Morgenspaziergang im Kindergarten

Minus 5 Grad. Warm eingepackt stehen die Kinder  in der  morgendlichen frostigen Luft. Sie kullern sich einen Berg herunter, bis der Trommelwirbel eines Spechtes sie innehalten lässt. Wo ist er? Wir locken einen Kleiber mit seinem eigenen Ruf an. Es klappt. Ich hatte sein Rufen gehört und antwortete mit einer Audiodatei. Auch ein Eichelhäher wird gesichtet. Später im Morgenkreis erzählt der Waldtrupp den Anderen was sie gesehen haben. Und die Kinder versuchen Vogelrufe zu erkennen. Möwe, Krähe, Käuzchen…

Die Idee : Geschichtenerzählen und Theaterpädagogik mit dem Wald zu verbinden. Wie verankere ich Schneeweißchen und Rosenrot in der Natur? Vom geborgenen Zuhause führt uns der Wald in eine Welt voller Abenteuer.

Zum lesen von Auster komme ich heute nicht, dafür liest Karla in jeder freien Minute „Talon“.

Wald und Naturpädagogik-Fortbildung

naturmandalaZugegeben; die ersten sechs Stunden bei unter null Grad waren eine Herausforderung.  Die frostharten Waldkindergartenerzieher schienen allerdings unbeeindruckt. Aber ich; einen Großteil meiner Arbeitszeit unterm Dach verbringend,  hatte zu kämpfen. Trotzdem: Es war toll.

Das erste Wochenende war dem Kennenlernen und der Wahrnehmung gewidmet. Thema: Flowlearning.

Wir legten ein großes Naturmandala, schrieben Geräuschemaps, ließen uns mit verbundenen Augen durch den Wald führen und spielten Bewegungsspiele zum Aufwärmen. Meine Kondition zeigte sich als verbesserungswürdig. Frühstück und Mittagessen auf dem Waldsofa. Die Profis verrieten Tricks gegen die Kälte. Irgendwann fror ich dann doch.

Das 2. Wochenende war dieses. Zur Kälte kam ein gemeiner Ostwind. Mit  Fernglas, Isomatte und in fünf Schichten Kleidung gehüllt,  ging es in den Wald, diesmal mit Vogelkundler. Wir liefen über gefrorenes Laub,  trieben Blaumeisen vor uns her. Warum baut der Specht jedes Jahr eine neue Höhle?  Wie erkennt man Wacholderdrosseln im Flug? Wie ruft der Kleiber? Goldhähnchen, Schwarzspecht, Graureiher, Erlenzeisige, Kleiber, Baumläufer und Singschwäne sahen und hörten wir.

Kalt wurde mir dieses Mal nicht. Spannend waren die Geschichten. Wusstet ihr das Spechthöhlen bis zu achtzig Jahre halten und von verschiedensten Vogelgenerationen bewohnt werden?  Der 2. Teil fand dann im Warmen statt und war BNE gewidmet. Wie groß ist unser ökologischer Fußabdruck? Welche Ideen gibt es, um Kindern Nachhaltigkeit nahe zu bringen.

Der Kurs hält mehr als ich mir davon versprochen habe. Es ist eine nette Gruppe und es sind gute Dozenten aus den verschiedensten Bereichen. Die ersten Ideen habe ich

gleich in der Praxis ausprobiert. Die Kinder hatten sehr viel Spaß, als blinde Raupe durch  den Wald zu gehen, Bäume zu ertasten und dem Wald zu lauschen. Naturmandalas, Tinte aus Galläpfeln, Limonade aus Brennesseln, Mehl aus Bucheckern mahlen, Räuchermännchen selbst schnitzen, Holunderpfeifen herstellen- diese Dinge haben wir im Kindergarten bereits umgesetzt.   Die Natur selbst ist Therapie in unserer schnelllebigen, von Medien dominierten Zeit. Eine Zeit lang habe ich mit einigen Kindern Morgengrauenspaziergänge gemacht.  Urlaubs und krankheitsbedingt war nun eine Pause. Immer wieder fragten die Kinder nach dieser Morgenzeit im Wald. Und morgen geht es wieder los.