„Was  würdest du antworten, wenn man etwas über Bautzen wissen wollte? Ständig über Bautzen. Ich bin unschuldig, das würdest du antworten,  und es wäre wahr. Unschuldig und bis zum heutigen Tag unwissend, weil ich das Volk bin, und das Volk hat nicht die Aufgabe nach hinten zu schauen, sondern zu arbeiten und zu konsumieren, Gegenwart und Zukunft, das sind unsere Zeiten, um die Vergangenheit kümmere sich, wer nichts anderes zu tun  hat. So habe ich es gesehen und gelernt.

Alle bekannten Großeltern waren Bauern, aber wir leben, den Krieg sei Dank, in einer anderen  einer neuen Welt, in der Schmutz unter Fingernägeln Hysterie bei Müttern auslöst.

Weite Felder aus hellen Teppichböden und Berge von Schlagsahne zum Filterkaffee am Sonntag, zwei Kannen Minimum, aber eher  drei pro Sitzung , Stunden über Stunden, da brauchst du kein Blei mehr.

Wenn Aufstieg heißt, endlich auch Kleinbürger sein zu dürfen.Nie wieder werde ich Kaffee und Kuchen zu mir nehmen, das schwöre ich hiermit feierlich.

Aus „Das Ungeheuer“ von Terezia Mora

3 Kommentare zu “

  1. buchwolf sagt:

    Xeniana, du bist ja ganz am Puls der Zeit! Wie ist dein Endruck vom Buchpreissiegerinnenbuch? Lesenswert? Oder mehr Pflichtübung? Die Stelle klingt ja nicht schlecht. Und es gab schon wunderbare Buchpreisgewinner (z. B. Arno Geiger, Uwe Tellkamp).
    Wolfgang

    • Xeniana sagt:

      Tatsächlich hab ich mir das Buch geholt, weil es den Deutschen Buchpreis bekommen hat und weil ich die Autorin bei der Verleihung so Klasse fand. Nein es ist weitab von Pflichtlektüre. Ich lese jetzt schon langsamer, damit ich es nicht so schnell durch habe. Es ist allerdings auch kein Buch , dass man schnell durchlesen kann. Sie geht in die Innenansicht einer Depression, so dass man beim Lesen hofft nie selbst so abgrundtief zu verzweifeln.Ja ein sehr lesenswertes Buch!

  2. buchwolf sagt:

    Sorry, meinen Comment von vorhin – den hast du ja schon längst beantwortet. Man sollte Blogs nicht gegen die Zeitrichtung lesen…
    Wolfgang

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