„Heisshunger“/Joanne Fedler/Rezension

heisshunger-9783426508503_xxlJoanne Fedler 36,Südafrikanerin, Exilaustralierin,Ehefrau,Mutter, übergewichtig, sieht ein Urlaubsfoto von sich (im Bikini) und erstarrt. Das aber nur kurz , denn die Sichtung dieses Fotos ist Startschuß in eine kalorienärmere Zukunft und nicht nur das.

Sie will ihre Bikinifigur wiederhaben und wendet sich zur Unterstützung an die „Diätdomina“ eine Stabheuschrecke im Minirock, die ihr zukünftiges Opfer kurzerhand als partiell adipös bezeichnet. Fedler beschämt über ihr molliges Dasein, „kann sich kaum noch an die Kriegerin erinnern , die sie mal war.“

„Ich hab es ziemlich schwer gehabt, seit wir aus Südafrika ausgewandert sind“,wimmert sie.“Ist das die Ausrede, die sie den Rest des Lebens vorschieben wollen?Ich bin dick,weil ich ausgewandert bin?, gibt die Stabheuschrecke gnadenlos zurück.

Jonne Fedleer unterwirft sich ihrem strengen Regiment, zählt fortan Nudeln(14 zu Mittag sind erlaubt) und darf fortan nur essen , wenn sie wirklich hungrig ist.

Allerdings gibt es ein kleines Problem. Sie hat vergessen wie sich Hunger anfühlt und begibt sich nach ihm auf die Suche. Sie findet auf dieser Suche nicht nur ihren Hunger wieder , sondern sich, und versteht erst spät den Ausspruch der Ernährungsberaterin „freunden sie sich mit ihrem Hunger an.

Den  Kampf um ein schlankeres Ich, schreibt sie sich von der Seele. Trotzdem ist es kein Diättagebuch, sondern vorderhand ein Buch über das Leben und seine Herausforderungen.Es handelt von Heimweh, von Südafrika, von Gewalt, von Entwurzelung und dem Ringen um Verbindung.

Der Hunger ihrer Seele dient ihr als Wegweiser auf einem Weg den sie zunächst behäbig Schritt für Schritt geht. Im Kokon des Wartens aber hat sich unterdes unbemerkt ein Schmetterling entwickelt.

Leicht, humorvoll und gewichtig so empfand ich dieses Buch. Ich habe es kaum aus der Hand legen wollen.

Joanne Fedler ist Autorin des Bestsellers „Weiberabend“ . Erschienen ist das Buch „ Heißhunger““  bei Knaur.

7 Kommentare zu “„Heisshunger“/Joanne Fedler/Rezension

  1. stefanolix sagt:

    Man muss sich ja nicht einer Domina unterwerfen, um zu einer körperlichen Balance zurück zu finden.

    Solange das Gewicht in einem gesunden Rahmen bleibt, ist es doch egal, welche Größe die Bademode hat. Für die Gesundheit unserer Körper sind Abmagerung und Fettsucht gefährlich.

    Deshalb finde ich »body acceptance« im gesunden Rahmen richtig und notwendig. Ich halte aber das Einfordern von »fat acceptance« bei gleichzeitiger Verweigerung der Eigenverantwortung für sehr gefährlich.

  2. Xeniana sagt:

    Nein man muss nicht…Manchen ist das Maßhalten gegeben, manchen nicht. Heißt nicht das ich es für unmöglich halte…)vermutlich kann in solchen Fällen eine Ernährungsberaterin tatsächlich helfen oder weight watcher oder was weiß ich. Mein Fall ist es allerdings auch nicht..
    Was ist fat acceptance?

    • stefanolix sagt:

      Mein spontaner Gedanke dazu: Die Beratung muss unabhängig und professionell sein. Sie muss auf die Selbständigkeit der Beratenen ausgerichtet sein. Eine Firma, die den Leuten kalorienreduzierte Produkte anbietet, macht die Beratenen ja schließlich doch nur von sich abhängig.

      Die Aktivistinnen und Aktivisten der »Fat-Acceptance«-Bewegung sind gegen jede Diskussion über die Themen Übergewicht und Maßhalten, weil sie grundsätzlich eine Diskriminierung unterstellen. Gern wird auch argumentiert, die gesellschaftlichen Verhältnisse seien schuld am Übergewicht.

  3. Xeniana sagt:

    Ich war noch nie bei einer Ernährungsberaterin oder vielleicht doch…stimmt in der Mutter Kind Kur. Die wollten mich aber nicht ins Adipositas Programm aufnehmen weil ich die Zielmarke vom BMI nicht erreichte:)
    Also ich glaube nicht das Ernährungsberater Diätprodukte empfehlen. Obwohl Weight Watcher hat ja seine eigenen teuren Produkte. Also hast du doch wieder mal Recht:)

    Danke für die Erklärung mit der fetten Akzeptanz!

    • stefanolix sagt:

      Ich hätte es besser gliedern sollen. Die beiden ersten Sätze im oberen Absatz bezogen sich auf die Beratung.

      Es besteht die Gefahr, dass Beratene von Beratern abhängig werden. Deshalb mein Verweis auf das Ziel: Selbständigkeit gewinnen. Ein Berater muss sich überflüssig machen.

      Erst der dritte Satz bezog sich auf die Hersteller der (meist relativ teuren) kalorienreduzierten Fertigprodukte.

      Ich habe mal im Netz den Slogan »Kochen ohne Tüte« gefunden, z. B. auf dieser Seite. Ich finde die Idee toll und verwende nur ganz wenige industriell gefertigte Zutaten. Man muss es aber nicht ins Extrem treiben. Eine Tüte Geliermittel darf es bei mir z. B. schon sein – das Apfelpektin stelle ich nicht noch selbst her 😉

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