Vom Schlafen und Verschwinden-von Katharina Hagena

Man fühlt  sich in Händen der Protagonistin, Somnologin  Ellen Feld,  gut aufgehoben. Ihre Aufzeichnungen der wachenden Schläfrigkeit abgetrotzt, dem Zwischenreich entrissen, geben jene Stimmung  wieder, wenn alles zu schlafen scheint außer man selbst.Ellen Feld verfällt  trotz oder gerade auf Grund ihrer Spezialkenntnisse der Schlaflosigkeit.

Die Einsamkeit in der Stille der Nacht, das Denken ehr assoziativ, Ängste die an die Oberfläche blubbern wie faulige Blasen.

„Umrisse der Jalousien und Schnüre zeichnen ein Schattengespinst auf die Wand und mir fällt ein, was im Abendblatt über die Spinnen stand. Eine Invasion von Brückenspinnen gebe es hier in Hamburg. Die Spinnen leben zu Tausenden auf den Gebäuden am fließenden Wasser und nachts kriechen sie auf den Fassaden und Pfeilern herum, fressen, paaren und vermehren sich und spinnen alles ein. Selbst über den Fenstern hängen ihre Netze und darin Reste vertrockneter Fliegen, Fetzen alter Kokons oder halb aufgefressene Artgenossen.“

Ich schaue auf den Wecker, zehn vor vier. Wie üblich. Ich ziehe die nachtisch-Schublade auf, fege den Wecker mit dem Handrücken hinein und schiebe zu. Sein Ticken ist um diese Zeit ohrenbetäubend, und seine Zeiger rasen.ich drehe mich auf den Rücken und fühle, wie mein Gehirn dem Cortisol freie Bahn gewährt. Ich stelle mir vor, wie eine ockerfarbene Schleusenwand aus Hirnmasse hochgezogen wird und die schwarze Galle hervorschießt, um sich rasch in meinem Blutsystem zu verteilen. Gleich werde ich nicht nur hellwach, sondern auch noch schwermütig sein.“

Aus „Vom Schlafen und Verschwinden“ von Katharina Hagena

hamburg 020-001

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