandest du es gut.“

Tatsächlich hatte ich damals, das Buch nicht mehr aus den Händen legen können. Es geht um Unterdrückung, „Brot und Spiele“ und Rebellion.

Wir brechen in den nasskalten Tag auf. Nur der Hund chillt. Am Nachmittag bringe ich Karla zum Chor. Nebenan ist ein Buchladen. Zum Glück kann ich dort überbrücken. Anna liest „Tote Mädchen lügen nicht.“ Die Netflix Serie ist umstritten, also nehme ich mir vor einen Überblick über die Thematik zu gewinnen.  Irgendwann bemerke ich Susanne, die ein paar Meter weiter auf dem Sofa sitzt und liest.  Auch sie habe ich Jahre nicht mehr gesehen. Es ist unglaublich, wie viel in drei Jahren passieren kann. Nun ist es Abend geworden. Die Pubertiere wollen einen Film sehen, der Gatte und ich lesen. Ich lese „Allein unter Flüchtlingen“.