„Die Sonnenposition“ von Marion Poschmann

Altfried Janich,Rheinländer,  arbeitet nach der Wende in der ostdeutschen Provinz. Ein Neuanfang in einem herrschaftlichen Gebäude „dem Schloss“, dass nach geschichtsträchtigen Dasein nun eine Psychiatrie beherbergt.

Er findet Erfüllung in seiner Berufung als Psychiater, verbindet Leben und Arbeit, wohnt an seinem Arbeitsplatz. Der rundliche, rothaarige Rheinländer bezieht Anerkennung (auch seine Anerkennung gegenüber sich selbst)aus der Rolle die er gegenüber seinen Patienten einnimmt. Er ist wichtig. Er ist Jemand. Diese Befriedigung geht ohne Machtanspruch einher, was Janich sympathisch erscheinen lässt.

„Maroder Charme, leise Melancholie, als hätte sich ein Schleier über alles gelegt, ein Schleier der Distanz zu  der Welt „.“  Die Welt wird verkörpert durch ein Dorf , wenige Kilometer entfernt vom Schloss gelegen.

Im Gegensatz zum Leben im Schloß,  scheint das Leben im Dorf an Alltäglichkeit und Lethargie zu ersticken.

Alfried, der alleine lebt,  gerät durch den  Tod seines einzigen Freundes Odilos ins Straucheln.  Schlaflos wandelt er nachts durch die Gänge des Schlosses und  isst mangels nächtlicher Kochmöglichkeit halbrohe Reibekuchen. Man stellt sich beim Lesen die Frage: wer hier eigentlich „krank“, wer „gesund“ ist und ob es  wirklich sinnvoll ist diese Unterscheidung zu treffen.

Berichte aus Krankenakten machen Brüche deutlich, die nachvollziehbar sind, normal, normaler als das Leben im Dorf ,das jedes Anderssein zu deckeln, nicht zuzulassen scheint.

Das Schloss,  mit seinen Bewohnern die vom Leben  selbst  verletzt sind,  nimmt eine zentrale Rolle  in der Geschichte ein. Altfried wird nach dem Tod Odilos oft in seinen Erinnerungen zurückgeworfen , die auch die Kriegstraumata seiner Eltern nicht aussparen und die ihre Macht bis in die gegenwärtige Generation entfalten.

Das Buch macht es einem nicht einfach und lässt einen doch nicht mehr los. Immer wieder zersplittert die Handlung wie über einem Teller Orangen, der nach demMittagessen im Schloß verteilt wird.

Die Sprache ist zart und kraftvoll zugleich.

Erschienen ist der  Roman bei Suhrkamp und ist für den „Deutschen Buchpreis“(Shortlist 2013) nominiert. Valeat empfiehlt den Livestream zur Verleihung!

„Die Sonnenposition“ von Marion Poschmann wird ausserdem mit dem Wilhelm-Raabe Preis ausgezeichnet.

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