„Träum ich von Deutschland in der Nacht….“

 

Seit Tagen verfolgen mich im Traum,  Folter, Krieg, Verdunklung der Fenster, Angst, Bombenangriffe, Aufmärsche von Nazis.

Heute nacht wachte ich schweißgebadet auf-man hatte eine Ärztin vom Restauranttisch hochgerissen und unter Gejohle weggeschleppt: auf Grund ihrer Hautfarbe. Eine schweigende Menge erstarrt.

Nur die Schreie der Frau und das panische Weinen eines Kindes. Hin und hergerissen zwischen der Angst selbst Opfer zu werden und dem Wissen einschreiten zu müssen, lief ich in eine Buchhandlung und bat den Inhaber die Polizei zu benachrichtigen. Jener, ein Herr in den Fünfzigern, distinguiert, bemerkte ironisch lächelnd: Es hätte schon alles seine Ordnung. Ob ich denn nicht auch der Meinung sei, Deutschland müsse deutsch bleiben…..

Man fand die Frau später, zusammengeschlagen, über ihr ein weinendes Kind.

Schlafen konnte ich nicht mehr und vertiefte mich als Therapie in Hölderlin, wie zuvor in den vergangenen Nächten auch.