Nicht sterben-von Terezia Mora

9783630874517_Cover[1]“ Die ersten 2 Jahre handeln immer von der Unerträglickeit. Dass es doch sinnlos ist, nutzlos, dass es keine gute Form dafür geben kann.“

„Nicht sterben“ ist ein Buch über Terezia Moras individuellen Weg zur Erzählung, zum Roman.

In den von ihr gehaltenen fünf Poetikvorlesungen ( Frankfurter Poetikvorlesungen) geht sie der Frage nach: Wie komme ich zu einer Erzählung? Wie komme ich zu einem Roman? Im inneren Dialog mit sich selbst oder ihrer Tochter gewährt sie Einblick in das Ringen um den Entwurf der Erzählkonstellation, Handlungsbogen, Recherche und akribischer Planung.

Wo beginnt man mit dem Schreiben? Wie komme ich vom Privaten ins Poetische?

Was muss in einem erzählenden Text dominieren um ihn nicht zu einem Bericht über eine Erzählung werden zu lassen?

Wie kommt man zum Kern der Geschichte?

Terezia Mora erschafft zur inhaltlichen immer auch eine formale Struktur. „Der architektonische Plan hilft mir dabei, die sehr komplexe Gesamtaufgabe in leichter überschaubare Teile aufzubrechen.“ Sie beginnt mit dem Prozess des Filterns, des Herausarbeitens, der großen Linien  und endet am Punkt wo man am kleinsten ist: „Großvater trinkt.“

Das ist der Punkt des Losgehens. „Jeder kann einen ersten und einen letzten Satz schreiben.“

Für mich zählt dieses Buch vielleicht zum Interessantesten (weil so überaus präzise und doch gleichzeitig persönlich), was ich bisher über das Schreiben gelesen habe. Es ist als würden diese Bücher von Mora mir einen Teil meiner verloren gegangenen, östlich geprägten Sprache zurückbringen und sie gleichzeitig verwandeln. Viele Bilder fanden sich allein durch ihre Fragestellungen. Wie war der Sprachgebrauch in meiner Familie? Durchaus interessant-ein sächsisch-pfälzisches Gemisch mit dem Beigeschmack von Sehnsucht und Exil. Wie war der Sprachgestus in der Schule-repressiv. Wie war der Sprachgestus in der Zeitung? Meine Mutter las das Neue Deutschland, mein Vater den Eulenspiegel und ich?

Terezia Mora, gleichsam wie die „Ortskundige“ aus dem Film „Stalker“ vonTarkowski, nimmt den Leser mit auf eine spannende Expedition hinter den Sperrgürtel. Eine Expedition die durch beobachten, anpirschen, hinterfragen, Neugier  zu neuen Erkenntnissen über Literatur, das Schreiben und nicht zuletzt sich selbst führt.

Leseprobe

 „Nicht sterben“ erschien 2014 im Luchterhand Literaturverlag.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.