„Stoner“ von John Williams

Stoner ist Sohn von Landarbeitern. Er kennt den alltäglichen Kampf, dem Boden Nahrung abzutrotzen, das Vieh zu versorgen, Wind und Wetter zu widerstehen.
Vermutlich hat er in diesen Jahren die Fähigkeit erworben, das Leben zu nehmen, wie es ist, ohne darin verloren zu gehen.
Seine Eltern möchten, dass er Agrarwissenschaft  studiert.Die Böden sind ausgelaugt, traditionelle Methoden scheinen nicht mehr den gewünschten Ertrag zu bringen. Sie erhoffen sich viel von ihrem Sohn.
Es ist das Jahr 1910.Der junge Erwachsene fügt sich diesem Wunsch, wenn auch nicht voller Freude. An der Universität in der kleinen, abgelegenen Stadt Missouri besucht er  einen Literaturkurs. Er versteht kein Wort von dem was gesagt wird und als der kauzige Dozent Stoner auffordert etwas zum 73. Sonett von Shakespeare zu sagen, versinkt er in Schweigen.  Stoner aber  fühlt sich von Shakespeare so angesprochen , dass hier seine Begeisterung für Literatur seinen Anfang nimmt.
Er bricht aus  seinem bisherigen Leben aus und studiert Literaturwissenschaft.
Er  wird Dozent , lehrt mit Leidenschaft.  In seiner ehe ist er nicht glücklich. Seine Frau liebt ihn nicht und ist fast grausam zu nennen. Ihr gemeinsames Kind erzieht er zunächst allein, weil auch hier seine Frau keine Liebe zeigen kann. Später wird die Ehefrau ihm die Tochter wieder entreissen.
Eine Liebschaft an der Uni endet durch  Intrige, auch beruflich wird es zunehmend schwieriger. Stoner stirbt mit 63 Jahren an Krebs. Er sieht sein Leben noch einmal vor sich ablaufen so wie es war und so wie es hätte sein können.
Die Geschichte beginnt fast langweilig.
Es ist die ganz eigene Persönlichkeit ­Stoners, die den Leser langsam und unmerklich in ihren Bann zieht. (Ich habe eine Nacht durchgelesen, trotz 3 zu versorgender  Kinder am nächsten Morgen).Das Besondere ist die Einstellung die ­Stoner dem Leben gegenüber einnimmt. Ähnlich wie dem Kommen und Gehen der Jahreszeiten, begegnet er Höhen und Tiefen des Alltages.
Er folgt seiner inneren Stimme, beurteilt Situationen und Menschen,  verurteilt nicht und  ist bereit für seine Überzeugungen einzustehen.
Es ist eines dieser Bücher, dass ich am liebsten nach dem Lesen sofort von vorn begonnen hätte. Kein Wunder, dass Anna Gavalda ,  nach der Übersetzung dieses Buches ins Französische, sich in den Protagonisten verliebt hat. Man kommt nicht umhin, es verändert einen beim Lesen.

Das Buch wurde erst nach dem Tode Williams,  selbst Literaturprofessor, wiederentdeckt. Erschienen ist es erstmals 1965 in den Vereinigten Staaten, wiederentdeckt von Edwin Frank 1994.
Erschienen ist „Stoner“ in Deutschland 2013 im dtv, durch dessen Leserunde zum Buch ich aufmerksam geworden  bin.
Unbedingt  empfehlenswert!!!

3 Kommentare zu “„Stoner“ von John Williams

  1. mickzwo sagt:

    Ich denke so bei mir: Das Leben ist. Je nach dem wie man etwas betrachtet, regt es auf oder ab. Dem Leben ist das herzlich egal.

  2. Lakritze sagt:

    (Ich komme drauf zurück, weil ich dieses Buch absolut erstaunlich fand. Ich mochte, wie der Held es schafft, hinzunehmen, ohne sich aufzugeben; ein Freund fand genau das so unerträglich, daß er das Buch fast weggelegt hätte.)

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