Nisami!/Eva Strittmatter

 Nisami!

Man hat mir eine Sklavenseele eingebaut

Von Kindheit an: des Weibes Seele.

Die gibt in mir noch immer Laut

Und flüstert mir, was ich verfehle,

An Pflichterfüllung schuldig bleibe.

Kein Alibi gilt, daß ich schreibe.

„Aber das Haus ist nicht gefegt!“

Und wenn ein Dichter mich bewegt

Und ich ihm folge selbstvergessen,

Schreckt mein Gewissen mich: kein Essen

Gekocht!Ich überstürze

Mich in die Küche und erfinde,

Vermittels flammender gewürze,

Speisen, an denen selbst der blinde

Erkennt, daß er im Orient ist.

So geht´s wenn man Nisami liest

Und auf Basaren persisch handelt…

Hat man sich dann zurückverwandelt

Ins angestammte Weibsgeschlecht

(In einer Rolle Koch, Magd,Knecht)

Reuig, als ein geheimer Sünder,

Verbrühn als Folge sich die Münder

Mann, Söhne und die Küchengäste,

Und das Gewissen hat Maläste,

Weil es das nicht entwirren kann:

Bei Leib Weib, im Geiste Mann,

Der gehn will, ohne Rechenschaft

Von seinen Handlungen zu geben.

(Ich sammle grade alle Kraft,

Die Sklavin in mir totzuleben.)

Eva Strittmatter

Ein Kommentar zu “Nisami!/Eva Strittmatter

  1. […] findest du das?” frage ich den Gatten, nachdem ich ich ihm das Gedicht Nisami von Eva Strittmatter vorgelesen […]

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