Rettung eines Eichelhähers-wenn der Vogel am Haken hängt….

20170326_105247

Na los Ubu, lass uns den Morgen nutzen. Hunderunde Und dann hing in 4 Meter Höhe der Eichelhäher,  einen Angelhaken im Schnabel. Irgendjemand muss die Angelschnur mit Wurm schwungvoll in den Baum befördert haben. Ein Wurm am Haken im Baum, ein Leckerbissen in luftiger Höhe. Nun zappelt das Tier mit heiseren Krächzen, seit zwanzig Minuten schon. Eine Menschentraube hatt sich gebildet. Der Spazierweg ist beliebt und belebt, besonders am Sonntag.Der  Förster ist von Anwohnern verständigt, braucht aber noch weitere zwanzig Minuten.  Ich rufe  die Nachbarin an. Ob sie vielleicht einen Apfelpflücker hat?  Der Häher kämpft ums Überleben. Die Nachbarin trifft zeitgleich mit dem Förster ein. Der Apfelpflücker wird mittels langer Stange verlängert. Ein engagierter Vorortbewohner pflückt den Vogel vom Baum . Das Tier fällt in den Fluss, wird aber  herausgefischt.  Kundig entfernt der Förster den Angelhaken aus dem Schnabel und einen weiteren von der Kralle. Er ist erbost über den Angelhaken im Baum. Den verletzten Eichelhäher setzt er hinter einem Baumstumpf ab. “ Den Rest muss die Natur entscheiden“, sagt er.  Erstaunlich ist, dass ein kleiner Zaunkönig und eine Kohlmeise zu dem Verletzten fliegen, als wollten sie nach ihm schauen. Später sehen wir nochmal nach dem Rabenvogel, da springt er schon von Baumstumpf zu Baumstumpf und macht erste Flugversuche. Eigentlich hatten wir ihn ins Tierheim bringen wollen, auch die Vogelschutzwarte war benachrichtigt und wartete den Neuzugang……

Entschleunigung in Lissabon

Direkt nach der Arbeit Karla zur Schauspielschule gefahren. Dann hatte dieser Adrenalinjunkie mir den Parkplatz vor der Stadtbücherei stehlen wollen. Gesiegt.  Atemlos, aber durchaus mit Genugtuung stand ich nun, Ildiko von Kürthy´s „Neuland“ in der Hand,  am Fenster der Bibliothek.

Außer Puste beobachtete ich den Parkplatz. Ein  noch junggebliebener  Herr, gediegen,  vermutlich auch gebildet,  trat hinzu und blätterte in einem VHS Heft. “ Muss nur mal kurz nachsehen wo mein Kurs stattfindet, murmelte er.  Er war gerade am Gehen, als ich fragte: „haben sie gefunden was sie suchten?“ Ja heute ist mein erster Portugisisch Kurs Es entspann sich ein Gespräch über Lissabon, Pessoa und James Joyce..Ildiko von  Kürthy war mir augenblicklich unangenehm. Ich lese grundsätzlich nur sehr anspruchsvolle Literatur. Natürlich. Leider sieht man mir das nicht auf den ersten Blick an.  Vorsichtig legte ich das Buch aufs Fensterbrett. Diese Blondine auf dem Cover! . Ich hätte lieber Proust unterm Arm gehabt oder Paul Auster.

Mein Blick verweilte auf dem noch immer gut frequentierten Parkplatz.

 

Des netten Herrens Tochter hatte vor wenigen Tagen  ein neues Leben in Lissabon begonnen.  Zu hoch das Tempo Berlins.  Als er gegangen war, nahm ich nachdenklich Ildiko von Kürthy von der Fensterbank.

„Neuland.“ Zugegeben, ich mag das Buch sehr.

Ein wenig Leben-von Hanya Yanagihara-Leseeindruck

Begeisterte Stimmen in „Zeit“ und Blogs, ließen mich zu diesem Buch greifen. Trotz des Covers. Zu sentimental erschien mir das schmerzverzerrte Gesicht Judes.

Es soll um eine Männerfreundschaft zwischen vier Männern gehen, so war es zu lesen.

Die Einführung der Charaktere langweilte mich. Die Sogwirkung entwickelte sich erst mit der Entwicklung der Hauptfigur.  Jude der es geschafft hat, angesehener Rechtsanwalt in New York, homosexuell und Borderliner. Die große Stärke des Romans liegt für mich in der Genauigkeit der phänomenologischen Betrachtung der Selbstverletzung. Erst wenn der äußere Schmerz den inneren überdeckt ist das Leben für Jude erträglich. Während Puzzle für Puzzle der Vergangenheit zusammengesetzt wird, wird Gegenwart gelebt. Und hier beginnt die Eindimensionalität der Charaktere ungeduldig zu machen, die Sogwirkung verflacht in fast seicht zu nennenden Gewässer. Jude ist leidend an sich selbst und er ist umgeben von guten Menschen, die alle an ihn glauben.  Und da ist der engelsgleiche Willem, ohne Fehl und Tadel der Jude liebt. Judes Selbsthass und das Gute der sich aufopfernden Freunde, insbesondere Willem,  zieht sich über 1000 Seiten. Am Ende hatte ich wirklich Mühe. Das Buch ließ mich keine neuen Perspektiven einnehmen, das Böse ist böse und das Gute gut. Schade.

Der Schreibstil Hanya Yanagihara´s vermochte mich durchaus zu fesseln, aber etwas mehr Komplexität hätte sie dem Leser zumuten können.

Die Gedanken sind frei

Nur ihre Beine sieht man und die Aufschrift auf ihrem Pullover. Der Rest verschwindet hinterm Notenständer. Sie spielt die 2. Stimme in einem Duett. Das Publikum applaudiert. Der Bogen war nicht gespannt. Niemand hat es gemerkt, trotzdem ist sie wütend auf sich.

Nach der letzten Gesangsstunde gab es Tränen. Zu schwer erwies sich die Version von Bobo und Herzfeld von „Die Gedanken sind frei“. Sie müsse nicht singen, sagte ich ihr und es würde schon werden. In sich gekehrt ist sie und zum ersten Mal betrachtet sie die Bühne mit Argwohn. Was ist wenn ich versage? Noch nie hatte sie diese Möglichkeit für sich erwogen. Eine Stufe….

Im Wald-Waldfortbildung-Teil3

Greifvögel gehörten nur am Rand zum Programm. Auf den Spuren von Rotwild, Schwarzwild, Eichhörnchen, Ameisen und Co verbrachte ich spannende anderthalb Tage…Ich hab sogar ein paar Spuren entdeckt: Hasenfell im Moos, ein abgenagter Fichtenzapfen der dann doch nicht abgenagt war, Losung vom Reh.

März 2017 Wald Greifvögel

Was machst du Sonntags? Latein lernen und Handyverbot

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen am 5. und ich bin mit dabei.Link

Wenn ein Pubertier morgens 8.00 Uhr mit schweifenden Blicken an meinem Bett steht, kann es nur einen Grund dafür geben: Es sucht sein Handy. Das Pubertier reißt mich aus der Leidensgeschichte Judes. Allerdings macht mir die Einförmigkeit der Charaktere zu schaffen. Eintausend Seiten Leiden. Trotzdem will ich „Ein wenig Leben“ zu Ende lesen. Es ist eine brillante psychologische Studie. Der Schostakowitsch von Baker wartet als Belohnung im Regal.

„Nee Handy is nich. Du musst heute noch Deutsch und Latein ins Gehirn bekommen. Wenn das schon verpixelt ist hast du keine Chance mehr. Du kannst an mir sehen was herauskommt, wenn man Haupt und Nebensätze nicht auseinanderhalten kann: Kommasetzung aus dem Salzstreuer.“

Kaum ist Julius auf seinem Zimmer, nehme ich mein Handy. „Stadtflucht ist in“, sagt Zeit Online und „Fünf Handy-Regeln für ein besseres Leben“ gibt der Spiegel.  Die Freundin auf Whats App reframed den erlebten Verzicht beim 40 tägigen Fasten. Später, das Geschirr vom Vorabend ist bereits per Hand abgewaschen, der Geschirrspüler ist  kaputt , schäle ich Kartoffeln während ich das „Literarische Quartett“ sehe. Schade das Biller weg ist, hab ihm gern zugehört. Gestern spielten acht Jugendliche hier Gitarre, sangen wehmütige Lieder, aßen Eis, entzündeten später ein Lagerfeuer. Heute spielen nur zwei Mädchen Cat Stevens, Julius lernt Latein. „Mama heut ist verkaufsoffener Sonntag können wir hin?“  Klar“, sage ich,“ aber du Karla musst dir noch die Haare waschen. Du hast eine Aufführung. „Ich wasch mir aber die Haare nicht.“

“ Du bist erst elf und so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ Erkennt sie die Ironie? „Mach ich aber nicht!“ Dann gehst du nicht zur Aufführung. Hör zu Karla: Auch ich habe nur diesen einen Sonntag. Haare waschen ist ein Basic. Ich habe keine Lust um Eckpfeiler zu diskutieren.“ Ich schreibe eine Whats App. Karla kann leider nicht kommen, weil sie ihre Haare nicht waschen will. Ich zähle bis drei, dann schicke ich sie ab. „Das hast du nicht getan?!“ Wutentbrannt geht sich Karla die Haare waschen. „Das nennt man Diktatur , Mama!“ “ Diktatur des Proletariats, werfe ich hinterher.“

Der Gatte konzertiert in Berlin. Ich bin froh das er heute abend zurück ist.