Lohn und Brot und dann?

“ Freitag !“,  sagte er. „In einer Woche gibt es Zahltag.“

Es ist das Dasein der meisten: ein Dasein von Sklaven, die sich freuen, dass schon wieder ein Monat ihres Lebens vorüber ist. Man könnte sie grausamerweise fragen, wozu sie denn leben?…

Was jeder kann , seine Freiheit verpfänden. Jedes Geschöpf, wenn es schon einmal geboren ist, möchte leben. Und eben darum sitzen sie an diesen Tischen, bücken sich über eine Schreibmaschine oder einen Rechenschieber, während draußen ihr eigenes Leben vergeht. Das ist die große Galeere. Sie sehen, dass alle es müssen, fast alle ; sie tragen es fast ohne Anflug von Verzweiflung. Ein anderes  Dasein ist ihnen nicht möglich; so muss es wohl das Wahre sein. Sie können ein anderes schon nicht mehr denken-(Um nicht wahnsinnig zu werden.)

Max Frisch  DS.S.152f

 

Werden

„Werden“ -hier  kann man ein ziemlich beeindruckendes  Video vom Schweitzer Bildhauer  Martin Raimann sehen.

IDem Schweizer Bildhauer Martin Raimann bin ich  vor etwas mehr als 16 Jahren begegnet.  seine Arbeiten sind beeindruckend und machen nachdenklich.

Beeindruckender Künstler!

„Martin Raimann arbeitet  zurückgezogen, aber für vieles offen und empfänglich.

Er hat (s)eine Werkstattkultur geschaffen. Ein Ort, wo Vergehendes neu entsteht, ein Ort
auch, an welchem man sich, umgeben von Zerbrochenem und Neuentstandenem, in eine
Aura des symbiotisch Schönen versetzt fühlt. Damit etwas Neues entstehen kann, muss Gewordenes brechen, sich wandeln. Sowenig Martin Raimann seiner Experimentierfreudig-
keit Grenzen setzt, sowenig kennt er Grenzen bei der Auswahl der Materialien. Was die
Natur uns als Materie gibt, wird durch seine Hand beseelt. Ohne feste Vorstellungen, in
spielerischer Leichtigkeit entstehen Werke einer berührenden Ehrlichkeit.“

„Und jetzt die Aufforderung „werde“!   Werde!

Am Rand der Gesellschaft/eine Begegnung mit Angehörigen der Roma in Rumänien/87

Ich hielt ein Baby im Arm, der kleine Körper  schlaff. Der dunkle Teint trotzdem  bleich, auf der Stirn kalter Schweiß. Eine Frau mager, abgezehrt mit Kopftuch, hatte mir das Baby in den Arm gelegt.

Ich stand in einer Wellblechhütte deren Wände mit Werbung bunter Illustrierter tapeziert war.  Zahnlose Alte, barfüssige Kinder mit dunklen Locken und dreckverschmierten Gesichtern, ausgemergelte Frauen und Männer denen man die Armut ansah, versammelten sich in dieser Behausung um mich-den Gast zu bestaunen.Mit meinen siebzehn Jahren war ich unvermutet mit  einer Armut konfrontiert die mir den Atem verschlug.  Ich hatte mich schick gemacht.Nun war der lange dunkelrote Seidenrock staubig, das von der Sonne ausgeblichene Haar klebte mir im Gesicht.Angst verspürte ich nicht.

Man reichte mir Brot, Zwiebeln und Wasser. Ich mochte die Gastfreundschaft nicht ablehnen, hoffte genug Abwehrkräfte zu besitzen um das Essen zu überleben. Es stank nach Müll, die Erde war trocken und staubig .

Hunde bellten,  als ich begleitet von zwei Kindern die „Siedlung“ verließ. Ich kehrte zurück zur siebenbürgischen Hochzeit, noch immer unter Schock. Zwei Welten parallel nebeneinander, nur etwa fünfzehn  Minuten Fußweg voneinander entfernt. Die Gastfreundschaft und das fröhliche Gelächter hallten noch in mir nach.

Es war ein Zufall,der mich dorthin geführt.Jugendliche  Neugier. Ich war zu einer Hochzeit in Siebenbürgen eingeladen. Sie währte bereits den zweiten Tag. Ich brauchte Luft, Bewegung, lief ein Stück. Zwei Kinder sprachen mich an, gestikulierten lachend und nahmen mich an die Hand. So war ich dorthin gelangt wo ich nun stand-in einer windschiefen Hütte in der sich gerade ein Dorf versammelte.

Irgendwann gab ich das Baby der Mutter zurück, es hätte einen Arzt gebraucht und Medizin. Zum Abschied schenkten mir die Kinder ein Bild -rumänische Sonnenstrahlen in einer Flasche verpackt. „Deutschland—-kalt……“

„Zwei Kinder haben mich angesprochen“, sagte ich zu Katinka (der Großmutter in der Hochzeitsfamilie) bei meiner Rückkehr. Kuckucksuhren tickten  an der Wand)“ Haben sie gebettelt, nicht?, fragte sie“ „Haben sie.“

Sie war erbost , erbost über meinen Ausflug in die Roma Siedlung, von deren Existenz ich bis dahin nichts gewusst hatte. „Wie kannst du uns nur so ins Gerede bringen!“  Die Armut würden sie so wollen erklärte sie mir, sämtliche Förderprogramme des Staates würden scheitern, der Alkohol alles kaputtmachen.

Ich hatte eine Erfahrung gemacht die mich nicht mehr loslassen sollte. Wenn auch den Erwachsenen vielleicht nicht zu helfen war, was war dann mit den Kindern?

Ich bin etwa zehn Jahre später noch einmal nach Rumänien gefahren, hätte dort mit Kindern arbeiten können. Mir  fehlte letztendlich der Mut, vielleicht  fühlte sich das Land , die Mentalität doch zu fremd an. Das Leben der  meisten Roma ist immer noch geprägt von bitterer Armut. Vor einigen Wochen erhielt ich einen Brief in dem von Vertreibung der Roma erneut die Rede war. Ein ganzer „Slum“ wurde abgebrannt. Eine Frau hatte gerade entbunden als sie ihr Dach über dem Kopf verlor. Der Brief geschrieben von Jenny Rasche an Fördermitglieder ihres Schulprojektes.

Hier ein Video von Ida Kelarova http://cs.wikipedia.org/wiki/Ida_Kelarov%C3%A1 die seit vielen Jahren Unterstützung leistet und sich mit Herzblut engagiert. Ich selbst habe bei ihr mal einen Gesangsworkshop besucht. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit einer ebenso beeindruckenden Art des Singens.Das Video zeigt sie bei einem Besuch einer Roma Siedlung in der Slowakei.

http://www.youtube.com/watch?v=jb_cRS5dtPw

Wer will kann hier mehr über Ida Kelarova und ihre Mitstreiter erfahren.

Danke für den Link Karina!!!!!!!!!http://www.miret.cz