Das Licht in ihren Augen von Marita van der Vyver /Rezension

das licht in ihren augenWenn ich fünfundsechzig bin, dachte ich, werde ich noch mal richtig anfangen zu leben.Selbstsüchtig und genüsslich. Dann werde ich tun, was ich will, nicht was ich muss. Das zweite Leben der Adele Bothma.

Jetzt weiß ich es besser . Mit fünfundsechzig werde ich tot sein.“

Adele Bothma 65 Jahre alt wird von ihren beiden Töchtern Bella und San nach Hause geholt zum Sterben. Adele hat Krebs im Endstadium.

Zu Hause, das ist das Dorf Vergenoeg in Südafrika. Zu Hause , das ist ein Haus in dem es kein Ton-in-Ton Thema gibt, in dem die Wände zu gelb sind , und der Teppich zu rot  .

Während Adele auf ihre letzte große Reise geht, blickt sie zurück und  gleichzeitig  nach vorn . Zurück auf das was war und vor auf das was nicht mehr sein wird.

„Zum Beispiel Indien. Meine Seele schmachtet nach Indien, mehr noch als nach Japan, nach der chaotischen Überfülle Indiens…..Ich wünschte ich wäre in die Ferne gereist….Irgendetwas ist immer dazwischengekommen. Das Geburtstagsfest eines Enkels, ein Schulkonzert, eine Party oder ein Dinner, für das der Festsaal geschmückt werden musste….“

Das ist doch wirklich ungerecht.Wenn ich daran denke, wie viele Leute ihre Rentnerjahre als Couchpotatoes verbringen!Vor dem Fernseher hocken.Nicht mal mehr die Zeitung lesen, geschweige denn ein gutes Buch. Ich sehe es doch schon allein hier im Dorf. Sie haben nicht das geringste Interesse mehr an dem, was in der Welt vor sich geht. Geschweige denn,  dass sie noch etwas vom Rest der Welt sehen wollen.

Man sollte sein Leben nicht aufschieben.Das werde ich meinen Töchtern sagen, falls sie mich um einen letzten Ratschlag bitten…..“Lebe San! Lebe Bella!Lebt!“

Bella,  die jüngere Tochter von je her eine Rebellin, eine die ihr Leben ausschließlich nach ihrer eigenen Fasson gestaltete ,  lebt als Jazzsängerin in Paris und ist trotzdem nicht glücklich. Nicht glücklicher oder unglücklicher als ihre Schwester San die,  immer schon  die brave Ecke besetzte , wie ihr Vater Jura studierte, heiratete , drei  Kinder bekam und sich dabei selbst verlor.

“ Sie war schon lange nicht mehr San Steyn. Sie sah sich nicht mehr als die treusorgende Mutter von drei Kindern oder als die Stütze ihres Ehemannes, eines erfolgreichen Rechtsanwalts. Sie konnte keine treue Freundin und auch keine geduldige Schwester mehr sein. Sie idenftifizierte sich jetzt nur noch  mit ihrer Rolle als pflichtbewusste Tochter. Dazu war sie geworden. Zu einer Tochter , die ihre Pflicht erfüllte.“

Was keiner weiß: San ertränkt Sehnsüchte, Überforderungen und Müdigkeiten in Alkohol.

Sterben und Sterbebegleitung werden hier auf eine behutsame und sehr persönliche  Weise zum Thema. Alte Konflikte brechen auf, Familienstrukturen neu definiert. Marita van der Vyver gelingt es in diesem Roman die Möglichkeiten und Schwierigkeiten die mit diesem Prozess  der Sterbebegleitung verbunden sind partiell darzustellen.

„Ich schaff das einfach nicht mehr“, flüsterte San im Dunkeln ihrem Mann zu, als sie eng umschlungen in dem Kupferbett lagen, tief unter die Rosendecke gekuschelt. „Ach was“, flüsterte er…“Du schaffst doch immer alles. Nein, diesmal nicht, Johannes. Sie erschrak vor ihrer stimme, die schrill klang vor Angst.“ Ich will nicht,  dass sie stirbt! Und ich will ihr auch nicht auch noch beim Sterben helfen.“

Die Rollen werden vertauscht.Adele wird  gewickelt, gewaschen, angezogen und gefüttert. und trotz dem bleibt sie  über ihre ihrer körperliche Hilfsbedürftigkeit  hinweg, immer noch Mutter.“… im Rückblick auf unbeschwerte Tage in Afrika lehrt sie die jungen Frauen behutsam, sich selbst anzunehmen.“(Klappentext)

Während  Adele sich im Zwischenreich von Wachen und Schlafen  noch einmal in die  Vergangenheit begibt. entdeckt Bella Sans Alkoholproblem.  Nach einem Streit der beiden Schwestern in dem mit der Kindheit jeder auf seine Weise abrechnet, durchtrinken   sie die Nacht. Sie finden zueinander im Gespräch , als die Masken fallen. In dieser Nacht stirbt Adele.

Dieses Buch, ist ein Buch das ich immer wieder lese. Ich weiß gar nicht wie es zu mir gefunden hat. Es  ist ein Buch über das Sterben, aber so lebensbejahend das man  mit jeder Zeile an die Kostbarkeit des Lebens  erinnert wird. Was bleibt? Was ist wichtig? Es ist auch ein Buch über das Leben „“Wild und voller Widersprüche.“

“ Nachdenklich. Tröstlich . Weise. ein großes Buch von den Dingen des Lebens.“, so steht es im Klappentext. Dieser Meinung schließe ich mich an. Eine  bewegende Geschichte , das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Geschrieben hat das Buch Marita van der Vyver- sie wurde in Kapstadt geboren und wuchs in Südafrika auf.“Die rennomierte südafrikanische Autorin lebt heute mit ihren vier Kindern und französischen Ehemann in Südfrankreich.“(Klappentext)

Erschienen ist das Buch bei luebbe.

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