Marina, die kleine Meerjungfrau aufgeführt von den Akademien am Theater Kiel

Schon allein das Bühnenbild und die farbenprächtigen, phantasievollen Kostüme entführten in eine andere Welt. Orchester, Chor und Ballett der Akademien am Theater haben ein professionelles und berührendes Stück auf die Bühne gebracht. Einfach Klasse. „Tosender Applaus am Ende des Stückes im ausverkauften Saal.

Eine Frau neben mir fragt: können sie mir das erklären mit den Akademien?  Das tue ich gern. „So eine Leistung!“, sagt die Dame. So eine professionelles Arbeit! Das möchte ich gleich nächste Woche noch einmal sehen!“

„Es ist ausverkauft“, sage ich. „Leider.“  „Sie müssen das unbedingt weiter geben. So ein berührendes Stück, so großartige Leistungen !“

Ich kann es nur wiederholen, ich halte die Akademien am Theater für einen Glücksfall für Kiel. Was Kinder und Jugendliche dort mitbekommen, welchen Schatz sie erwerben….

Nun bin ich aus der Unterwasserwelt zurückgekehrt. Vielleicht schaue ich mir noch mal die alte tschechische Verfilmung an. Es war mein Lieblingsmärchen schon als Kind und ist es immer noch und jetzt noch einmal mehr.

Im Buchladen oder wie ein verzweifelter Vater bei Whisky Trost suchte und bei Mediamarkt Hoffnung fand

WhiskeyÜberbrückung im Buchladen. Hab mir Klemperer, Speer und Hannelore Hoger  aus dem Regal genommen. Es ist Freitagnachmittag. Ich nehme auf dem roten Sofa Platz. Nie wieder werde ich aufstehen. Das Chili war so lecker, dass ich weit über den Sättigungsgrad hinaus zugeschlagen habe. Doch schon recht schnell vertreibt mich eine Mutter mit Kind aus der Leseecke. Sie lesen ganz leise, nur der kleine Bruder ist abenteuerlustig.

Ich ziehe zur nächsten Leseecke, höre noch, wie der Vater beauftragt wird den jungen Sproß zu betreuen. Es dauert also nicht lange und der Kleine stürmt auch diese Leseecke. „Nein , nicht hier“, sagt der Vater. Das ist ein Buchladen, da wollen die Leute lesen.“

Der Kleine klettert behend auf das rote Sofa. Er verkündet: „Ich mag Boofs!“ Nur um sich schnell ein Buch zu greifen. Der Vater erscheint entlastet. Runde um Runde war er dem Sohn durch den Buchladen gefolgt. Atempause.

“ Gutes Buch“, sagt er zu dem lesenden, älteren Mann. Ich schaue kurz hinüber, aufs Cover. Ich bin ein neugieriger Mensch. „Whisky“ so lautet der Titel.

„Wenn sie wollen , können sie ihr neu erlesenes Wissen auch gleich praktisch anwenden. Das Steigenberger/Conti Hansa hat einmal im Jahr eine wirklich gute Whiskymesse. “

„Zum Zugucken?“, fragt der Leser langsam und sucht nach Worten. „Nein, nein zum Trinken. Und zum Kaufen natürlich. Exzellente Whiskeys!“

„Danke für die Einladung.“ Mit slawischen Akzent spricht der ältere Mann.  Er lächelt jetzt.

Der Kleine springt unterdessen auf dem roten Sofa. „Komm jetzt „, sagt der Vater streng. „Wir gehen zu Mediamarkt. Der Kleine schaut unwillig. „Da kannst du richtig teure Sachen kaputt machen! “  Diesem Angebot kann der Leseeckenrebell nicht widerstehen.  Er tapst an der Hand des Vaters tatfreudig los. Ich wünsche viel Spaß. Der Vater dankt.

Die Kita rockt-Auf musikalischer Entdeckungsreise in der Rockschule Russee

„Musik nimmt einen immer geringeren Stellenwert im Kita Alltag ein.“ (Zitat Bertelsmannstiftung). Bei uns ist das nicht so! Im letzten Jahr  bot ein Vater ein Jahr lang musikalische Frühförderung an, nun haben wir einen rockenden Großvater,  der den Kindern das Ukulele spielen zeigt und uns einen Ausflug in die Rockschule Russee organisierte. Was für ein Glück!

Die Kinder staunen. Unser heutiger Ausflug führt uns in die Rockschule Russee. Schlagzeug und E-Gitarren werden bestaunt. Die junge souveräne Musikpädagogin bringt alle erst Mal mit Stampfen und Klatschen in Schwung. Gar nicht so einfach Hände und Füße zu ordnen.  Dann geht es los: Ich will das rote Schlagzeug und ich das Cello!

Habt ihr auch Trommeln die man um den Hals hängen kann? Die Kinder sind neugierig, probieren Bass, Cello, Keyboard aus. Man staunt über die schnellen rhythmischen Erfolge. Die Anleitung ist professionell und begeisternd.  Der Chef der Rockschule übt mit den Kindern einen Song ein. Am Ende gibt es eine Session.  Das war richtig cool, so die einstimmige Meinung der jungen Besucher. Wir haben für das nächste Kindergartenjahr ein tolles Musikprojekt zusammen mit der Rockschule geplant.  Die Idee allerdings verrate ich nicht. Es ist nämlich unsere gemeinsame Idee.

 

Ein Hoch auf die Krusenkoppel zur Kieler Woche

Man wird ja schnell ungerecht, wenn man gezwungen ist sich ins Getümmel zu begeben.

So bekam die Krusenkoppel im letzten Beitrag nicht das, was sie verdiente. Sie ist nämlich das Gegenstück zu Bratwurstbuden und Angeboten die vornehmlich zum Konsumieren einladen.

Die Krusenkoppel ist Kult. Auf dem erhöhten Gelände entstehen jedes Jahr um diese Zeit, zauberhafte Welten. Dieses Jahr ist das Thema: Unterwasserwelt.

Die Kinder beteiligen sich hämmernd an den magischen Bauten, mit Lehm werden Tiefseeungeheuer erschaffen, Theaterstücke eingeübt. Geschminkt werden kann sich selbst an langen Schminktischen. Und in diesem Jahr erzählt ein Wassermann magische Geschichten. Das größte Kinderkunstfestival Deutschlands.  Ein Gegenentwurf.

Und wer dann von der Unterwasserwelt noch nicht genug hat, kann im Theater Marina, der kleinen Meerjungfrau zuhören und sehen. Eine Gemeinschaftsproduktion der Akademien am Theater deren Premiere hochgelobt wurde. Ich habe sie leider noch nicht gesehen, freue mich aber auf Samstag. Die Akademien am Theater Kiel sind für  die für Musik und Tanz begeisterten   jungen Bewohner dieser Stadt ein wirklicher Glücksfall. Aber davon schreibe ich ein anderes Mal.

Und wer noch mehr sehen will, schaut mal hier:

Sommertagsplitter einer Kieler Wochewoche

Dem Professor sollte ich helfen einen schwierigen Gast zu betreuen. Der Professor, ein Mann um die achtzig, knittrige, altmodische Hose und wirres, ungekämmtes Haar,  hatte seine Wohnung räumen müssen,  für den Gast aus England.  Ich wollte zu einem Konzert. Der Job kam nicht gelegen. Schwüle Wärme verlangsamt die Bewegungen.  Die Hitze versetzt die Stadtbewohner in einen  Slow Motion Zustand.

Nur der Engländer scheint energiegeladen. Kaugummikauend hält er das Smartphone ans Ohr. Man sieht es ihm an:  Er hat Erfolg, vermutlich auch Haus, Familie, Segelboot. Sympathisch ist er nicht.

Die Wohnung des Professors besieht er spöttisch. Der Professor hat extra noch aufgeräumt.  “ No way „, sagt der  Engländer und zieht die Mundwinkel abfällig nach unten. Er will ins „Lands End“. Ich halte das für eine gute Lösung, dann kann der Professor wieder in seiner Wohnung sein. Der Professor sagt, ich hätte länger gegenhalten sollen. Die Fördermittel würden für das“ Lands End“ nicht ausreichen. Nun müssten wir die Differenz übernehmen.

Ich wache auf, schwüle, drückende Wärme. Merkwürdiger Traum. Die Kaffeemaschine blubbert vor sich hin. Es gibt kein schöneres Geräusch am Morgen.

Der Gatte konzertiert irgendwo. Das Kind muss zur Kieler Woche. Es graut mir vor der Fahrt in die Stadt. Zurecht. Die Straßen sind brechend voll, viele andere gesperrt, die Parkplatzsuche ein Abenteuer. Der Bulli quetscht sich durch enge Gassen. Um meiner Ruhe willen parke ich drei Kilometer entfernt.

Auf der Koppel ist alles voll mit gut gelaunten Vätern, Müttern und Kindern.  Kleine Mädchen lassen sich bunte Bänder ins Haar flechten oder sich Schmetterlinge ins Gesicht malen. Zwei Stunden werde ich in dem Trubel überbrücken dürfen. Knausgard hab ich unterm Arm.

Ich finde einen Platz im Schatten, höre dem Chor beim Einsingen zu, lese Knausgard. Der ist jetzt bei Utoya oder bei Hitler. Ich schlage das Buch wieder zu. Breivik  halte ich jetzt nicht aus, Hitler auch nicht. Die Männerstimmen singen „Heilig“. Was für ein perfekter Klang. Es ist wie ein Gegengewicht zum konsumierenden, feierwütigen Kieler Woche Besucherstrom. Zu Recht wird dieser Chor  beim Konzert viel Beifall bekommen.

Später verschwindet Karlas Gesicht hinter einer riesigen, rosa Zuckerwatte. Die drei Kilometer zum Bulli überwinden wir spielend. Knausgard habe ich noch immer unterm Arm. Schwüle, drückende Wärme. Am Bahnhof springt der Sohn mir fast ins Auto. Er freut sich über die Mitfahrgelegenheit. Zuhause angekommen setze ich Erdbeer-Holunderblütenmarmelade an und versuche Knausgard zu lesen. Es gelingt mir nicht.

Es ist einfach zu warm.

 

Von Kräutern und Wildschweinen-Waldpädagogikfortbildung

 

 

Wo jetzt ein paar süß gestreifte Frischlinge in der abendlichen Dämmerung herumflitzen, sollte eigentlich niemand sein. Die unruhige Bache läuft am Zaun hin und her. Das wir ebenso unruhig sind ahnt sie nicht. “ Der Zaun hat ein Loch!“  Wir hoffen, dass es nur Frischlinge durchlässt. Über Waldgefahren sind wir an diesem Nachmittag unterrichtet worden.

Die sichere Höhle ist irgendwann erreicht. Am nächsten Morgen gibt es einen kleinen Einblick in die Welt der Kräuter. Nährstoffarmer Sandboden, wir finden Brennesseln, Giersch, Gundermann, Sauerampfer, Scharfgarbe.  Vielfalt der Pflanzenwelt.  Wir verarbeiten sie zu grünen Brötchen, Kräuterbutter, Kräuterquark, Gierschkartoffeln und wilder Suppe. Die Männer wollen noch schnell eines dieser ausgebüxten Frischlinge erjagen. Seit  sechs Monaten geistert der Frischlingsbraten im Hirn herum, nur um bei jeden Kurs erneut aufzusteigen. Bioschwein gibt es, nur wild ist es nicht, aber schmackhaft allemal. Das sechs Gänge Menü sucht seinesgleichen. Gesättigt und gut gelaunt geht es zur nächsten Tat.

Die Sonne schiebt sich durch regenschwere Wolken. Wie kreieren Seife, Badesalz und Kräuteröle. Die Kursleiterin vermittelt Wissen und Begeisterung. Und dann ist der Kurs auch schon wieder zu Ende.  Mit Auto, Bahn und Bus geht es zurück. Im Bus öffne ich den Rucksack auf der Suche nach Geld. Es entströmt ein intensiver Orangenduft. Die letzten Kilometer lege ich zu Fuß zurück.

Zuhause bin ich allein, nur Hund und Kater finde ich vor. Anna ist mit der Freundin in der Stadt, Julius büffelt bei einem Freund und Karla ist bei einem Chorwochenende. Im Garten hat sich mitten in die Quecke eine wunderschöne Wildrose gesetzt. Auch Holunderblüten werde ich pflücken und zu Tee und Sirup verarbeiten

 

 

Was machst du eigentlich so Montags? Frau Brüllen Tagebuchbloggen am5.

 

3.30 Uhr-in der Mansarde geschlafen. Von hier sieht man aus dem Bett,  direkt in den Sternenhimmel. Der Nachteil: Es ist stickig. Ich öffne das Klappfenster, spüre die morgendliche Kühle, die doch einen sonnigen Tag verspricht.  Schön der Blick über Kastanien, Birken und Ahornbäume. Ein Stück weiter weg, der See.

„Hej Kater, warte ich mach dir auf.“ Er tummelt sich im unbewohnten Nachbarsgarten. Die Natur holt sich hier ihr Gebiet zurück.  Ich laufe die Stufen herunter.  Es ist so still ohne Familie, ohne Hund.  Der solitäre Kater schlüpft mit einem piepsigen Miau herein. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen. Er frisst und kuschelt sich dann in ein Ikeakunstfell. Vermutlich aus Gründen der Tarnung. Weiß auf Weiß. Der Kater war lange Straßenkater und kennt die Überlebenstechniken.

Der Kaffee in der Kaffeemaschine ist noch heiß. Lang geschlafen hab ich nicht.

Die ersten Seiten Knausgard dieses Tages, dazu der bittere Geschmack des Kaffees und Vogelgezwitscher. Schlafen kann ich später.

Knausgard ist bei Hitler. Eigentlich hatte ich von Hitler gerade genug, auch von Mohler, Jünger und Heidegger. Aber ich hab mich so auf den neuen Knausgard gefreut, ich bleibe dran. Und ja, es ist hilfreich sich gerade mit Kershaw und Jünger beschäftigt zu haben.

Knausgard fügt spannende Aspekte dazu. Zwischendurch putze ich das Haus. Die Zeit verrinnt ungewohnt langsam. Dann trifft ein Teil der Familie ein. Sie haben das Wochenende am See genossen. „Du bist so gut gelaunt“, sagt der Gatte.  „Es muss am Kinderfrei liegen.“ „Am Menschenfrei“, Gatte. am Menschenfrei.“ Der Gatte bricht auf zum Picknick.

„Ich hab euch vermisst, ehrlich.“

„Sch…drüben sind Die Kaninchen von Jana abgehauen. Und Jana ist schon beim Picknick. Sieh an der turbulente Alltag ist zurück. Die Kaninchen sind eingefangen, als ich auch die große Tochter einfangen will, sie war in Dänemark, gelingt das nicht.  Ein warmer Pfingstmontag, die Möwen kreischen, im Bulli ist es heiß. Im Zug saß Anna nicht.

Als ich Zuhause eintreffe, sitzt sie mit Sonnenbrand versehen in ihrem Zimmer. „Wo ist Papa und Julius und Karla?“ “ Beim Picknick.“ „Willst du auch?“ „Nee lass mal Mama, ich bin total kaputt.“

 

 

 

 

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen am 5.