Aufbruch-Graf Öderland

Einer war immer fleißig, immer gediegen, immer pünktlich. Einer fiel nie auf, sagte immer ja, fragte nicht. Einer war immer nett, immer adrett, freute sich stets auf Freitag und erschlug dann den Hauswart.

Aus Langeweile, sagt er. Weil das Leben überall Gitterstäbe hat und es egal ist ob man durch sie am Schalter oder im Gefängnis auf das Leben sieht. Das ist der Mörder.

Was würde wohl aus den Menschen werden, wenn man sie der Hoffnung auf Feierabend, Freitag, Wochenende und Urlaub berauben würde? Das fragt sich der Staatsanwalt, der Einzige der den Mörder versteht.

In der Nacht verbrennt er- der Staatsanwalt die Akten , beginnt ein neues Leben. Rebellion.

Im Moment vermag ich kaum bei einem Buch zu bleiben, Graf Öderland aber las ich bis tief in die Nacht und einem Gefühl der Beklemmung.

Mit den Kindern im Kindergarten auf einem Ausflug Bärenklauen gefunden. Der Bär wurde umgehend gesucht. Unterdessen sägte H. mit den „Großen“  Äste zurecht, begann eine Hütte zu bauen.  Nicht irgendeine Hütte-ein Piratenversteck!  Kein Absitzen der Zeit -zum Glück- Freude.

5 Kommentare zu “Aufbruch-Graf Öderland

  1. Kannte ich nicht, den Grafen Öderland. Klingt sehr… gut? Ich weiß nicht, klingt so, als würde da eine Menge Realität erzählt. Wobei Max Frisch uns Leser ja gern ein wenig ratlos zurück lässt.

  2. Hallo Xeniana,

    ich bin richtig glücklich, dass jemand meine Begeisterung für „Graf Öderland“ teilt. Die erste Szene schon finde ich genial: Der Staatsanwalt, wie er den Angeklagten immer mehr zu verstehen beginnt, begreift, wie da ein bisher unauffälliger, biederer Mensch einfach zur Axt greifen kann und jemanden erschlägt, und im Hintergrund immer wieder seine Frau: Hast Du die Tabletten schon genommen – hast du die Tabletten schon genommen? – Das ist einfach super geschrieben.
    Und dann Hilde als ein Sehnsuchtswesen, von dem er Erlösung erhofft …
    Der Staatsanwalt, ein bisschen ein fliegender Holländer, der sich ins Buch verirrt hat und auch so ein Mann, der Erlösung durch eine Frau erhofft … und in Wirklichkeit seine wirkliche weibliche Seite sucht . . .

    Ich finde noch mehr Stücke von Max Frisch einfach klasse, aber sie sind alle in Vergessenheit geraten bzw. haben es nicht erfolgreich auf die Bühne geschafft (außer „Biedermann und die Brandstifter“).
    Für mich ist er einfach ein ehrlicher Schriftsteller – alles, was er schreibt, kommt bei mir so ehrlich an -, der dem Leser immer Raum lässt für seine eigenen Gedanken (im Gegensatz zu Thomas Mann, der alles bis zum Geht-nicht-mehr ausdappt – sorry, ich mag ihn nicht); das gefällt mir, dann kann ich beim Lesen meinen inneren Film drehen 🙂

    Liebe Grüße, ich komme wieder, ich finde sympathisch, wie Du schreibst!

    Johannes

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