Nächtliche Begegnungen

Türkisch van 053

Der Vogelgrippe sei Dank: die Katzen haben Hausarrest. Sie nutzen die Nächte, um Territorien neu zu verhandeln. Des Katers Leben hat sich geändert, seit dieser kätzisch forsche Familienzuwachs aufgetaucht ist. Hör zu Kater : ich habe schon viel von der Welt gesehen. Auf Grund meiner Intelligenz, meiner Bildung, meiner Weltgewandtheit, weiß ich …Was weißt du? Alles Kater, alles. Niemand kann Andere so gut einschätzen wie ich, Zusammenhänge beurteilen und effizient arbeiten. Nur deshalb hab ich es zu etwas gebracht. Ich bin nicht überheblich, aber ich weiß nun mal wie der Hase läuft. Der Kater miaut kläglich.

War ja nicht so gemeint. Die Katze lenkt ein: Ich könnte dir helfen das Jagen zu erlernen. Sprichts und hilft, denn sie hat die große Jagdprüfung vor Jahren bestanden. Natürlich wird am Ende noch auf die eigenen Fähigkeiten hingewiesen. Struktur zum Beispiel. Der Kater geht beschämt in seine Ecke, die Katze macht es sich am Kamin bequem.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Ich  öffne die Tür. Kälte, Dunkelheit und „Die Zeit“ auf der Treppe. Überschrift: Der Mensch nebenan-Wissenschaftler erklären das Geheimnis friedlichen Zusammenlebens.

 

Mütterbilder in Ost und West

Als ich 89 über Ungarn in den anderen Teil Deutschlands aufbrach, allein, mit wenig Geld und keiner Habe….Als ich 89 meiner Heimat desillusioniert den Rücken kehrte, stellte ich mich auf Unwägbarkeiten ein. Es waren jedoch nicht die bunten Dinge, die sanierten Städte und die Freiheit die mich erstaunte. Nein- viel mehr geriet ich in Erstaunen über die Unfreiheit der Frauen. In meinem ersten westdeutschen Jahr, arbeitete ich als Aupair in einer Heidelberger Familie. Kindergartenplätze die bis 12.00 Uhr gingen, Frauen die finanziell schlechter bezahlt wurden als Männer, arbeiteten höchstens halb oder blieb ganz zu Hause. Wer einer Trennung zum Opfer fiel, geriet schnell in prekäre Verhältnisse. Es gibt keine Gleichberechtigung in diesem Land, schrieb ich damals in mein Tagebuch. Das ist schade. Wie soll man denn hier Kinder bekommen können?

Seit damals sind fast dreißig Jahre vergangen und vieles hat sich verändert. Berufstätigkeit und Kindererziehung sind besser zu vereinbaren. Dennoch das Frauenbild der 50ziger Jahre, in denen Frauen noch die Erlaubnis brauchten um arbeiten zu gehen, spukt noch in den Köpfen. Es gibt Einiges, was ich in der damaligen DDR schwierig fand. Viele wurden ehr vom Staat erzogen. Positiv war dennoch eine wirkliche Chancengleichheit. Wer aus dem bildungsferneren Umfeld kam, hatte dennoch eine wirkliche Chance. Töchter bekamen von ihren Müttern Unabhängigkeit und Stärke vorgelebt.  Heute nach dreißig Jahren in Gesamtdeutschland-liebe ich meine Kinder über alles. Sie sind das Wertvollste was ich habe. Sie sind sozial, kreativ, intelligent. Sie definieren sich nicht über Konkurrenz oder vermeintliche Stärke. Sie sind kritisch, freiheitsliebend, Leseratten. Und ich liebe meine Arbeit. Die Nacht habe ich mir grübelnd um die Ohren geschlagen und entschieden. wir brauchen eine Person die uns unterstützt. Eine Art Aupair. Jemand der entweder die Kinder beim Lernen unterstützt oder Fahrtouren übernimmt. Vielleicht aber, ist auch der gymnasiale Zweig für zwei der drei Kinder zu schwierig. Eine Option die ich nur ungern in Erwägung ziehe, weil alle drei sich in ihrer Schule sehr wohl fühlen.

Versuch über eine Bildgeschichte: Als Vater einen Baum pflanzte

Ein Mann muss im Leben ein Haus gebaut, ein Kind erzogen und einen Baum gepflanzt haben.

Papa und ich saßen am Kamin, das Feuer flackerte. Ein Herbststurm  warf sich gegen das Haus. Fauchte. Wütete. Jammerte. Aber wenn Papa bei mir war, dann konnte kein Fauchen, Wüten und Jammern mir etwas anhaben. Er war der beste Papa, der stärkste und mutigste Papa.

Es gibt nichts Besseres als Eschenholz, pflegte er zu sagen. Das Holz ist geschmeidig und fest. Es gibt die besten Spatengriffe nur vom Eschenholz.Und dann hatte Großvater ihn überrascht. Mit einem Eschenbaum, den Papa einpflanzen wollte.

Wir müssen einen guten Platz finden für die junge Esche.

Für Eschen hatte ich nicht so viel übrig. Mir hatten es ehr die Apfelbäume vom Nachbarn angetan.  Papa fand einen Platz vor unserem Haus und pflanzte den Baum ein. An diesem Tag war ich beim Nachbarn Krause vorbei gelaufen. Über dem Zaun hing ein Zweig eines Apfelbaumes. Ein rotwangiger Apfel schaukelte daran. Ich dachte an von Ribbeck-das hatten wir gerade in Deutsch. Ich hörte den Baum deutlich wispern: willste ne Beer? Aber da schoß Krause schon aus der Tür; mit diesen dämlichen Hosenträgern über dem T-Shirt. Ich mein der war nicht nur riesig, der war auch rasend vor Wut. Schäumend vor Zorn lief er hinter mir her.Bis vor mein Haus. Und da stand mein Papa, der beste, stärkste, mutigste Papa. Er war viel kleiner als Krause. Trotzdem fühlte ich mich sicher, als ich hinter seinen Beinen Deckung suchte. Der riesige, wutschnaubende Krause, mein kleiner Papa….und dann riss Papa die Esche heraus. Hielt den Baum in der Hand als wäre er aus Pappe. Krause bekam den Mund nicht mehr zu. Er stand da wie angeklebt. Und jetzt sagte Papa- les ich dir die Geschichte vom tapferen Schneiderlein vor. Ich wusste er meinte den Käse und kicherte. Was hältst du davon Söhnlein: Morgen pflanzen wir die Esche und für dich einen eigenen Apfelbaum. Mein Papa ist nämlich der weiseste, mutigste und beste Papa der ganzen Welt.

Ein langer langsamer Tag oder Grünfinken haben keinen bad hair day

dsci0652Eine Esche liegt entwurzelt im Garten.  Grünfinken klauben sich Hagebuttenkerne aus den Hagebutten. Kohlmeisen picken die aufgehängten Körner, während die Amseln scharenweise in den Apfelbäumen sitzen. Friedliches Nebeneinander bis  drei Möwen im aggressiven Sinkflug das Bullerbü attackieren. Entweder haben sie Langeweile oder Hunger.

Lange betrachten Karla und ich einen Weberknecht unter der Lupe. Lass uns herausfinden ob es nicht doch eine Bananenspinne ist. Google präsentiert uns eine Spinnenidentifizierungsseite.Der kleine Spinnenkörper sieht aus wie eine Maulbeere. Mit den beiden verkürzten Beinen,  die Zangen als Werkzeug haben, versucht er sich in die Freiheit zu schneiden.  Keine Spinne-nur ein Weberknecht. Puh.

Später bäckt Karla Plätzchen. Sie werden grün und blau verziert.

Dieser Tag gehört uns allein. Die Stunden fließen langsam dahin. Der Hund soll lernen auf Zuruf als Fußwärmer herzuhalten. Wir lesen Alice im Wunderland, essen Mittag. Warum schmeckt das Gemüse plötzlich so gut Mama? Weils vom Biohof ist.

Erst am Abend kehrt mit dem Rest der Meute der Alltagstrubel zurück. Alle Kerzenständer sind verkauft, die Seifentiere auch. Warum der Tag dennoch in einem Fiasko endet? Es ist ein bad hair day, nicht für mich, aber offensichtlich für Andere.

Müder Beginn des Heute, das mich zweifelnd fragen lässt was zählt beim Muttersein. Die Dunkelheit umschließt das Haus. Eine Walkertruppe zieht laut redend am Fenster vorbei. Der Hund schnarcht. Und Draußen ertönt ein erster Warnruf eines Vogels. Noch einen Kaffee. Ich versichere mir selbst, das dieser Tag kein bad hair day wird und bringe den Müll von gestern durch morgendlichen Nebel zur Tonne. Die schön verzierten Kekse aber beheimate ich in einer Dose. Es gilt- das Schöne zu bewahren.