Die geheimnisvolle Minusch/ ein Kinderbuch von Annie M. G. Schmidt

Die geheimnisvolle MinuschVorsicht Spoiler!

Minusch- Katze mit Haus und Vorgarten, findet sich unerwartet als junge Dame wieder, nachdem sie von einer Flüssigkeit kostete .  Nun äußerlich Mensch,  innerlich jedoch Katze,  gibt sie  Köpfchen, schnurrt, kratzt, faucht, kraxelt über Dächer oder flüchtet vor Hunden.

So findet „Tibbe“ ein erfolgloser Journalist die junge Dame ,  auf einem Baum, den sie sich als Fluchtort vor einem Hund erkoren hat .

Tibbe versucht die Story zu Papier zu bringen. Er ist unter Zugzwang. Es droht ihm die Kündigung, aber auch diese Begebenheit ist zu unspektakulär. Hilflos sitzt er im Schein der Tischlampe in seinem  Dachbodenzimmer. Er weiß nicht mehr weiter. Hilfe naht schleichender Tatzen.

Minusch klopft  an diesem Abend an Tibbes Dachfenster. Es regnet in Strömen. Sie bittet um Asyl.  Im Gegenzug verspricht sie Stoff für eine Story zu besorgen: „Kratzbürste hat Junge.“  Der junge Reporter unterliegt jedoch einem Verbot über Katzen zu schreiben.  Die Story ist zu unspektakulär, da erwähnt Minusch  beiläufig den Fund eines Topfes Gold im Garten des Pastors. Gefunden und ausgescharrt von Frau Pastor, so der Name der  Katze des Pastorenhauses.  Diese bewach den Fund miauend,  im nächtlichen Dunkel.

Man ahnt es bereits :

Tibbe wird erfolgreich. Die Katzen der Stadt versorgen ihn mit Neuigkeiten, decken politische Skandale und Ungerechtigkeiten auf. Minusch versorgt sie dafür mit Hering vom Fischverkäufer.

Bei demVersuch unbestechlich zu bleiben,  gilt es so manche Herausforderung zu meistern. Am Ende wird alles gut. Minusch entscheidet sich Mensch und bei Tibbe zu bleiben. Der nimmt sie ab jetzt so wie sie ist: kätzisch eben.

Unsere Kinder lernten die Geschichte  der Minusch zunächst als Film im einmal monatlich stattfindenden „Kinolino“ in der hiesigen Kunsthalle kennen. Es ist ein poesievoller Kinderfilm. Er avancierte  schnell zum Lieblingsfilm unserer Familie.

Das Buch gehört zu den Büchern die bei den Kindern einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Es ist ein Stück Kindheit geworden.

Anna wies mich darauf hin, dass ihr diese  Übersetzung des Buches (erschienen bei dtv) sehr viel besser gefallen habe.

Annie M. G. Schmidt war  Ende der 1950 ziger Jahre die  bekanntestete  niederländischen Kinderbuchautorin. Das Buch „Minoes“ erschien 1970 .

Calpurnias evolutionäre Entdeckungen von Jaqueline Kelly

KELLY_24165_MR.inddIn der letzten Woche, suchte ich hier im Blog nach einem Tip für ein Kinderbuch.  Ich bekam wirklich gute Ratschläge  und entschied mich letztendlich für Calpurnia´s evolutionäre Entdeckungen. Danke an Kristina !

Das Buch wurde heute ein Geburtstagsgeschenk für ein 11 jähriges Mädchen mit drei Brüdern, dass gerne Forscherin werden möchte.

Zum Buch: Auch Calpurnia ist 11, Jahre alt, hat 6 Brüder und möchte Forscherin werden.  Es ist das Jahr 1899 in Texas.

Calpurnia kommt aus guten , wohlbehüteten Verhältnissen und ihre Mutter möchte gerne, dass sie Deütantin wird. Ein Wunsch der ihr selbst wegen des Krieges verwehrt blieb. Calpurnia erträgt die Klavierstunden, bei Sticken, Klöppeln, Kochen lernen hört der Spaß  jedoch auf.

Das Leben ihrer Mutter kommt ihr wenig erstrebenswert vor und sie sieht den Sinn des Debütierens deshalb auch nicht. Schöne Kostüme, Bälle  nur um später einen Mann zu finden, eine  Familie ernähren, zu bekochen, bestricken, umsorgen erscheint ihr  langweilig.

Sie liebt es mit ihrem Großvater am Fluss entlang zu ziehen, Insekten zu beobachten,  Pflanzen zu pikieren, schlicht die Wunder der Natur zu entdecken. Calpurnia zieht in ihrem Zimmer eine Raupe Namens Petzi auf, die sich zu einer ziemlich großen Motte entwickelt, hütet Kaulquappen  und liest Darwin.

Das Buch gibt einen Einblick in die Lebenswelt vor 115 Jahren in Amerika.  Es ist eine unaufgeregte Geschichte über ein unangepasstes Mädchen und es ist st ein wunderbares Kinderbuch.

Ich werde es auch Anna bei der nächsten Gelegenheit schenken.

Erschienen ist das Buch bei Hanser.

Sei wachsam!

skriptum ~ Eigen[/artig]es

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Sehr hörens- und bedenkenswert, immer wieder!

Wer den Text gern mitlesen möchte, der klickt einfach in dem youtube-Fenster unten rechts auf den YT-Button und wird weitergeleitet. Unterhalb des Video-Fensters ist der Textbeginn. Wer auf „Mehr anzeigen“ tickert, bekommt den gesamten Text. Es lohnt sich!

Ich wünsche Euch eine völlig unbedenkliche Woche, ohne jedoch die wirklich wichtigen Dinge aus dem Sinn zu verlieren. ☼

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„Die Geister die uns folgen“ von Janine di Giovanni

Die Geister die uns folgenSie weiß  wie man sich in Sicherheit bringt, in Gefahr überlebt und sich im Chaos des Krieges zurechtfindet.

Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni berichtet in ihrem Buch von ihrem Versuch im Frieden ihren Platz zu finden gemeinsam mit ihrer großen Liebe und Ehemann Bruno. Sie ist schwanger und beginnt in Paris ein Nest zu bauen.

Das Bedürfnis die kleine werdende Familie zu schützen manifestiert sich physisch. Sie hortet Lebensmittel,Verbandsmaterial,Medikamente, Wasser. Sie liest Bücher über Menschen die während des 2. Weltkrieges aus Paris geflüchtet sind und entwirft anhand dieser Geschichten Fluchtrouten mit Treffpunkten.  Sie liest Schwangerschaftsratgeber und gleichzeitig „Erste Hilfe“ Bücher mit deren Hilfe sie sich beibringt Granatsplitter zu entfernen. Sie hat weder ein Kinderbettchen, noch einen Strampler als sie bereits hochschwanger ist.

„Wir sind hier in Paris“ versucht ihr Mann Bruno  sie zu beschwichtigen…“nicht in Grosny, nicht in Abidjan.Wir sind in Sicherheit.“

Woher er das wissen wolle was fragt sie Bruno.“Das hat man über Jugoslawien auch gesagt.Und eines Tages bekam man an dem Bankautomaten kein Geld mehr.“ (In diesem Video beschreibt sie einen ganz normalen Tag zu Kriegsbeginn in Sarajevo)

Janine ist nicht mehr Herrin ihrer Ängste , die nun durch nichts verdrängt an die Oberfläche drängen.

„In den Jahren , in denen ich von einem Kriegsgebiet ins nächste gezogen war, hatte ich nie Albträume gehabt.Vielleicht verhinderte ein innerer Schutzmechanismus, dass ich zu intensiv in mich hineinsah.Nun aber begannen sie. lebhafte Träume von brennenden Häusern, Menschen ohne Gliedmaßen, Kindern die in Heimen gefangen waren.Ich dachte ständig an Tschetschenien, wo ich die Kampfhelikopter gehört und mir  die Ohren zugehalten hatte, weil ich sicher war, dass ich vom Geräusch der Bombeneinschläge verrückt werden würde.Oder an Ost-Timor, wo ich hinten auf einem Motorrad mitgefahren war und die brennenden Häuser gerochen, das Grauen in den Gesichtern der Menschen gesehen hatte.“

Ihre Hoffnung es würde sich hier in Paris schon alles einrichten, erscheint ihr bald schon blauäugig.“Eines Tages wurde mir klar, dass mir der Krieg mit all seinen Gefahren ganz normal vorkam.Mein wirkliches Leben mit seinen scharfen Ecken und Kanten, das war fürchterlich schwierig für mich.“

Während sie langsam aber sicher in Paris Fuß fasst (die Asche in ihrem Inneren beginnt sich zu lichten) , beginnen  bei ihrem Mann Bruno die Albträume.  Er bekämpft sie mit Wein und Jazz mitten in der Nacht.  Janine träumt von Toten, deren Gesichter sie nicht sehen kann, tieftraurig mit amputierten Gliedmaßen und blutenden Wunden.

In ihrem dritten Jahr in Paris nach einem Bandscheibenvorfall, erneuten Malariaausbruch und übermäßigen Alkohohlkonsum bricht Bruno zusammen und findet später einen Halt in in täglichen AA meetings. Ihre kleine Familie wird der Wucht des Erinnerten Erlebten nicht gewachsen sein.“ Das Leben mit seinen Ecken und Komplikationen lief für unsere Beziehung nicht so gut wie  in Kriegszeiten.“ Trotz räumlicher Trennung bleibt aber ein emotionaler Zusammenhalt.

Janine erzieht den kleinen Lucas, nimmt Nachhilfestunden in französisch, lernt französisch kochen und lässt die Trauer der Vergangenheit hinter sich.Es wird sie nicht abhalten später erneut nach Afghanistan zu gehen oder sich den Schatten der Vergangenheit in Sarajevo zu stellen.

Das Buch hat kein „Happy End“ . Es beschreibt das Leben  mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung., mit den Schatten der Vergangenheit.

Mich hat dieses Buch von der ersten Seite an mitgerissen  in eine fremde Welt in der das Chaos sicherer scheint oder besser zu bewältigen, als das Leben zu Friedenszeiten. Es erinnerte mich in vielem an die Bücher Tiziano Terzanis, wenn auch stilistisch verschieden, ähnelt es sich in der Rast und Ruhelosigkeit und in der Unfähigkeit zu bleiben, sich  einzurichten.

Das Gesehene bleibt, lässt sich nicht vergessen, man lebt mit den Geistern oder geht mit ihnen unter.

Gefunden habe ich dieses Buch (und dafür bin ich sehr dankbar) durch eine Rezension auf Jargs Blog.

Erschienen ist es 2011 bei „Berlinverlag“

Einen guten Tip habe ich bei alexentdecktdiewelt.wordpress.com bekommen. Ein sehr interessanter Artikel ist unter diesem LInk zu Janine di Giovanni zu finden.